KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 16 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- Seite 841 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Konfession bekannt wurde, wurde ihm bedeutet, daß Juden der Eintritt in die Garde verwehrt sei, und er wurde trotz aller Bitten entlassen. Nach ein paar Tagen meldete er sich zur Artillerie und wurde auch von dem damaligen Generalinspekteur der Artillerie, dem Prinzen August von Preußen, seinem späteren Gönner, sogleich angenommen. Er wurde als Bombardier — eine Charge, die dem Kanonier vorgesetzt, aber dem Unteroffizier unterstellt ist, sich anderseits mit der heutigen des Gefreiten auch nicht deckt — eingestellt und der Artillerie in Neiße zugeteilt. Nach kurzer Zeit erfolgte seine Beförderung zum Unteroffizier und späterhin die Berechti- Brrne alle anderen früheren Beamten in seinem jt, das silberne Offiziersvortepee zu tragen. Nach einigen Wochen erfolgte die Versetzung der Kompagnie nach Spandau. Dort wiederholte er die schon früher geäußerten Bitten, zur mobilen Feldartillerie abgehen zu dürfen, allein, wie auch später immer, ohne Erfolg. So kommt es, daß Burg wider seinen ausdrücklichen Willen an einer Schlacht nicht teilgenommen hat. Seine Fähigkeit im Zeichnen und den technischen Wifienschasten hatten seine Vorgesetzten früh erkannt. Als daher Ende 1814 für die Gardeartilleriebrigade eine Brigadeschule in Berlin gegründet wurde, wurde er als Lehrer dorthin berufen. Der damalige Mangel an Offizieren ließ es zu, daß er als erster Unteroffizier an dieser Schule als Lehrer wirken durfte. Seine Schüler rvaren Offiziersaspiranten, die ihm zum Teil im Range vorgesetzt waren. In dieser Zeit bereitete er sich selbst zum Offiziersexamen vor und bestand es zur Zufriedenheit. Seine Beförderung zum Sekondeleutnant erfolgte jedoch erst am 18. August 1815, nachdem er wieder auf eignen Wunsch einige Monate den Dienst bei der Truppe versehen hatte. Er befand sich damals im Magdeburgischen bei einem mobilen Korps, das bestimmt war, dem von Elba zurückgekehrten Napoleon entgegenzutreten. Jedoch ist es auch dazu nicht gekommen. Im Winter wurde er wieder zur Brigadeschule kommandiert, jedoch nur vorübergehend. Denn nach der Demobilisierung im Frühjahr 1816 wurde er zur Preußischen Artilleriebrigade nach Danzig versetzt. Hier tat er nur kurze Zeit Garnisondienst. Alsnämlrrh auf Veranlaffung des Prinzen August in Berlin die Vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule gegründet wurde, ward Burg als Lehrer dorthin berufen. Diesen Posten hat er bis zu seinem Tode innegehabt. Aus seinem weiteren Dienstleben seien nur einige Einzelheiten erwähnt. Im Jahre 1826 rvurde er zum Premierleutnant befördert. Als seine Beförderung zum f auptmann im Jahre 1830 erfolgen sollte, war König riedrich Wilhelm Hl. durchaus dagegen, denn es rvidersprach den engherzigen Ansichten dieses Herrschers, einen jüdischen Offizier dieses Ranges in seiner Armee zu führen. Erst 2 Jahre später führten die Bemühungen des Prinzen August die Beförderung Burgs herbei. Auch die Verleihung des Offiziers-Dienstauszeichnungs. kreuzes bereitete Schwierigkeiten, da der König sich oeharrlich weigerte, einen Orden in Kreuzesform an einen Juden zu verleihen. Aber auch hier ließ sich der König umstimmen. Im Jahre 1847 erfolgte Burgs Beförderung zum Major der Artillerie. In dieser Stellung ist er am 26. August 1853 an der Cholera zu Berlin gestorben, er wurde unter großer Beteiligung des Offizierskorps und der jüdischen Gemeinde beigesetzt. Burg ist auch schriftstellerisch hervortreten. Mehrere große artillerietechnische Werke haben ihn zürn Verfafier und wurden an den Artillerieschulen eingeführt. Der Stil Burgs in seinen Aufzeichnungen ist schlicht und ohne rhetorischen Schmucktrotzdem ist die Lektüre