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KC-Blätter · 1917-05-01 · Heft 17 (Mai 1917) · p. Seite 895

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 17 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 895 (sequence 29)
Language
German
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895 fort, wo er sich besonders an den ausgezeichneten Sprachforscher und Psychologen H. Stelnthal anschloß. Seine Studien galten damals besonders der griechischen Philosophie. Nachdem er 1865 in Halle mit einer lateinischen Abhandlung über Aristoteles Lehre vom Zufall promoviert hatte, privatisierte er einige Jahre hindurch in Halle und Berlin und vertiefte sein Wissen namentlich auf den Gebieten der Naturwissenschaften und der höheren Mathematik, deren Grundbegriffe für die weitere Entwicklung seines Geistes und die Ausbildung seines philosophischen Gedankenbaus von einschneidender Bedeutung wurden. Im Jahre 1871 veröffentlichte er sein erstes größeres Werk „Kants Theorie der Erfahrung", das vor, größter Wichtigkeit wurde für das Wiedererwachen der kritischen Philosophie. Es erregte die Aufinerksanrkeit Friedrich Albert Langes, der seitdem den Arbeiten deS jüngeren Fachgenossen die lebhafteste Teilnahme entgegenbrachte und ihn zur Habilitation in Marburg anregte, wo er selbst damals als Ordinarius wirkte. Nach Langes früheur Tode (1875) wurde er auf einmütigen Vorschlag der Fakultät vorn Minister Dr. Falk zu dessen Nachfolger berufen. Der schönen hessischen Universitätsstadt ist Cohen von da ab dauernd treu geblieben und hat sie unter Mitwirkung seines jüngeren Freundes und Fachgeuoffen Paul Natvrp viele Jahre hindurch zu eineur einflußreichen Mittelpunkt der . philosophischen Studien in Deutschland zu machen gewußt. Eine Reihe tüchtiger Denker, wie Rudolf Stammler, Karl Vorländer, W. Kinkel, Ernst Cüffirer u. a. bekenrren sich mit Stolz als seine Schüler. Im Herbst 1912, nach Erreichung des biblischen Alters, zog sich Cohen von seinem Lehramt zurück und siedelte nach Berlin über, wo er seitdern an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums Vorlesungen und Uebungen über ältere und neuere Philosophie (Plato, Descartes), jüdische Religionsphilosophre, Ethik und verwandte Themata hält. Nach Kriegsausbruch stellte er daneben seine Lehrkraft zeit, rveise wieder der Märburger Universität zur. Verfügung, wobei der Hochbetagte allwöchentlich die weite Reise von Berlin nach der Lahnstadt nicht scheute. Auch seine gerade in den letzten Jahren sehr ergiebige literarrscheSchaffensfreudigkeitauf kulturpsychologischem, philosophischem, religionsphllosophischem und ästhetischem Gebiete — so hat er eine Aufsehen erregende Schrift, über das Verhältnis von Deutschtum und Judentum geschrieben — zeugt von der ungebrochenen Arbeits¬ und Spannkraft dieses scharfen und durchdringenden Geistes. Der K. C., besten Organ sich gleichfalls der Mitarbeit Cohens rühmen kann, schließt sich von ganzem Herzen den Glückwünschen an, die von allen Seiten unseres Vaterlandes dem großen Philosophen dargebracht werden, und hofft, daß ihm noch lange Jahre rüstigen und erfolgreichen Schaffens im Jntereffe der Wissenschaft und des Judentums beschicken feien. Schmollers Univerfitätsstatistik. Profeffor Schmoller hat in den, Aussatz „Obrigkeit und Bolksstaat", den er in seinem Jahrbuch veröffentlichte, gegen die Beschwerden über die Benachteiligung der Juden im preußischen Staatsleben u. a. geltend gemacht, daß die jüdischen Privatdozenten und Profefforen rasch zugenommen hätten und an einzelnen Kliniken jahrelang nur jüdische Affistenten angestellt worden seien. Die Korrespondenz dös Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat jetzt diese Behauptung aus ihre Richtigkeit nachgeprüst und ist dabei zu folgenden ganz entgegengesetzten Ergebnissen gekommen. Schon in einer 1911 von Justizrat Breslauer verfaßten Denkschrift über die Entwicklung an den Universitäten