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KC-Blätter · 1917-05-01 · Heft 17 (Mai 1917) · p. Seite 871

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 17 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 871 (sequence 5)
Language
German
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871 Ritt zur Zront von B. C. Das wird so leicht: Zu reiten, wenn's ein Muß! Die Stunde und den Weg bestimmt ein Wille, Dem^wir uns schweigend beugen, daß die stille, Die Schicksalshand uns führ' nach ihrem Schluß. Da ist kein Schwanken wegen Zeit und Ziel, Kein unentschloß'nes Zaudern und kein Weilen Um Andrer willen, kein besorgtes Eilen- Nichts ist zu wenig mehr, und nichts zu viel! Die Pserde gehn von selbst den Weg durch weit Von letzter Sonne überglänzte Au — Vorn tauchen unsre Berge aus dem Blau — Der Hufschlag klopft und klopft den Takt der Zeit. Wir gleiten, wie auf abendstillem. Fluß: Kein Vorwärtsdrängen und kein Rückwärtsdenken, Ganz ruhevolles sich-ins-Schicksal-senken — Es ist so schön zu reiten, wenn's ein Muß! Siegmund Rahn I. (Badeniae.) In den Herbsttagen des Jahres 1915 kam ich mit meiner Kriegslazarelt-Abteilung nach Grodno. Bei unserer Abteilung befand sich damals auch ein Arzt aus Eschwege. Bei diesem erkundigte ich mich sogleich nach unserm Siegmund Kahn und erfuhr zu meiner großen Freude, daß er gleichfalls in einem Kriegslazarett in Grodno tätig sei. Froh über diesen großen Zufall suchte ich Kahn sofort auf, und so feierten wir, die wir als junge Studenten 1897 in Heidelberg zusammen aktiv waren und uns seitdem nicht gesehen hatten, ein freudiges Wiedersehen in Feindesland. Und wer von unS Badenen aus jener Zeit erinnerte sich nicht unseres lieben „R.C."? War er uns doch stetein lieber, fröhlicher Genosse, dem in der Betätigung der Freundschaft keiner über war. Gibt es einen der damaligen Aktiven, dem nicht R. C. in seiner Liebenswürdigkeit und Aufmerksamkeit eine Dedikation verehrte? Denkt nicht jeder gern an die gemütlichen, für damalige Zeiten feudalen Abendbrote zurück, die er in seiner „Bude" aus der Neckarstraße veranstaltete? Mit Leib und Seele K.C.er, »rahm er mit regem Interesse teil an allen Arbeiten der Verbindung. Und mag auch manchmal der Ernst des Studiums hinter der Freude des studentischen Daseins zurückgetreten sein und mag es auch manchmal geschienen haben, als ob R. C. in jugendlichem Uebermute sein Ziel aus den Augen verloren habe, der gute Kern kam doch immer wieder zum Vorschein. Er hat sich durchgerungen und durchgearbeitet zu einer Persönlichkeit, von der alle, die ihn kannten, mit hoher Achtung und Anerkennung sprechen. In seinem Heimatsorte Eschwege brachte er es als prakt. Arzt zu einer sehr großen Praxis und erfreute sich dort allgemeiner Beliebtheit; in seiner Kriegslazarett-Abteilung wurde er als tüchtiger Arzt und Mensch geschätzt und als einer der ersten im November 1915 mit dem E. K. ausgezeichnet. Unser Zusammensein in Grodno sollte nicht von langer Dauer sein. Kahn wurde als Kommandanturarzt nach Sk.kommandiert. Dort erkrankte er vor kurzem an Flecksieber, dieser furchtbarsten Kriegsseuche, deren Bekämpfung grade die Hauptaufgabe der Kommandanturärzte ist. Am 3. Mat 1917 ist er dann im Alter von 41 Jahren diesem Leiden erlegen. Mit ihm ist einer der ältesten K. Cer fürs Vaterland gestorben, ein schwerer Verlust für unseren Verband. Sein Andenken wird im K. C. unvergessen bleiben, und die große Schar seiner Freunde ist von herzlichster und aufrichtigster Teilnahme für die Gattin und die 5Änder des Entschlafenen erfüllt, denen ihr Glück so grausam entrissen worden ist. Mir persönlich ist sein frühes Ende besonders nahe gegangen, zu frisch ist noch die Erinnerung an unser frohes Zusammentreffen in Grodno, ein Teil meiner alten Erinnerungen an die schöne Heidelberger Studentenzeit sank mit ihm ins Grab. Mag dem Freunde die Erde leicht werden! Kurt Jakubowski (Biadrinae, Badeniae). Bon der Verehrung, deren sich Kahn, erfreute, möge folgender Brief Zeugnis ablegen: M...., den 14. Juni 1917. Sehr geehrter Herr Kartellbruder! Gestern erhielt ich d»e K. C.-Blätter; die darin enthaltene Mitteilung vom Ableben des Kb. Dr. Kahn hat mich mächtig ergriffen. Habe ich doch den prächtigen Charakter und das große ärzt. liche Wissen, das der Verstorbene besaß, während des Krieges kennen und schätzen gelernt. Ich erkrankte vor 21/, Jahren in Belgien an Typhus und lag so schwer danieder, daß ich von den mich behandelnden Äerzten aufgegeben wurde. Bei einem Tausch unter den Aerzten kam Kb. Dr Kahn auf meine Staüon, und nur ihm allein danke ich es, daß ich mit dem Leben daoonkam. Sie können sich kaum denken, welcher Liebe und Wertschätzung bei seinen Patienten Dr. Kahn sich erfreute. Einmal hieß es, als er 2 Tage fort war, er sei nach Gent versetzt. Als er dann doch wiederkam, umkränzten die Leute die Türen zu seiner Station, und das Hurrarufen bei feinem Erscheinen wollte kein Ende nähmen. Doppelt traurig ist es nun, daß dieser hervorragende Mensch solch heimtückischer Krankheit erliegen mutzte. Mit ergebenen kartellbrüderlichen Grützen bin ich Ihr Hugo Haase. * * *

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