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KC-Blätter · 1917-05-01 · Heft 17 (Mai 1917) · p. Seite 896

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 17 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 896 (sequence 30)
Language
German
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896 der Kriegszeit in die Wege zu leiten. Dabei wurde festgestellt, daß es augenblicklich an vielen Hochschulen noch nicht möglich sei, die gesamte Studentenschaft berührende Beschlüsse zu fassen. Daher wurde es zunächst als wünschenswert erachtet, die Satzungen der bereits bestehenden Ausschüsse zu sammeln »mb, mit einer kurzen Denkschrift versehen, den Behörden der Universitäten und Hochschulen, an denen noch keine Studentenausschüsse bestehen, zu überreichen, um dadurch überall die Gründung örtlicher Vertretungen der Studentenschaften zu beschleunigen. Sobald dieses Werk soweit fortgeschritten sein wird, datz eine Znsannnenfassung der gesamten deutschen Studentenschaft gesichert erscheint, will man einer allgemeine» Versammlung nähertreten. Die Verteilung der Stinnnen dort könnte sich auf der Grundlage aufbanen, daß die einzelnen Universitäten oder Hochschulen auf jedes angefange»re Tausend ihrer immatrikulierten Studierenden je einen Vertreter erhalten. Mit der Fortführung der Vorarbeiten für diese Tagung ist der Ausschutz der Studentenschaft der Universität Berlin betraut worden. Als nächster BersammlungSort ist wegen seiner günstigen Lage Jena in Aus. sicht genommen. Die Studentenausschüsse als Organe der studentischen Selbstverwaltung haben sich bisher schon in ihren verschiedenen Arbeitsgebieten vornehmlich mit sozialen Aufgaben im weitesten Sinne beschäftigt. Wenn eS also gelingen sollte, einen Studententag als die zusammenfassende Spitze aller Ausschüsse einzurichten, so würde auch dieser den sozialen Berufs, und Standesinteresse»» vornehinlich zu dienen haben. In allen Ständen und Gliedern des deutschen Volkes sehen wir den starke»» Trieb zu»»» Zusammenschlutz unter genosienschaftlichen Gesichtspunkten, denn nicht durch den Individualismus des Einzelnen lasten sich weitblickende Pläne sozialgeistiger und sozialwirtschaftlicher Art verwirklichen, sondern allein durch geschloffenes Borgehen der Gemeinschaft. Die Studentenschaft hat »nit Recht in der Pflege i»»dividualer Freiheit bisher den »vertvollsten Inhalt ihrer Kulturaufgaben erblickt, und daran soll auch nichts geändert »verden. Aber daneben ist eine stärkere Ausbildung des Gefühles der Zusammengehörigkeit unerlätzlich geworden, besten äutzeres Zeichen der Zufammenschlutz aller Studierenden auf dem neutralen Boden der Studentenausschüste ist. ES gibt eine Reihe von Fragen, die einen jeden gleich, mätztg interessieren rnüffen, mag er nun Korporations- oder Freistudent sein, mag er konservativer oder demokratischer Weltanschauung huldigen. Die Sludienverhältniffe, die wirtschaftliche Lage, die Berufsaussichten, das sind diese Punkte in ihrer allgemeinsten Faff»»ng. Man kann gervitz sagen, datz die Beteiligung aller Studierenden an der Behandlung und Lösung dieser Fragen auch schon vor dem 5kriege eine selbstverständliche Forderung hätte sein müffen. Und doch roar von solchen Interessen nur gelegentlich etivas zu inerten. DaS lag daran, datz es keine schweren sozialen Mitzstände gab, oder richtiger gesagt, datz diese nicht besonders öffentlich in Erscheinung traten, »veil sie nur einen Bruchteil der Gesamtheit betrafen. Der Kneg hat diesen Zustand von Grund auf geändert,' die »»ngeheueren Schäden, die er in das Sozialleben der Studierenden gerissen hat, stehen uns allen heute stündlich vor Augen. Viele der Besten find dahingeaar»gen, viele andere haben nur noch eine beschränkte Arbeitskraft und Berufsmöglichkeit. Das freie Spiel der Kräfte, die natürliche Regelung von Angebot und Nachfrage, die mechanische Auslese nach dem Prinzip des Rechts des Stärkeren, Brauchbareren wird nicht mehr zur Auffüllung der akademischen Berufe