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KC-Blätter · 1917-05-01 · Heft 17 (Mai 1917) · p. Seite 890

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 17 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 890 (sequence 24)
Language
German
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890 und der Stimmung aller Menschen jetzt widerwärtig" seien, so z. B. der Ausdruck „Judenknecht". (Damit bezeichnet man damals die Handlungsgehilfen der Juden.) Allein der König wollte von der vorgeschlagenen Gesetzesbestimmung nichts wissen. In der entscheidenden Konferenz vom 6. März 1812, in der ihm der Entwurf vorgetragen wurde, verlangte er die Streichung des § 39. Demgemäß enthält statt dessen das Emanzipationsedikt vom 11. März 1812 als Zusatz zu § 3, der den Juden die Pflicht auferlegte, binnen sechs Monaten vor der Obrigkeit zu erklären, welche Familiennamen sie führen wollten, folgende Vorschrift: „Mit diesem Namen ist er sowohl in öffentlichen Verhandlungen und Ausfertigungen, als im gemeinen Leben, gleich einem jeden anderen Staatsbürger, zu benennen." So hatte denn die Bezeichnung „Jude" ihre gesetzliche Berechtigung in Preußen gerettet. Für die Besserung ihrer moralischen Wertschätzung in den Augen der Christen war damit freilich nichts erreicht. Im Gegenteil, hier hat sich das allein als richtig erwiesen, was der judengegnerische Justizminister Kircheisen gelegentlich erklärt hatte, nämlich, daß „sich ein so eingewurzelter Sprachgebrauch nicht wegverordnen läßt", und daß die Juden selbst auf demselben Wege, aus dem der Name gesunken ist, ihn wieder heben müßten. — Die Juden selbst! Daran fehlte es eben bis in die neueste Zeit, denn immer wieder haben sie selbst ihre Eigenschaft als Juden wie etwas Minderwertiges behandelt, indem sie „schamhaft" ihr Judentum möglichst zu verstecken suchten, und wo das nicht anging, z. B. vor Gericht, dauernd sich nur als „mosaischen Glaubens" oder „Israelit" beze'chneten. Ist es ausfallend, daß da die Christen erst recht keine Achtung vor dem „Juden" haben konnten? Wie ist nun aber diese Art von „Judenscheu" dennoch schließlich geschwunden? Denn daß eS bester geworden ist, ist ja nicht zu bestreiten. Schiller erzählt in seiner Geschichte des Abfalls der Niederlande einen Vorgang, der vorbildlich für die uns interessierende Frage sein könnte. Eine große Anzahl unzufriedener Bürger und Adliger hatte sich zu einem Bunde vereinigt, für den sie zunächst keinen rechten Namen wußten. Im April 1566 überreichten sie der Regentin eine Bittschrift, welche ihre Beschwerden enthielt. Als die Fürstin über die Menge und das drohende Auftreten der Beschwerdeführer zu erschrecken schien, flüsterte ihr ein Höfling in französischer Sprache zu, sie solle sich vor einem Haufen Bettler (§ueux) nicht fürchten. Viele der Teilnehmer waren nämlich in schlechter Vermögenslage. Das Schimpfwort war gehört worden, übte aber eine merkwürdige Wirkung aus. Die Verschworenen griffen die Bezeichnung auf, versahen sich mit entsprechenden Symbolen und nannten sich fortan „Geusen". Sie machten so aus dem Schimpsworte eine Ehrenbenennung, denn dem Geusenbunde gehörte bald alles an, was Anspruch erhob, für Gewissens- und Bürgerfreiheit gegen die grausame Tyrannei der Inquisition und des spanischen Königtums zu kämpfen. So haben auch wir dem Worte „Jude" seine schlimme Nebenbedeutung nur dadurch nehmen können, daß wir uns seit langem bet jeder Gelegenheit nicht bloß ohne Scheu, sondern mit Stolz zum Judentum bekennen und uns nur als „Juden" bezeichnen. Gabriel Riester war eS, der auch hier als Muster für uns gehandelt hat. Er gab der von ihm begründeten Zeitschrift absichtlich den Titel „Der Jude" und ließ sich dabei nicht durch diejenigen beirren, die — obwohl sonst Freunde seiner Sache — daran Anstoß nahmen. Denn — so führt er in einer der ersten Nummern aus — wenn ungerechter Haß an unserem Namen haftet, sollen wir ihn dann verleugnen, anstatt alle unsere Kraft daran zu setzen, ihn zu Ehren zu bringen? Möchten alle unter unS stets diese Selbstachtung beweisen, dann wird die Zeit nicht fern sein, , in der wir von allen solchen Ghetto-Erinnerungen sagen können: „Es war einmal!" Jüdische Flieger im Uriege. Bon Felix A. Theilhaber, im Felde. Ein Antisemit hat bekanntlich im Reichstag einen Zwischenruf sich gestaltet, der wohl eine rhetorische Frage nur darstellte: „Zeigen Sie mir doch einmal einen jüdischen Flieger!" Ich weiß nicht, ob er eine Antwort darauf bekam. Tatsache ist, daß viele Leute glauben, es gäbe keine Flieger, weil . . . Ich gestehe offen, daß meine Kriegsmaterialsammlung nichtweniger als vollständig ist, und wenn ich das Kapitel Luftschiffahrt aufschlage, dann möchte ich als enragierter Sammler gerne noch mehr Nummern. Gedenken wir zuerst einiger Toten. Da ist der Leutnant der Res. Josef Zttrndorser aus Rexingen, zuletzt vor dem Kriege Kaufmann in Bochum. Er hatte 1910 als Einjähriger beim 6. Württenb. Jnf.-Reg. gedient. Mit dem Jnf.- Reg. 154 rückte er inS Feld, bekam als einer der ersten daS Eiserne Kreuz und die Württembergische Verdienstmedaille, wird Osfiziersteüvertreter, jedoch bald bei tzombrys während eines

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