Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1917-05-01 · Heft 17 (Mai 1917) · p. Seite 874

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 17 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 874 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2268830-2268902-2268907--1954-2271111
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

874 eine Baracke für mich allein und viel freie Zeit. Ich teile meine Wohnung mit einem Frankfurter Bankbeamten. Studiker sind weiter nicht hier. Ich lese viel und spiele viel Schach. Das Dumme bei der Sache ist bloß, daß man keinerlei Nutzen von der schönen Zeit hat, die man hier verbringt. — Was ist in der Innung los? Wer ist Chargierter? Nun sei herzlich gegrüßt von Deinem Bundesbruder Fritz Blumenthal. Hamburg, den 10. Juni 1917. Lieber Mainzer! Heut lese ich mit großem Interesse die neueste Nummer der K. C.-Bätter. Es freut mich besonders, Ihnen heute auf eine Anfrage des „Steckbriefes" Auskunft geben zu können: Von Ör. Gerhard Müller, der sich in der im Januarverzeichnis genannten Adresse in französischer Gefangenschaft befindet, treffen, wie ich von feiner Schwester höre, bei seiner hiesigen Familie regelmäßig befriedigende Nachrichten ein. Bei seiner Gefangennahme war er Offiziersaspirant; während er zunächst als Gemeiner behandelt wurde, ist er in» März d Js. als Offiziersasprrant anerkannt worden, wird jetzt auch recht gut behandelt und verpflegt; Geldsendungen kommen prompt an und er darf selbst Einkäufe machen. Sein „camp" ist ein altes Kloster in schöner Lage der Bretagne. Bon l)r. Schohl sind bei seinem hiesigen Intimus Dr. Rich. Levi (Bad.-K) aus der englischen Gefangenschaft noch keine Nachrichten eingetroffen. Sobald ich etwas von Schohl höre, will ich Ihnen gern Nachrichten geben. Mit kartellbrüderlichen Grüßen Ihr ganz ergebener Gumperts. (Diadr. D.) 16.5.1917. Lieber Alexander! Drei K.C.er senden Dir von einenr zufälligen, aber desto freudigeren Zusannnentreffen herzliche Grüße Dein Albert Jkenberg, Max Weinberg, _ Manfred Pick. Geschrieben den 26. Mai 1917. Lieber Alter Herr! Nun hat sich doch noch ein K.C.er gesunden! Da staunst Du! Wir sitzen hier bei einer Flasche Wein in der gemütlichen Bude des Kb. Schönenberg. Morgen fahre ich auf drei Tage nach Brüssel, hoffentlich treffe ich recht viel K.C.er. Herzliche Grüße Dein tr. Bb. Georg Mathias. (Bav.) Lieber Herr Kartellbruder! Daß ich hier eine so gemütliche K.C.-Runde gefunden habe, ist die größte Freude, die ich im Felde hatte, seit ich das Fort Quarre verlaffen habe. Beste Grüße Ihr Schönenberg. (Rhenosil.) Lieber Herr Kartellbruder! Die Freude, wieder einmal einen Bdbr. zu treffen, war natürlich auch bei mir sehr groß. Wir können nun hier bald eine Ortsgruppe „Arras" eröffnen. Es grüßt bestens Max Meyer. (Rhenosil.) M.... 12.5.17. Lieber Alter Herr! Seit gestern bin ich wieder an der Westfront. Heute liegen wir noch im Quartier in einem Dorf hinter der Kampflinie. Morgen werden wir eingesetzt werden. Die Fahrt durch die blühende Pfalz war sehr schön, und. wir sahen mit einem stillen Stolz auf unsere Heimat durch die Wagenfenster. Auch hier ist Sommer und Sonne, und wir freuen uns darüber, aber der Segen Deutschlands liegt nicht über diesen Fluren. Die Blütenbäume stehen nur vereinsamt, und in alle Frühlingsstimmung dröhnt der dumpfe Donner von Arras. Bier Monate in Deutschland liegen hinter mir, die mir manch Schönes brachten, aber dennoch stehe ich erst hier an dein richtigen Platz, und der Gedanke läßt einen nicht