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KC-Blätter · 1917-05-01 · Heft 17 (Mai 1917) · p. Seite 891

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 17 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 891 (sequence 25)
Language
German
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891 Sturmangriffes an der Hand verwundet. Kaum genesen, meldet er sich bei den Fliegern. „Meine Wünsche sind erfüllt, ich habe ein glückliches Los gezogen." Und ferner „ich bin als Deutscher inS Feld gezogen, um mein bedrängtes Vaterland zu schützen. Aber auch als Jude, um die volle Gleichberechtigung meiner Glaubensbrüder zu erstreiten", sagt er in seinem Testament. Nach zweimonatiger Tätigkeit ereilt ihn sein Geschick. — In Berlin-Weißenfee liegt der frühere russische Staatsangehörige, Diplom-Ingenieur Artur Chasanowicz, kriegSsreiwilliger preußischer Flugzeugführer, der am 1. Oktober 1915 einem Flngunfall zum Opfer fiel, begraben. Chasonowicz war als dankbarer Absolvent einer deutschen Hochschule ins deutsche Heer eingetreten. Ebenso verunglückte der Kriegsfreiwillige Jakob Lichtenstein, aus Neustadt bei Pinne stammend. Er stand bei der Fliegerabteilung Elsenmtthle. Offiziere treffen wir eine Reihe im Flugzeugwesen: Leutnant Kurt Lämmle (in einem bayer. Fliegerbataillon; Patent vom 1. Mai 1916), Leutnant Aron heim, Leutnant Adolf Marx, bei der 5. bayer. Feldfliegerabteilnng, dortselbst auch noch Leutnant Fritz Gerstle, dann Leutnant Kurt Königsberger (Sohn des Herrn Karl Königsberger auS Fürth). Der Leutnant Rosenstein, früher Fliegerlehrer in Gotha und Johannistal (Sohn der Frau Regierungsrat Dr. Karl Nördlinger, verw. Rosenstein), besitzt das Eiserne Kreuz I. Klasse, ebenso der Fliegerleutnant Hermann Back, Prokurist der Firma Orordi-Back, Sohn des Smichower Rabbiners Dr. S. Back, z. Z. in Prag. Gleichfalls mit dem Eisernen Kreuze I. Klaffe ausgezeichnet wurde der Sohn des bekannten Freiburger Arztes, des Geheimrat Profeffor Dr. Rofin (dessen Name auch in der Judenheit einen guten Klang hat), der Fliegerleutnant Dr; Franz Rosin, leider inzwischen am 4. Juni im Lufikampf gefallen. Wir dürfen uns wohl auf die Berichterstattung der Frankfurter Zeitung verlassen, die folgendes darüber bringt: „In derselben Nacht, als Laon mit Bomben heimgesucht wurde, erhielt ein deutscher Flieger den Auftrag, eine Ladung von 600 Kilogramm Dynamit aus einen wichtigen BerkehrSpunkt hinter der feindlichen Front abzuwerfen. Er stieg auf, suchte fein Ziel, konnte eS aber im aufsteigenden Nebel nicht erkunden und sieg zurück, um eine beffere Stunde wahrzunehmen. Ueber der Höhe von Laon sah er Sprengpunkte von Abwehrgeschützen in der Luft und entdeckte auch daselbst das betroffene französische Geschwader. Da kommt ihm ein Gedanke: Vorsichtig hängt er sich dem Geschwader an den Schwanz und folgt ihm unbemerkt in der Dunkelheit über die feindliche Linie. Er vertraut darauf, daß man ihn für einen ausgepichten Franzosen hallen werde, und so war es wohl auch. Nicht lange, so sah er unter sich dieLandungsfeuer des französischen Flughafens. Die Piloten deS Geschwaders gingen im Gleitflug zur Erde, und als letzter schickte sich auch unser Flieger scheinbar dazu an. Er steuerte in sonderbarem Ungeschick recht nahe über die Flugzeugschuppen hiry ließ aus geringster Entfernung, 50 Meter vielleicht nur, seine Ladung fallen, riß die Steuerung hoch und verschwand in der Nacht. Die Sprengladung, mit 60 Sekunden Zeitzünder versehen, krepierte genau und mit furchtbarer Wirkung." Es ist also gar nicht nötig, sich an den Flieger Wilhelm Frankl anzuklammern, der nämlich zwar die längste Zeit seines Lebens Jude war, im Jahre 1914 aber, wenige Monate vor KriegSbeginn, sich taufen ließ, um als Flieger leichter Karriere zu machen. Bon ihm sprach öfters der amtliche Heeresbericht, so unter dem 6. Mai 1916: „Der Bizeseldwebel Frankl hat am 4. Mai einen englischen Doppeldecker abgeschoffen und damit sein 4. feindliches Flugzeug außer Gefecht gesetzt. Seine Majestät der Kaiser hat seine Anerkennung für die Leistungen des Fliegers durch die Beförderung zum Offizier Ausdruck verliehen." Frankl war eine Zeiilang der erfolgreichste deutsche Kampfflieger der deutschen Armee, er besiegte 19 Gegner und erhielt u. a. auch den Orden pour le mörite. Er fiel im Lufikampf. Die Zahl der Flieger ist damit aber bei weitem nicht erschöpft. Bon K. Eern hat z. B. Karl Fromm (Biadrinae-Darmstadt) sein Examen als Flugzeugführer bestanden und führt jetzt im Osten ein Großflugzeug. Beobachtungsosfizier bei der Feldlufischiffer-Abteilnng 18 ist Leutnant Hermann Jonas, der das Eiserne Kreuz I. Klaffe erhielt. Er ist der Sohn des Kaufmanns Abraham Jonas in Aplerbeck, Kreis Hörde. JonaS diente ab 1. Oktober 1913 beim Feldartillerie-Regiment 22 in Münster. Anscheinend ist Jonas allerdings nicht eigentlich Flieger, sondern Luftschiffer, ebenso wie Lt. Max Elias, Sohn des Herrn D. Elias aus Hannover, der auf Zeppelin IX. war. (Eiserne- Kreuz I. Klaffe) Bei den Luftschiffern finden wir noch weitere, von denen mir ein Dr. Hermann EliaS aus Berlin und Leutnant Erich Eliel, Sohn des Stadtverordneten Eliel Köln, Bruder eines K.C.ers, in der Feldluftschifferabteilung Nr. 21, namhaft gemacht wurden. Verunglückt soll ein Dr. Alexander Lippmann, Kriegsfreiwilliger der Dresden-Kaditzer Lustschiffer-Abteiluna sein. Dr. Lippmann war im Frieden Geschäftsführer der Gesellschaft zur Griindung eines Observatoriums in Oberhof.

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