KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 17 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 884 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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884 erkennt man heute die hohe Bedeutung des gestählten Körpers an. Und wir haben häufig die Erfahrung gemacht, daß manchen tüchtigen Keilsuchsen die allzu geringe sportliche Betätigung im K. C. vom Eintritt in eine unserer Verbindungen abgehalten hat. An manchen Orten ergibt sich für die En», führung des Sports die Schwierigkeit, daß die Tage der Woche mit allen möglichen offiziellen Gelegenheiten bereits so stark überlastet sind, daß sportliche Veranstaltungen r»ur auf Kosten des Studiums eingeführt werden könnten. Hier müßte eben eine Verringerung der Bierosfizien durchgreifen. Die Zeiten sind eben vorbei, wo die maßlose Vertilgung alkoholischer Quantitäten zu den studentischen Idealen gehörte. Daß wir nun nicht gerade ins andere Extrem zu verfallen brauchen, ist wohl selbstverständlich. Jeder alte Heidelberger Student denkt mit Freude an die schönen Bowlenkneipen an den maiengrünen Ufern des Neckar zurück. Und doch, es war manchmal des Guten zuviel gewesen! So müssen wir denn dm richtigen Weg finden, aus den wir den Genuß unserer Jugend in gleicher Weise wie die Ertüchtigung unseres Körpers erreichen. Unser Ideal mutz sein, in jeder Beziehung die Auslese der jüdischen Studentenschaft zu bleiben und zu werden. Was für den Komment gilt, gilt auch für die Tendenz, jedoch in wesentlich beschränkterem Matze. Einer Reform bedarf unsere Tendenz nicht, nur einer Fortbildung und eines Ausbaus. Der Krieg hat uns, wie schon oben erwähnt, zur Genüge bewiesen, datz sich die K.C.- Tendenz im höchsten Maße bewährt hat. Gewiß läßt sich nicht leugnen, daß nur ein geringer Teil unserer berechtigten Hoffnungen in Erfüllung gegangen ist. Wir bedauern das um so mehr, als die Haltung der deutschen Juden, gleichviel welcher Richtung, im Kriege mustergtltig gewesen ist. Aber ist es richtig, wenn anderseits die Zionisten uns im Hinblick auf die noch lange nicht restlos durchgeführte Emanzipation jetzt zurusen: Waö hält euch denn am deutschen Vaterlande, das eure aufopfernde Bereitwilligkeit nur mit Undank lohnt? Dann müssen wir gemäß unserer Tendenz, wie stets bisher, so a»»ch jetzt die Antwort geben: Unsere Liebe und unsere Zugehörigkeit zum deutschen Vaterlande folgt ebm aus unserer geschichtlichen, kulturellen und rechtlichen Gemeinschaft mit den Deutschen christlichen Glaubens. Unser Deutschtum ist eine logische Tatsache, unabhängig von unserem Willen. Und wenn die Zionisten auch das abstreiten und die praktische Seite unserer Vaterlandsliebe in Zweifel ziehen wollen, so kann man ihnen aych jetzt noch erwidern, daß wir die Gegenwart in Deutschland, selbst wenn sie einiges zu wünschen übrig läßt, einer gänzlich ungewissen Zukunft in Palästina vorziehen wollen. Gerade der Krieg, vor» dem auch die Nationaljuden vieles erhoffte»», hat berviesen, in »vie unendlicher Feme eine wahre öffentlich-rechtliche Sicherung der von ih»»en ersehnten Heimstätte liegt; ganz davon zu schiveigen, datz die letzthin stattgefundene» Kämpfe bei Gaza das hohe Interesse sorvohl der Türken wie der Engländer a»n Besitz des Heiligen Landes dargetan haben. Unserer Tendenz liegt bekanntlich eine doppelte Auffaffung vom Judentum zugrunde. Wir sprechen vom defe»»siven und positiven Judentum. Die defensive Richtung sieht ihre Aufgabe lediglich in der Bekämpfu»»g des Antisemitismus. Ihre Stärke rvar bis zürn heutigen Tage ziemlich konstant. Eines Ausbaus bedarf diese Richtung innerhalb des K.C. nicht. Wenn ich daher über eine über unseren Verband hinausgehende Fortbildung des Defensivgeda»»kens. sprechen wollte, so würde das nicht mehr in den Rahmen dieses Aussatzes paffen. Um so mehr müffen wir unsere Aufmerksamkeit. dem Ausbau der positiven Seite unserer Tendenz widmen. War sie bisher von vielen K. C.ern ein wenig stiefmütterlich behandelt worden, so ist es unbedingt erforderlich, daß sie in Zukunft die führende Richtung in der Tendenz einnimrnt. Vor über zwei Jahrzehnten ist im deutschen Judentum eine Be»veg»u»g erstanden, der die oft schwächliche Abrvehr antisemitischer Angriffe nicht genügte, die vielmehr das Judentum um seiner selbst zu fördern gedachte, die Ausschau hielt nach positiv-jüdischen Werten. Soweit lediglich religiöse Interessen in Frage kamen, so war ja das Interesse fürs Positive schon stets vorhanden gewesen. Aber in jener Bewegung gab es unendlich viele, die der jüdischen Religion innerlich recht fern standen. Da erstand der Zionismus, selbst zum Teil ein Kind dieser Bewegung; in der Theorie von der jüdischen Nation zauberte er eine bestrickende jüdisch-positive Weltanschauung hervor. Aber eS blieb ein Zauber. Denn rvenn auch viele sich an den neugeschaffenen Wert anklammerten, ohne seine innere Berechtigung zu prüfen, lediglich davon berauscht, endlich ein positives Ideal gefunden zu haben, so rvar es den meisten Einsichtigen bald klar, datz. das stolze Gebilde vom jüdischen Nationalismus letzten Endes ein hohles Schlagwort war. Aber Schlagwörter regieren das politische Leben und nicht selten die Welt. Jeder K. Cer »veiß, datz wir für unsere positiven Ideale ein derartiges Schlagwort nicht besitzen. Wenn wir heute gefragt werde»», was wir unter positivem Judentum verstehen, so »verden wir alle es wohl fühlen, was uns am Judentum auch außer der Religion heilig und