KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 17 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 877 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2268830-2268902-2268907--1957-2271114- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
877 15. 2.17. Sehr geehrter A. H.I Der Winter in den Karpathen ist vielleicht doch etwas anders, als man ihn sich zu Hause vorstellen mag. Wir sind hier mit unserer Telephon-Vermittlung nicht allzuweit hinter der Front, sodaß ab und zu der Russe feine Zuckerhiitc auch zu unS herüberschickt, ohne jedoch glücklicherweise besonderen Schaden anzurichten. Die Stellungen sind oben in den Bergen, wir selbst in einem Höhental inmitten der herrlichen Karpathenwelt. Der Skilauf wird eifrig betrieben, und schon manche freie Stunde übten wir an dem Hang, wenn wir es nicht vorzogen, zn rodeln. Manchmal, besonders am Vormittag, ist die Kälte so grimmig, daß jeder froh ist, der nichts im Freien zu tun hat. Ringsherum sind die ArtilleriesieUungen, manche nur wenige 100 Meter von uns entfernt, sodaß die Fenster unseres selbsterbauten Blockhauses mitunter ganz gehörig klirren. Ein großer Proviantkolonnen-Verkehr belebt das Bild der Gegend. Alles, was hierher kommt, mutz erst über einen 1000 Meter hohen Berg transportiert werden, und schon einige Male war die Straße oben so verweht, datz nichts durchkommen konnte. Wir waren sozusagen abgeschnitten, nur das Telephon verband noch mit der Etappe, und bald war auch die Leitung gestört. Außerdem führt uns nun auch noch eine Drahtseilbahn die Verpflegung über jenen Bera zu. Ende Juli kam ich von Verdun her in diese Gegend, und nun begann jener Vormarsch, auf dem besonders unsere Jager ganz Hervorragendes geleistet haben. Aber auch alle anderen Waffengattungen hatten riesige Geländeschwierigkeiten zu tiberminden. Allerdings wurden wir zum Teil auch durch die herrliche Bergwelt entschädigt, jene romantische Wildnis, fast wie Urivald, die nach dem Kriege sicherlich ein großer Anziehungspunkt werden wird. Die Größe der Strapazen erhellt vielleicht daraus, daß viele »neinten, lieber lvären sie noch vor Verdun. In den Bergen kann man mitunter tagelang wandern, ohne auch nur eine Hütte zu sehen. Die Pfade sind so schlecht zu erkennen, daß l»»an oft nur einen leichten Schimmer im Grase sieht, das ist der Pfad. Die Tragtiere, die lvir haben, bewährten sich sehr gilt und >nan staunt, wie sicher und zuverlässig diese Tiere auch im schwierigsten Gelände aushalten. Eine besondere Freude vereitet mir jedesmal die Ankunft der K. C.-Blätter, wenngleich ich daraus schmerzlich das Hinscheiden nianches lieben Berbindungsbruders entnehmen mußte. Nun hoffe ich, datz der verschärfte Ka»nps baldigen siegreichen Frieden erzwingt, und verbleibe mit kartellbrüderlichen Grüßen Ihr Artur Reichenberger (Sax.-Bao.). Buzen (Rumänien), 26.1.17. Lieber Mainzer! Bon meiner Verwundung in der Somme-Schlacht im September v. Js. bin ich soweit genesen, daß ich wieder hinauskonnte. Wir sind nach langer Fahrt aufrumänischem Boden angekommen und in prachtvollem Ritt über den Predealpaß nach Sinaia durch das Erdölgebiet von... zur walachaischen Ebene herabgestiegen. Die fremdartigen Eindrücke find unvergeßlich. Weißt Du, ob einer unserer K.C.er hier oder in der Nähe sich aufhalt? Hoffentlich geht Dir's und den Deinen gut, sei herzlich gegrüßt Dein Julius Strauß. Verbands-Wachrichten. LI Kbr. Dr. iur. Kurt Alexander ist zum Militär eingezogen. Seine Adreffe lautet: Telegraphist A, Nachrichten-Ersatzabteilung 7, Ersatz-Kompagnie, Neuhaus bei Paderborn. Tburiugia. Die definitiven Chargenwahlen hatten solgenoes Ergebnis: Braun x, C. W. T.u.