recht interefiant und spannend. Einige etwas allzu pietistische Stellen entsprechen allerdings dem heutigen Geschmack nicht mehr. Auch wird man als K. C.er zu bemängeln haben, daß Burgs Auftreten antisemitischen Angriffen gegenüber nicht immer energisch genug gewesen ist, was auch mit seinem sonst selbstbewußten Judentum im Widerspruch steht. Aber wir dürfen schließlich nicht vergeffen, daß er als nahezu einziger Jude im Offizierkorps bei allem Wohlwollen seiner Vorgesetzten doch häufig keinen leichten Stand hatte. Auch dachte man in der damaligen Zeit noch nicht so streng darüber wie heute. Im übrigen aber kann uns Burgs Persönlichkeit als Vorbild dienen und Achtung und Ehrfurcht einflößen. Wir deutschen Juden von heute haben alle Veranlaffung, auf Meno Burg stolz zu sein. Das Geleitwort Ludwig Geigers beschäftigt sich vor allem mit der kulturhistorischen Seite der Aufzeichnungen. Ich kann mir daher ein Eingehen auf diese versagen. Die Ausstattung des Buches ist recht hübsch - vor dem Titel befindet sich das Bild des Berfaffers. Jedenfalls sei die Lektüre jedem K. C.er warm empfohlen, vr. Alfred Wolfs, (Bavariae, Thuringiae.) Ritualmord in Ungarn. Jüdische Tragödie in 5 Aufzügen von Arnold Zweig. Hyperion-Verlag Berlin. Arnold Zweig scheint selbst zu finden, daß der von ihm zu dramatischer Bearbeitung erwählte Stoff völlig des Dramatischen entbehrt. Er stellt nämlich die Hand, lung, die seinen eigenen Angaben nach nur den» Verlauf des Ritualmordprozeffes von Tisza Eszlar im Jahre 1883 folgt, in den größeren Zusammenhang eines phantastischen Spieles und Gegenspieles zwischen Elohim und dessen abtrünnigen Geist der Tiefe Semael. Die an sich bloß zufälligen „traurigen" Vorgänge sollen zu „tragischen" werden, die in notwendigem Zusammenhänge stehen. Aber gerade dadurch verzichtet diese Tragödie darauf, Bühnendrama zu sein. Abgesehen von einem technisch bald unmöglichen ewigen Szenenwechsel wächst aus der Handlung bei einer Fülle von Personen kein einziger überragender Charakter heraus. Im Zusammenhang mit der Welt Gottes und des Satans Semael tun fie keine ihrer Handlungen aus sich heraus, sondern als Werkzeug jener spielenden Mächte. Darum vermag das Trauerspiel selbst in den besten Szenen nicht recht eigentlich zu packen, unser warmes Mitleid zu wecken tun Leide, am Menschenleide. Denn die dort leiden, sind ja Marionetten, Puppen, gezogen am Draht ihrer Quäler Semael und seiner Teufel. Da wächst kein Leid empor aus der Tiefe einer Menschenseele. Bon außen kommt ihr Schicksal. Dann aber kann in diesem Drama auch kein Platz sein für die sittliche Persönlichkeit. Kommt das Schicksal von außen, sind phantastische Mächte die Urheber alles Geschehens, nun, so fällt damit auch jede Spur menschlicher Schuld oder Unschitld, Verantwortung oder Ohnmacht hinweg. Indes will Zweig wohl weniger ein Bühnenwerk im schulmäßigen Sinne als eine „jüdische" Tragödie geschrieben haben. Die Tragödie der Judenheit soll sich wieder einmal vor unseren Augen vollziehen. Auf die Schultern des schwachen Knaben Moritz Scharf ist das Schicksal des Volkes gelegt. Gott will es so. Ob Semael, seiner Leiden satt, das Volk Israel vertilgen will, „den letzten Tod auf Erden bringen", und das Volk der Ungarn mit der Dummheit schlägt, ob das Volk und die Abgeordneten wider die Juden schreien und sie ausstoßen wollen, ob der Mörder selbst und sein blöder Untersuchungsrichter lächelnd viel Unschuldige verderben wollen, „wie sollte es sein, daß Gott sein Volk verlasse!?" Der Knabe, durch Mißhandlungen zermürbt, durch Verlockungen verwirrt, sagt die „Lüge des Blutes" wider seine Glaubensbrüder, wider Vater und Mutter aus, und stürzt sie alle dadurch in namenloses Unglück und unerhörte Leiden. Aber er ist nicht schuldig! Gott 1 hat es ja selbst so gewollt! Wie die Unwahrheit der