von 1874—1910 wurde geklagt, daß die Verhältnisse für die Jude,» sich immer rnehr verschlechtert hätten1910 seien von allen ordentlichen Profefforen nur 2*/2 Prozent Juden gewesen. Nach der Zählung für das Wintersemester 1916/17 ist aber seitdem der Prozentsatz der Juden unter den ordentlichen Profefforen sogar noch auf die Hälfte heruntergegangen, nämlich von 25 auf 13 oder 1 Prozent an den 21 deutschen Universitäten, die reine Staatsinstitule sind; 11 dieser Universitäten haben überhaupt keine ordentticheil jüdischer» Profefforen. Eine in dieser Statistik nicht mitgerechnete Ausnahme bildet die neue Universität Frankfurt, an der unter 53 ordentlichen Profefforen 6 jüdische sind, was aber aus der besonderen Grundlage dieser Universität als Stiftungsuniverfität erklärt wird. Als unrichtig rvird ebenso die Angabe Schmollers über die Affistenten bezeichnet. Zur Zeit sind von 1103 Assistenten der medizinischen Institute an den deutschen Universitäten nur 80 oder 7I Prozent jüdisch; keines unter diesen Instituten -hat nur jüdische Assistenten, dagegen sind an 5 überhaupt keine jüdischen Affistenten angestellt. An den technischen, tierärztlichen und landwirtschaftlichen Hochschulen Deutschlands ist die Zahl der jüdischen Profefforen und Affistenten noch wesentlich geringer. Die Kriegsbeteiligung der deutschen Studentenschaft. Auch die jüngsten Besuchsziffern der deutschen Hochschulen geben ern Bild von der außerordentlichen Krregsbeteiligung der deutschen jungen akademischen Welt. Im Friihjahr 1917 rvaren nach der jetzt nröglichen Uebersicht an der» 49 offenen Hochschulen (geschloffen sind nur die drei Forstakademien) zwar etwa 72000 Studenten eingeschrieben. Davon waren aber etrva 6000 weiblicher» Geschlechts und etwa 1800 Angehörige des. Auslands-, und etwa 52000 Männer waren als im Heeresdienst stehend beurlaubt, so daß nur etwa 12000 deutsche Männer irr den Hochschulstädten anwesend wärenalso wirklich studierten. Nach Stichproben kann aberangenomrnen werden, daß davon fast die Hälfte (an einzelnen Universitäten sind es über 50 v. H.j bereits in militärischer Berrvendung gewesen, die Zahl der studentischen Nichtkämpfer demnach tatsächlich sehr klein ist. Anderseits befinden sich darunter zahlreich die neuhinzugekornrnenen Abiturienten, deren Einberuftrng im Winter noch nicht erfolgt war, die aber indeffen ins Heer eingetreten sind. Bon den Universitätsstudenten sind etwa 50000 ausgezogen oder 90 v. H. ihrer Gesamtzahl, von den 10000 Studierenden der Technischen Hochschulen etwa 9009 — 90 v. H., von den 800 Landwirten 700,. von den 1800 Handelshochschülern 1400 und von den 600 Studenten des Bergbau 550. Bon den Frauen stehen etwa 400 im Sanitätsdienst. In Oesterreich-Ungarn mögen von den 45000 Hochschülern etwa 40000 einberufen sein. 1870/71 waren von den 13785 deutschen Universitätsstudenten 4400 ausgezogen. Die heutiger» Ziffern können freilich auf völlige Richtigkeit keinen Anspruch machen, da, ganz abgesehen von den Schwankungen durch die Eirrberufungen, die Hochschulen nicht in der Lage sind, ganz zuverlässige Statistiken zu führen, zumal viele Studenten im Felde stehen, ohne an eurer Hochschule eingeschrieben zu sein und andere Akademiker noch als Studierende geführt werden, die ihr Studium tatsächlich beendigt haben. Studentischer Zusammenschluß. Auf Einladung des Allgemeinen Studentenausschusses der Königlichen Universität Frankfurt a. M. waren dort studentische Vertreter der Universitäten Berlin, Bonn, Frankfurt a. M., Göttingen, Leipzig und Marburg sowie Vertreter und Vertreterinnen einzelner studentischer Verbünde am 24. und 25. Februar d. I. zu einem „Deutschen Studenten, tag" versammelt rrnd haben sich auf bestimmte Richtsätze geeinigt. Danach sollte die Tagung dazu dienen, die Vorbereitungen zu einem errgeren Zusammenschluß der Studierenden aller deutschen Hochschulen noch-während

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