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KC-Blätter · 1917-05-01 · Heft 17 (Mai 1917) · p. Seite 885

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 17 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 885 (sequence 19)
Language
German
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885 fördernswert erscheint; wenn es sich aber darum handelt, unsere Gefühle auf eitle feste Formel zu bringen, so wird ulls das häufig nicht leicht sein. Man sieht, dasi sich selbst der Mangel eines Schlagwvrts rächt. Und es iväre vielleicht nicht so unnützlich, ein solches zu erfinden. Es ist natürlich, daß ich darin nicht etwa den anzustrebenden Ausbau unserer positiven Weltanschauung erblicke. Die vorstehenden Zeilen sollten nur auf die hohe Bedeutung dieser Frage Hinweisen, die im Kriege auch noch an Wichtigkeit gewonnen hat. Die gänzliche Umwertung mancher Anschauungen und die Rückkehr zur Erforschung vieler uns bisher rein oberflächlich bekannter Dinge haben ein Erstarken jeder positiven Bewegung veranlaßt. Darum ist es voll erheblicher Bedeutung, daß der K. C. der Bewegung das allergrößte Interesse entgegenbringt. Der K. C. muß unbedingt der Sammelpunkt aller jüdischen Akademiker werden, die bei persönlicher Eignung positiv-jüdisch empfinden und noch nicht ins nationalistische Lager abgeschwenkt sind. Dazu bedarf es der Aufklärung durch Aufstellung eines positiven Programms unter besonderer Berücksichtigung der Werte, die die Gemeinschaften der Religion, der Abstammung und der Rasse enthalten! Nach wie vor soll eine Festlegung unserer Bundesbrüder auf alle Punkte des Programms vermieden werden, ebensowenig wollen wir diejenigen damit ausschließen, deren jüdische Interessen rein defensiver Art find. Das Programm soll lediglich bezwecken, daß das hohe Interesse des K.C. den positivjüdischen Werten in der Judenheit bekannt wird, daß man auch positiv empfinden kann, ohne Zionist oder Orthodoxer zu sein, und daß endlich für alle positiv Empfindenden, soweit sie nicht Nationaljuden sind, der Eintritt in den K. C. eine Erfüllung ihrer Ideale darstellt. Noch ist es für uns nicht zu spät, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Vielleicht gibt es in unserm Verbände noch manche Einrichtung vder Anschauung, die infolge des Krieges eine Aenderung erfahren wird. Eine umfassende Darstellung aller dieser Dinge dürfte aber den Rahmen eines Aufsatzes weit übersteigen. Eine solche zu geben, war auch nicht meine Absicht. Wenn es mir gelungen ist, auf die wichtigsten Reformen hinzuweisen, ja vielleicht einen Meinungsaustausch über die gemachten Vorschläge herbeizuftthren, so darf ich den Zweck dieser Zeilen als erreicht ansehen. * ♦ * die Seele öes Messias. Bon Rabbiner vr. Dienemann in Ratibor. In einem Augenblick wie dem gegenwärtigen, wo nach dem Grauer» dieser Jahre voll Blut und Streit der Gedanke eines wahrhaften Völkerfriedens, der Schaffung von Einrichtungen, die ihn sichern und verewige»», endlich greifbare Gestalt annimmt, rvo man den Gedanken an Rüstungsbeschränkungen und Abrüstung ernsthaft zu erwäge»» beginnt, wo die Stimmen derer, die davon sprechen, daß Kriege zur Ausrechterhaltung der Männlichkeit und heldenhaften Gesinnung notwendig seien und ohne sie die Menschen verweichlichen »vürden, endlich zu verstummen anfangen, in einem solchen Augenblick mag es nützlich und an der Zeit sein, wieder einmal darauf hinzuweisen, daß der Frledensgedanke eine Schöpfung des israelitischen Geistes ist, im israelitischen Prophetentum verankert ist. Israels Propheten waren die ersten, die den Gedanken einer einigen Menschheit mit der Kraft religiöser Inbrunst schufen, seine Verwirklichung forderten, die vorschauend im Geiste eine Welt aufbauten, in der Recht und Gerechtigkeit nicht bloß dem Wort, sondern der Tat nach die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens sein würden. Aus ihrem Geist, aus ihrem Mund flössen die Worte, die in ihrer Gewalt noch nie und nirgends übertroffen worden sind: „Sie werden umschmieden ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Lanzen zu Rebenmessern, eine Nation wird fürder nicht gegen die andere das Schwert erheben, ja, sie »verden »»icht mehr lernen, Krieg zu führen." (Jesaja Kap. 2 Vers 4). Von einem israelitischen Propheten ging die erhabene Vision aus, die den Frieden eine solche Macht erringen läßt, daß er selbst die wilden Tiere in seinen Bann zwingt. „Der Wolf »vird dann wohnen mit dem Lamme, und der Tiger wird lagern neben dem Böcklein, Kalb und junger Löwe und Masttier zusammen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten. Kuh und Bär werden zusammen weiden und ihre Jungen zusammen lagern, und der Löwe wird Stroh fressen wie ein Rind. Der Säugling wird spielen auf dem Loche der Natter, in die Höhle des Basilisken wird das kaum entwöhnte Kind ungefährdet seine Hand stecken dürfen." (Jesaja Kap. 11, Vers 6—8). Man muß als Jude stolz darauf sein, daß aus jüdischem Geiste solche Gedanken entsprossen find, daß es Söhne Israels waren, die so ihrer Zeit um Jahrtausende vorauseilten und der Menschheit Richtung weisen, man fühlt, so oft man solcher Sätze eingedenk wird, immer aufs neue, wo die Aufgabe Israels liegt, und daß man als Jude für die Allgemeinheit am stärksten da arbeitet, wo man die Motive

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