KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 17 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 872 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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872 Hans Segall. „Ja, der .Krieg verschlingt die Besten!" Dieses Wort erfüllte sich an unsere»»» Verbände in furchtbarer Weise. Die Zahl der im Kampf für Freiheit nnd Ehre des Vaterlandes gefallenen Bundesbrüder ist eine außerordentlich' hohe geworden. — Erneut stehen wir vor der erschütternden Nachricht vom Heldentode eines unserer tatkräftigsten Bbr. Bbr., des i. a. V. Hans Segall, Spreviae. Am 29. Mai 1917, früh 9.15 Uhr, rafften ihn zwei tödliche Geschosse dahin, als er auf freiwilliger Patrouille den Rückzug seiner Kameraden vor sechsfacher feindlicher Uebermacht mit seinem Leibe deckte. Trotzdem »vir uns in der langen Dauer des Krieges daran haben gewöhnen müssen, harte Schicksalsschläge zu ertragen, erfaßt uns alle, die wir ihm nahestanden, und die »vir uns seiner Freundschaft rührnen dursten, doch ein gewaltiger Schmerz über das Dahinscheiden dieses hoffnungsvollen Menschen. Fast können wir die traurige Botschaft nicht glauben, da er imrner noch als der frische, lebensfrohe Mann vor unserem geistigen Auge steht. Hans Segall hing am Leben »vie selten einer. Er verstand es, trotz seiner jungen Jahre zu „leben", den Bedürfniffen des Alltags elnett besonderen ästhetischen Genuß abzugewinnen — als vollendeter Lebenskünstler. Für jede Naturschönhelt, für jedes Ereignis war er mit seinem feinen Empfinden viel empfänglicher als jeder andere. — Er liebte das Leben! Niemals dachte er daran, daß ihn das Geschick ereilen könnte, nie erfüllte ihn die bange Frage vor dem drohenden Verhängnis. Noch zwei Tage vor seinem Tode schrieb er in einem Briefe, daß sein Truppenteil noch immer in der ruhigen Stellung, der alten „Lebensversicherung" liege, und daß er hoffe, in kürzester Zeit einen Heimatsurlaub anzutreten. Mit klugem Verständnis und einem reifen Urteil, die seinern Alter weit voran waren, nahm er zu den politischen Tagesfragen Stellung, und mit besonderem Scharfsinn diskutierte er in seinen letzten Briefen mit mir über Tendenzfragen des K. C. Es waren für mich Feierstunden, wenn ich auf diese Weise Worte des fernen Leibfuchsen und Freundes vernahm. Im Sommersemester 1913 trat Hans Segall in die K. V. „Ghibellinia" ein. Sein imponierendes Aeußere und seine fechterische Begabung prädestinierten ihn zum Couleurstudenten. Wie ein Fels stand er auf Mensur. Verwegenes Draufgängertum zeichnete ihn aus. — Die folgenden Semester studierte Segall in Berlin bis zun» Ausbruch des Krieges. Seine verständige Art und Weise, aus. dem Konvent zu sprechen, seine heiteren Vorträge und sein sprühender Witz auf der Kneipe trugen ih»n die Beliebtheit bei allen Bbr. Bbr. ein. Als der Krieg kam und unseren Bund auseinanderriß, stellte sich Hans Segall sofort kriegsfreiwillig »vie jeder andere, »vurde jedoch noch nicht gleich angenommen. Um nicht den Borwurf der Untätigkeit vor sich selbst zu haben, meldete er sich als freiwilliger Krankenpfleger in der akademischen Kolonne des Rote»» Kreuzes und durste bald ins okklipierte Gebiet hinaus. Anfang 1915 »vitrde er bei einer neu aufgestellten Maschinengewehr-Abteilung in Brüssel eingestellt. Begeistert schrieb er von seiner neuen Tätigkeit und der Befriedigung, die er nunmehr gesunden hätte. Mit seiner Abteilung rückte Hans Segall zunächst nach Tirol, »vo er mehrere Monate in Stellung lag, dann nahm er an» serbischen Feldzug teil' und' gelangte schließlich nach Mazedonien, rvö er bis zu seinem Ende verblieb. Der Zufall wollte es, daß ich ihn aus einer Landstraße in Serbien treffen sollte. Es »var zrvischen Laporvo und Markowae, Trübe hing ich meinen Gedanken nach, während ich die Straße entlang ritt. Da hörte ich plötzlich aus einer vorbeiziehenden Maschinengewehr-Abteilung den Ruf: „Leibbursch!" Erstaunt sah ich mich um und gewahrte Hans Segall, der freudig auf mich zukam. Uns „rauhen" Kriegern kamen die Tränen in die Augen, da wir uns fast zwei Jahre nicht gesehen hatten. Beide schwelgten »vir noch damals in Erinnerung an gemeinsam verlebte, glückliche Zeiten. Wir ahnten nicht, daß dies unser letztes Wiedersehen sein sollte. Im April dieses Jahres zu»n Offiziersk»»rsus kommandiert, hoffte Segall, bald befördert zu werden. Es sollte nicht mehr dazu kommen. Die freiwillige Patrouille, auf der er sich auszeichnen wollte, kostete sein junges Leben. Den Verlust des treuen Freundes werden wir nie verschmerzen kön»»en. Wenn auch die heilende Zeit die Trauer mildern »vird, so »vird doch die Verbindung, insbesondere die Leibfamilie, ihren „größten" Sohn nicht vergessen können, da uns ein inniges Verhältnis verband. Bei dem schweren Opfer, das der Krieg wieder von uns gefordert hat, mag uns ein Trost sein: Dulce et aecorum est, pro patria mori!" Erich Bukofzer (Sprev.j. Der Abteilungsführer des Entschlafenen teilte den Hinterbliebenen rnit den nachfolgenden Worten die traurige Tatsache mit: Abtl. St. Qu., 31. Mai 1917. Sehr verehrte, gnädige Frau! Tief erschüttert obliegt mir die traurige Pflicht, Sie von dem Ableben Ihres Sohnes Hans Segall zu verständigen. Ihr Sohn hat sich freiwillig zu einer Patrouille gemeldet, die von sechsfach überlegenen Engländern angegriffen »vurde. Mit bewunderns- »verter Tapferkeit flyh Todesverachtung hat Ihr Sohn