<S. W. Schindler xX S. W., F. W. Ruß x x x K. W. A. H. vr. Scheyer F. M. f. C. m T., Moses Z. W. E. R. E. R.: Braun, Zimmt, Schindler, Krebs, Ruß, Krutz. Es meldeten sich weiterhin aktiv: stuck, meck. Kosterlitz aus Oppeln, stuck, meck. Adolf Metz aus Liegnitz und stuck, meck. Elkeles aus Posen, z. Zt. im Heeresdienst befindlich. So bildeten »vir am Anfang des Semesters die stattliche Korona von 17 Aktiven, die uns einen strammen Verbindungsbetrieb ermöglichte. Neben den gewöhnlichen drei Abendoffizien fand wöchentlich dreimal Fechtbodcn und zweimal Schwimmen statt. Bald jedoch verminderte sich unsere Zahl, da nacheinander a.B. Herzberg, A.H. vr. Scheyer, a.B. Förster, A.H. Jungmann ins Feld kamen und a. B. Ruß und die Füchse Kaiser, Peritz, Metz eingezogen wurden. Der Fuchs Kosterlitz aus Oppeln reichte bald wieder sein Austrittsaefuch ein, das auch vom B.C. genehmigt wurde. Trotzdem ist unsere Korona immer noch so stark, daß wir einen geregelten Verbindungsbetrieb aufrechterhalten können. Da A.H. vr Scheyer ins Feld rückte, waren wir genötigt, einen neuen Fuchsmajor zu wählen, und zwar fiel die Wahl des F. M. f. T. auf i. a. B. Zimmt, die des F. M. f. C. auf A. H. Jungmann. Da jedoch auch dieser bald ins Feld kam, übernahm a.B. Braun sein Amt. Infolge der Einziehung deS a. B. Ruß ging die K. Wartschaft auf a.B. Krebs über. Rezipiert wurden die Brander Förster, Krutz, Moses, Friedberg und Löwensohn, letzterer während seines Urlaubs aus dem Felde. A. H. B. Badenia. Die unsere Bundesbrüder interessierenden Personal-Nachrichten sind ausnahmslos jeweils in den K. C.-Blättern enchalten, fvdaß auf diese verwiesen werden darf. Mit Rücksicht auf die durch die Kriegszeit gespannten Kassenverhaltnisse werden die Bundesbrüder eindringlichst gebeten, ihre Beiträge an den Vorsitzenden, vr. Max Mainzer, Frankfurt a. M , Neckarstraße 5, einzusenden. Für viele Bundesbrüder, insbesondere die ältere Generation, wird es eine schmerzliche Ueberraschung sein, datz einer unserer Gründer, vr. pkil. Louis S. Allen, Chemiker in Hamburg, am 4. Juni in seinem 45. Lebensjahre nach kurzer Krankheit verschieden ist. Allen ist zwar anläßlich der Beschlüße, die zum Austritt bestimmter zionistisch-tätiger früherer Kartellbrüder aus dem K. C. führten, freiwillig von uns geschieden; für'diejenigen aber, die 20 Jahre hindurch mit ihm gemeinschaftlich unfern Ideen gelebt hüben, wird dadurch das Hinscheiden des lebensfrohen, stets heiteren und zu Schemen aufgelegten, lieben „Dicken" nicht minder schmerzlich. Auch nach seinem Scheiden aus den» K -C. hat Allen in dem jüdischen Leben Hamburgs sich vielfach in der Leitung von sozialen und Wohlfahrtseinricktungen betätigt und so den Idealen seiner Jugend werter gedient. An seine Person knüpft sich für die älteste Generation der Badenia manch köstliche ernste und frohe Erinnerung. Wir werden deS viel zu früh dahingegangenen Freundes nicht vergeffen.