KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 17 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 876 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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876 bis jetzt die Schlacht bei Berdun, das Gefecht von Ripon und den Beginn der Schlacht bei Reims mitgemacht, wo ich verwundet wurde, außerdem Stellungskämpfe in Lothringen und in der Champagne. — UebrigenK habe ich in der Champagne auf einem Friedhof ein Grab gefunden — in MontfanelleS bei Ardeuil — auf dein „Fritz Baum" stand. Das dürste wohl das Grab unsres Bundesbruders sein, da er ja wohl bei Tahure gefallen ist und bei Montfanelles die Anmarschwege nach dorthin liegen.*) — Mein Bruder Luz hat die ersten 24 Monate des Feldzuges mitgemacht, ist bei Apern durch einen Granatsplitter verwundet worden, die Wunde ist nach drei Monaten geheilt worden, dagegen hat er ein schwere» Reroenfieber davongetragen, er laboriert noch heute daran und ist bis August d. u. geschrieben worden. Das wrrd wohl auch der Grund sein, daß er Dir auf Dein Schreiben nicht geantwortet hat. — Ich habe so ausführlich unser Schicksal im Kriege geschildert, weil ich weist, daß Du an einer Statistik der Beteiligung der Juden arbeitest. — Auch mein Bruder Otto (Thuringiae), der den Bormarsch in Polen und den in Rumänien mitgemacht hat, ist, an Typhus erkrankt, aus Rumänien zurückgekehrt. Du stehst, der Kriegsgewinn von uns drei Brüdern ist recht minimal, dagegen haben wir alle drei das Eiserne Kreuz. Aber was nützt es, wenn der einzelne seine Pflicht tut, wir Juden hasten solidarisch für das Berglen einzelner erbärmlicher KrieySwucherer und Drückeberger. Der Antisemitismus ist stärker denn je, wie ich persönlich beobachtet habe. Herzliche bundesbrüderliche Grütze Dein Erich Schlesinger. (Bau.) Neustadt am Haardt, den 5. Juni 1917. Bereinslazarett II. Lieber Mainzer! Infolge Deiner Vermittelung hat mich heute zu meiner grasten Freude ein junger Bundesbruder besucht. Wir senden Dir viele herzliche Grütze Dein Erich Schlesinger. (Bav.) Desgleichen sendet viele Grütze Dein Bbr. Ernst Springer. (Bav.) B.... unweit R... .-S...., 14.6.17. Lieber A.H.! Will einmal wieder etwas von mir verlauten laffen. Bin immer noch auf rumänischem Boden und zwar liegt unsere ganze Division schon seit ungefähr drei Monaten in Ruhe. Unser Quartierort ist ein rumänisches Dorf links von R... .-S.... nach dem Gebirge zu in einer wein- und getreidereichen Landschaft. Die Hitzwelle, die vor acht Wochen über das Land gekommen ist, hat die Natur in schönster Pracht auferstehen laflen. Alles blüht und grünt in tausendfältigen Farben und der Kirschbaum spendet jetzt feine edle Frucht in Hülle und Fülle. Schade, dah dieser Landstrich nicht in Deutschland liegt, denn dann könnte noch mehr daraus gezogen werden. Der Boden ist viel zu gut für seine Bewohner, deren größte Zahl Zigeuner find. Sie haben alle Untugenden, sie sind faul, heimtückisch und äutzerst schmutzig — und wollten uns und unseren Verbündeten „Kuum// bringen! Wie die Leute, so auch ihre politische Gemeinschaft, der Staat. Unterschlagungen und Bestechungen sind hier zu Hause. Das Volk lebt in grötzter Dürftigkeit und Armut, während der Beamte sich auf besten Kosten bereichert, um sich dann in den Städten deS Landes den Freuden des Lebens hinzugeben. Unsere Militärverwaltung hat mit diesem System schon vielfach aufgeräumt und überall ist Zwangsarbeit, oder bester gesagt, Zwang zur Arbeit proklamiert. Das patzt zwar den Herren nicht, aber fügen müssen sie sich trotzdem. Um den Gesundheitszustand der Bevölkerung zu heben, sind allenthalben *) Ein Irrtum: Unser Fritz Baum rubt auf dem Ehrenfriedhof in Köln, wohin seine Freunde seine sterbliche Hülle überführen Netzen. < Spitäler mit deutschen Aerzten und Badeanstalten errichtet worben, die schon segensreich gewirkt haben. Gegen die Verbreitung von Typhus, Cholera ufw. sind alle Matzregeln ergriffen, was auch von FeindeSfeite dankbar anerkannt wird. So arbeiten die Barbaren"!!.. Was mich persönlich betrifft, so ist bei mir noch alles in bester Ordnung. Die fast tropische Hitze während des Tages und die starke Abkühlung in den Nachtstunden konnte wohl mancher deuische Soldat nicht ertrügen. Während unsere Truppen von Malaria ziemlich verschont blieben, kam das rumänische Rückfallsieber öfters vor. Der Betroffene hat ständig Kopffchmerzen, klagt über Gliederfchwäche besonders in den Beinen und fiebert fo ziemlich jede drei bis vier Stunden, während er sonst fieberfrei ist. Als Gegenmatzregel wird von jeden» Truppenteil Chiltin sin Tablettenform) eingenommen und diese Chininprophylaxe wird wirksam durchgeführt. Jeden Morgen zu einer festgesetzten Zeit tritt die Kompagnie an, ein jeder mit einem mit Kaffee gefüllten Trinkbecher Unter Aussicht eines Offiziers gibt dann der betreffende Sanitäter jedem eine Tablette, die dann gewissenhaft eingenommen wird. Jetzt ist man schon daran gewöhnt und alles geht wie a»n Schnürchen... Der Dienst ist nicht sehr anstrengend; die Mannschaften sollen bei dieser Hitze sehr geschont werden. Morgens gegen fünf Uhr wird angetreten und gegen neun Uhr ist die Kompagnie wieder von der Uebung zurück. Dann ist der Dienst für den ganzen Tag beendigt. Des Nachmittags ist von zwölf bis drei Uhr Bettriche für alle angesetzt. So. ist unser Leben schon drei Monate lang. Lange glaubte man, wir seien als Ersatz für de»» Westen bestimmt, aber voraussichtlich bleiben wir hier, denn noch immer weitz man die Absichten der Russen und Rurnänen nicht betreffs einer Offensive aus Sereth. Unsere Division »ourde vor einigen Wochen sowohl von F... i. als auch von M.... besichtigt; sie sprachen von vielleicht bevorstehenden Kämpfen, aber wo, davon kein Wort und auch von den» kommenden Frieden, den wir fehnlichst wünschen. Die Zeichen der Zeit »oeisen ja auch darauf hin und wir hoffen, daß sie uns nicht trügen. In diesem Sinne grüßt Dich sowie Deine werte Gemahlin und Töchterchen noch recht herzlichst Dein tr. Bbr. Max Simon, Bav., K. C. St. Frankfurt a. DI. Im Felde, 21. Rov. 16. Lieber Mainzer! Um Dir Deine K. C.-Kriegsstatistik nicht durcheinander zu bringen, teile ich Dir mit, daß ich seit einigen Monaten an der äußersten Ostfront herumturne, einmal hier, einmal da, einmal in guter und dann auch mal »nieder in weniger guter Lage, ein ganz winziges garnisondienstfähiges Rädchen »n der »mgeheuren Kriegsmaschinerie. Uns Armierungsmännern bleiben ja die eigentlichen Sensationen des Kampfes fern, aber wir sind hier räumlich »md in unserer Tätigkeit so eng mit der Front verbunden und leisten «mch so viele nützliche KriegSnebendienfte, daß »vir mit vollem Rechte von uns sagen können: auch wir sind dabei gervesen. Wie lange noch? Wer weitz es? Herzl. bundesbrüderlichen und freundschastl. Grutz _ Dein Pascha. 14. 10. 16. Sehr geehrter Herr Kartellbruder! Nach langer Zeit bin ich einmal wieder mit einem Bundesbruder und Landsmann zusammen. Bis jetzt habe ich alle Gefahren der Sommeschlacht gut überstanden; es waren schwere Tage. Beste Grütze Ihres ergebenen Kartellbruders Joseph Piza (Lic.). Der oben errvähnte Landsmann und Licare bin ich. Ich gestatte mir, ebenfalls ganz ergebenst kartellbrüderltche Grütze zu senden Richard Alexander (Lic.).