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KC-Blätter · 1917-05-01 · Heft 17 (Mai 1917) · p. Seite 873

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 17 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 873 (sequence 7)
Language
German
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«73 feilt Leben geopfert, indem er den Rücken seiner Kameraden mit zwei anderen deckte. Er fiel durch Jnsanterie-Geschofie durch Kopf- und Oberschenkelschutz am 29.5. um 9.15 Uhr frtch. Sein heldenhaftes Verhalten hat feine Katneraden gerettet. Die Leiche wurde geborgen und wird heute, den 31. Mai, im Soldatenfriedhof in „So. Brac" beigesetzt. Die Abtlg. wird den toten Helden, der ein leuchtendes Beispiel treuester Kameradschaft bis in den Tod gab, nie vergessen. Stets wird fein Name mit Stolz genannt werden. Unt den Toten trauert die ganze Abtlg. Das Eigenttun des Entschlafenen geht Ihnen baldmöglichst zu. Ich versichere Sie meines innigsten Beileides. Brand, Hauptmann und AbtlgSführer. Siegfried Wolf. Friedlich liegt das schöne Münstertal vor mir, ausgebreitet im Dunst deS verglühten Junitages. Geschütze und Gewehre schweigen, als wollten auch sie einmal den Abend feiern. Weh wird es mir ums Herz; warum nur? Jst'S nicht ein Tag gewesen tvie jeder andere des Stellungskrieges? Ja, da steigt eS wieder auf in mir, das Bild, das mir so oft heute erschienen im Wirrwarr der Gräben: Ein flotter Bursch mit Band und Mütze, in stolzer Haltung mit kühnem Blick — ein schönes Bild, aber der schwarze Flor beschattet es: Mein Bundesbruder, mein Freund, mein liebes Wülste ist nicht mehr. Hei, wie lustig war's einst, als Du, Jung- Siegfried, zu uns kamst nach Darmstadt! Dein froher Mut, Dein frisches Herz und Deine Begeisterung für Recht und Freiheit ließ Dich im Kraftgefühl Deiner Jugend, trotz mancher Hemmungen, sogleich auf unsere Seite treten, und der Liebsten einer bist Du uns bald geworden. Geraden Sinnes, allem Gezierten und Erkünstelten feind, warst Du, bei aller sonnigen Heiterkeit, die Deines Wesens schönster Zug war, ein ganzer Kerl, der zielbewußt und aufrecht seinen Weg durchs Burschenleben ging. Und als es galt, nach Erreichung Deines Hochschulzieles, in schwerer Zeit, nach Deines Vaters allzufrühem Heimgang, den Deinen helfend und stützend beizustehen, da zeigtest Du als reifer Mann, wie Du werktätig Liebe um Liebe zu vergelten wußtest. Ein tiefes Gemüt, das, ein wenig verschlossen, sich um so reicher offenbarte, wem eS sich in Freundschaft zuwandte, warst Du mit Deinen sonstigen Eigenschaften wie geschaffen für unseren Bund, der die Freundschaft als Hochziel in seinem Wappen leuchten läßt. Ein treuer Helfer wolltest Du allen sein; bald derb zugreifend, bald liebevoll beratend suchtest Du jedem das Gute zu erweisen. Wie viele von uns haben Deiner Freundschaft Wärme empfunden, aus fröhlichen Fahrten, in der Studentenbude bei harter Examensarbeit, auf der Mensur, oder in dem stets gastfreien Hause Deiner Eltern. Die Klarheit Deiner Persönlichkeit. Dein zielbewußter Wille mußte Dich über den Durchschnitt weit hinausheben — nicht nur in der Verbindung stellte man Dich dorthin, wo es zu ordnen und zu leiten galt, auch in Darmstad ts Studentenschaft, in deffen Ausschuß Dich die Achtung Deiner Kommilitonen berief, hast Du durch Semester an führender Stelle gewirkt. Wie all Dein Tun von einem festen unbeirrten Willen geleitet war, so zeigtest Du Dich auch mit der Klinge in der Hand, ob als Paukant oder als Sekundant jund wie vielen bist Du mit gewandtem Speer auf blutigem Gang zur Seite gestanden) fest und sicher — ein schönes Bild deutscher, wahrhafter Jugendkraft. So hast Du allerorten durch ein tätiges Beispiel unserer Sache mehr gedient als andere durch Wort und Schrift, und in ehrender Dankbarkeit wollen wir deffen stets eingedenk bleiben. Wie konnte es, als Deutschlands schwerste und größte Zeit anbrach, bei Dir anders sein, als daß auch Du mit freudigem Herzen auf die ungeheuere Mensur tratest, fürs Vaterland zu fechten. Bald verwundet, hast Du, kaum wieder genesen, unermüdlich weiter mitgewirkt an des deutschen Heeres Schlagkraft. Nun hat der Tod jäh Deinem schaffenden Willen das letzte Halt geboten. — Des Vaterlandes Fahne senkt sich gemeinsam mit den Farben violett, silber, rot über dein Grab. Wir andern aber wollen in unserer Trauer um Dich, lieber Bruder, nicht klagen und weinen; unser Schmerz soll ein neuer Sporn sein in zähester Pflichterfüllung, unser Ziel zu erringen: Ein freies, siegreiches Vaterland! Eines deutschen, jüdischen Mannes ungeschriebenes Vermächtnis werden wir so erfüllen. JacobovicS Biadrinae-D. Sus unserer zeldpost-vriesmappe. 8-8- Abs. Nr. 215 Fritz Blumenthal Nr. 7 Prisoners of War Compagny, France; Care of G.P.O. London. England. 23.3.1917. Lieber Bubi! Jede gute Tat soll belohnt werden. Dafür, daß Du mich neulich mit einer Karte erfreut hast, gibt's diesen Brief, den Du um so höher anrechnen mutzt, als ich nicht so oft schreiben kann, wie es mir patzt. — Mir geht's gesundheitlich gut. Sonst mutz man mit seinem Los zufrieden sein. ES bleibt einem nichts anderes übrig. Ich habe hier als Dolmetscher und Sanitäter eine verhältnismätzig angenehme Beschäftigung,

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