tratlrig werden. Meine Stimmung ist ausgezeichnet. Mit den besten Grüßen für Sie, lieber Alter Herr, Ihr treuer Bbr. Fritz Meyer. (Bav.) Im Graben, Sonntag, den 20. Mat 1917. Lieber Alter Herr! Ihr lieber Brief erfreute nrich an einem sonnigen Tag, dern ersten, seit wir am 14. in Stellung rückten. Um so mehr betrübte mich die traurige Nachricht von meinet« l. Leibburfchen Grunwald, denn nun sah ich auch die letzte Hoffnung, daß er wenigstens gesund in Gefangenschaft geraten sei, zerschlagen. Inzwischen bin ich nun seit einer Woche wieder im Graben, es ist eine verhältnismäßig ruhige Stelltrng, obschon lebhafter als es die in der Champagne im Herbst war. Die Kampfhandlung ist auf unserer Seitemehr passiv als aktiv. Wir haben täglich zu gewissen Stunden Granarfeuerüberfälle vom Feinde her Und doch ist diese Stellung eine ruhige, denn es gibt Zeiten, zu denen kein Schuß gewechselt wird. Auch heute, an dem sonnigen Sonntag, ist feiertägliche Ruhe geworden, nachdem der Franzose da drüben durch einige „Lebenszeichen" (15 cm Kalibers) seine Anwesenheit in unsre Erinnertmg gebracht hat. Dadurch, daß ich einem Stoßtrupp der Kompagnie zugeteilt bin, habe ich recht angenehme, weniger eintönigen Dienst. Wir brauchen nicht Posten zu stehen. Daher haben wir am Tag viel freie Zeit, und der körperlichen „Erholung" pflegt die geistige zu folgen: an Hand eines kleinen, nicht ganz rein gebliebenen Bandes, auf dessen Decke aber steht: „Wilhelm Meisters Lehrjahre." Nach einer Woche trüben, regnerischen Wetters freuen wir uns nun wieder der warmen Sonne. Es ist so trostlos hier, wenn der Regen seinen lehmigen Schmutz mit sich bringt. Aber wenn eS wieder hell und freudig wird am Himmel und die Bögel sich nicht ganz von den» Granatennachen vertreiben lassen, die verlassenen Wiesen ihr letztes Gut, den armen Löwenzahn, heller a»»fleuchten lassen, dann tragen auch die grauen Gestalten im Stahlhelm sorglosere Gesichter und das Leben hier draußen »vird nicht halb so schwer! Solch ein Tag ist heute, und ich konnte Ihnen diesen Brief hinter einer Deckung oben über dem Graben schreiben. — Daß die Gedanken an solchen Tagen auch so »nanches Mal nach Heidelberg wandern, zu Zeiten, die waren und vielleicht einmal wieder sein werden, freudiger zugleich und ernster, das, lieber Alter Herr, werden Sie mir »vohl nachfühlen können. Mit Freuden höre ich, daß die Bavaria nicht zu suspendieren braucht und eine verhältnismäßig stattliche Aktivitas aufweist: „O schöner Tag, wann endlich der Soldat ins Leben heimkehrt, in die Menschlichkeit!" Einstweilen aber gilt es noch, unsere Pflicht hier außen bis zum letzten auszutragen. Unser Wahlspruch muß sich noch erst umgekehrt bervahrheiten: Hosti fronten» — amico pectus! Mit treuem bundesbrüderlichen Gruß! Ihr Fritz Meyer. (Bav.) Am Pfingstsonntag, 27. Mai 1917. Lieber Alter Herr! Durch meine Mutter hörte ich von Ihren freundlichen Bemühungen, um meines Vaters Schicksal etwas zu erleichtern. Wie sehr ich mich, darüber gefreut habe, vermag ich Ihnen nicht zu schildern. Nehmen Sie meinen tiefen Dank! Was »nein Vater in diesen drei Jahren der Gefangenschaft durchgemacht har, genügt, u»n das Ende seiner Qualen sehnlichst zu wünschen! Inzwischen ist nun zum dritten Male Pfingsten ge^ worden im Kriege. Und wieder blüht die Natur zwischen Ruinen so prächtig wie nur je. Ja, diese Bilder haben sogar einen eigenen Reiz in den zur Hälfte zerschossenen Dörfern, einige Kilometer hinter der Front, in denen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.