ausreichen. Wir müffen »nit dem studentischen Nachwuchs künftighin sehr viel haushälterischer umgehen. Der Ka»npf um die juristische Borbereitungszeit beweist, datz um» aus den» besten Wege ist, die Frage der Berufsvorbereitung und der schnelleren Anstellung ernsthaft in refvrmatischem Sinne zu lösen. Auf diesem Gebiete kann der Student selbst direkt nur sehr »venig oder fast gar nichts tun. Er kann aber auf seine Weise durch Organisationen mannigfacher Art den Boden schaffe»», der alles Spätere und bereits Autze» studentische vor. bereitet und fördert. Wie aber soll das geschehen? In dieser Frage ist der Inbegriff aller »virkliche»» studentischen Reforn» beschlossen. Ein allge»,»einer Arbeitsbund »nutz entstehe,», der mit Nachdruck die sozialen Aufgaben aller und jedes einzelnen in Angriff nimmt, eine Gesamtvertretung der deutschen Studenten ist notwendig, die sich natürlich planrnätzig aufbauen muh auf den Vertretungen der Studentenschaften an den einzelnen Hochschule»», den behördlich anerkannten Studentenausschüssen. Aus der grotzen Fülle der Aufgaben »väre das praktisch »vichtigste zunächst die Berufsberatung, die alle Ziveige der Wissenschaften und Fachberufe zu umsaffen hätte. Besonders über die Aussichten und die Vorbildung der freien Berufe herrscht bei den Anwärter»» grotzv Unklarheit, und viele Enttäuschungen »varen die Folge. Es »nutz jeden» Studierenden Gelegenheit geboten »verden, sich leicht r»nd vollständig vor Aufnahme seiner Studien darüber unterrichten zu können. Auch die technischen Fächer wären natürlich dabei einzubeziehen. Ferner muh das Stipendienwesen einheitlich und übersichtlich gestaltet »verden, sodann ein besonderer Wirtschaftsausschuß die Lebensbedingmlgen in den verschiedenen Hochschulstädten prüfen und bekanntgeben. Dazu gehört auch die Frage des studentischen WohnwesenS, ebenso die Einrichtung akademischer Speiseanstalten unter Benutzung der bisher gemachten Erfahrungen, »veiler die ArbeitSver»nittl»»ng und einheitliche Regelung der Preissätze für Privatunterricht, damit die Unterbezahlung verhindert »vird. In einer anderen Richtung liegt die Gründung einer Beratungsstelle für Auslandsstudium) ihre Aufgabe wäre es, jeden, der den Entschlutz gefaßt hat, eine Zeit lang eine autzerdeutsche Hochschule zu besuchen, über die Verhältniffe im einzelnen aufzuklären, dau»it er nicht von irgend eine»» romantischen Za»»ber verführt, dorthin gebt, wo sich »venig für seine Zwecke bietet. Auch ei»»e planmätzige, »rmfangreiche Werbung liehe sich von hier aus in die Wege leiten, besonders für den stärkeren Besuch deutsch-österreichischer Universitäten im Sinne der »»itteleuropäischen Kulturgemeinschaft. Das Allerrvichtigste freilich »väre eine umfaffende Organisation zur Förderung der öffentlichen Bildung der Studierenden; hierbei denkt man wohl zunächst an eine Weiterentrvicklung der schon an den meiste»» Universitäten bestehenden Lesehallen. Wenn diese eine gemeinsame Zentralstelle hätten, die alle Erfahrungen samnielt und verwertet, den Lesestoff sichtet und in grotzen Auflagen bestellt, so würde das i für die verschiedenen Hochschulen eine »vesentliche Er- [ leichterung und Vervollständigung bedeuten. Damit hä»»gt dann a»»ch die Einrichtung von Büchereien, die de»» Studierenden guten Lesestoff, besonders zeitgemätzen, verschaffen, die Veranstaltung von staatsbürgerlichen Borträgen, Besichtigung parlamentarischer Einrichtungen und ähniiches zusan»,nen. Ein derartig sozialer Bund hätte sich natürlich auch um die Vertretung studentischer Wünsche gegenüber den gesetzgebender» Behörden zu kümmer»». Wie anders hätte man etwa in der Frage des Ausländerstudiums Vorgehen können, wenn die gesamte deutsche Studentenschaft ein einheitliches Sprechorgan gehabt hätte. Es mutz betont »verden, datz diese Zentralstelle der Studentenausschüffe nicht in das Arbeitsgebiet des „Akademischen Hilfsbundes" eingreifen soll. Diese Organi-

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