KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 16 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- Seite 840 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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840 Aufsätze von Achad-Haam (gleichfalls im Jüdischen Verlag erschienen). Das Programm der zionistischen Organisation stellt eine Synthese dieser Richtungen dar. Doch sind sie nicht ausgeglichen und die Auseinandersetzung innerhalb der Orgamsation drehen sich uni diese Probleme. In den letzten Jahren har sich der Zionismus mehr und mehr zum Kulturzionismus entwickelt, aber diese Entwicklnng ist nicht abgeschloffen. Es ist sehr wohl möglich, daß bei günstiger Gelegenheit die Ideen Pinskers und Herzls wieder aufleben und zur Schaffung einer Heimstätte führen werden. Die Neuauflage der Broschüre ist mit einer Vorrede von Achad-Haam versehen, die die Ueberschrift „Ein stolzer Jude" trägt. Achad-Haam, der mit Pinsker zusammen im Odeffaer Komitee gearbeitet hat, geht darin nicht auf seine andersartigen Ideen ein, er sucht vielmehr den Grundzug von Pinskers Wesen zu erklären. Pinsker litt ungewöhnlich tief darunter, datz die Juden von den Völkern verachtet werden und datz ihnen Selbst, achtimg und Selbstbewußtsein fehlt. „Pinsker sieht in der Idee der Autoemanzipation vor allem nicht die Errettung vor äußeren Verfolgungen, sondern die Wiederherstellung der nationalen Ehre und die Wiedergeburt des Gefühls der Eigenwürde in uns." Das Gefühl für nationale Selbstwürde hat ihn bei Abfassung der Schrift geleitet. Hans Block (Licariae'. Germanen und Juden. Von Mathias Mises. R. Lörvit Verlag, Wien und Berlin 1917. Uns K. C.ern muß jeder Versuch, uns atls historischen Tatsachen die Zuneigung der Juden zu den Germanen und die Vereinbarkeit von Deuschtum und Judentum zu beweisen, als verlorene Liebesnrüh erscheinen. Wozu auch etwas beweisen, was wir fortwährend durch unser Fühlen und Denken, unser Tun und Laffen bestätigen? Aber es gibt sicherlich genug Skeptiker und Zweifler, die der Gefühlswelt nicht eine solche Macht über sich einräumen, die nur das glauben, was sie Schwarz auf Weiß besitzen, was wirklich geschehen ist. Für diese ist die kleine Schrift von Mises ausgezeichnet: Auf allen Gebieten der Literatur und Sprachwissenschaft, der Religion und des Kultus, der Psychologie und Philosophie zeigt er die Kongenialität der Deutschen und Judenja, selbst die soviel bespöttelte „Auserwähltheit" des jüdischen Volkes gibt ihm Anlaß zu einer recht intereffanten Parallelen der betreffenden Schriftstellen und manchen Aussprüchen deutscher Dichter und Dertker. Daß nicht nur der Jude germanophil, sondern auch umgekehrt der Gernrane im Grunde seines Wesens Philosemit ist, geht aus ben angeführten Beispielen mit großer Klar- und Bestimmtheit hervor. So kommt Mises folgerichtig zu de,n Ergebnis, das auch wir K. Cer stets als den Kernpunkt der Judenfrage gekennzeichnet haben: daß das einzige, was uns von unserer Umivelt trennt, die Religion ist, und daß die religiöse Frage inr Brennpunkt des Antisemitismus steht, wie sehr man auch bestrebt ist, die Wirtschafts¬ oder Raffenfrage dazu zu stempeln. Erich Fröhlich stud. iur. Kämpfe. Sechs Erzählungelt von Bertha Pappenheim. Verlag von I. Kauffmann, Frankftrrt a. M. 1916. Viele Bücher behandeln heute jüdische Motive. Aber nur von wenigen können wir sagen, daß sie jüdische Bücher sind. 'Unter einem jüdischen Buch verstehe ich in diesem Zusammenhang ein solches, aus dem echt jüdisches Empfinden spricht. Dieses Lob verdient der vorliegende Novellenband der bekannten Führerin der jüdischen Frauenbewegung. Wer Gelegenheit hat, die rastlose Arbeit dieser Frau im Dienst der jüdischen Frauenbewegung oder in der allgemeinen sozialen Fürsorge zu beobachten, der weiß, daß sie ein wahrhaft jüdisches Herz besitzt. Die gleiche Liebe, die sie im Leben den Dingen zuwendet, denen ihre Tätigkeit gilt, hat sie auch die Menschen gestalten laffen, die sie in ihrem jüngsten literarischen Werk uns vorführt. Die Schilderung seelischer Känlpse — solche sind es, die dem Buch den Titel gegeben haben — erfordert die Fähigkeit psychologischen Erfassens. Der Verfasser muß sich irr das Seelenleben seiner Gestalten hineinversetzen, um seine Regungen richtig rviedergeben zu können. Bertha Pappenheim hat diese schwienge Aufgabe gut gelöst. Ihre Charaktere leben: die Kämpfe, die sie durchtoben, sind lebenswahr und folgerichtig geschildert. Was wir vielleicht an dem Buche auszusetzen haben, ist, daß der Darstellung selbst die Glätte der Sprache fehlt, die das Studium dem Leser zu einem ungestörten Genuß macht. Auch ist manches Motiv zu oft dargestellt — ich denke z. B. an die Novelle „Der Schächling", die das Problem des zwischen zwei Welten hin und ergestoßenen Täuflings behandelt —, als datz es sich er Mühe verlohnte, es noch einmal zum Gegenstand einer besonderen Novelle zu machen. Das alles aber ändert nichts an unserem Gesamturteil, datz wir ein von echt jüdischem Empfinden getragenes Buch vor uns haben. In jedem Haus, in dein jüdischer Sinn gepflegt wird, sollte es gelesen werden. Geschichte meines Dienstlebens. Bon. M. Burg,Königlich Preußischen, Major der Artillerie und Lehrer an der vereinigten Artillerietlnd Ingenieurschule, Ritter u. s. w. 2 Aufl. Mit einem Geleitwort von Prof. vr. Ludwig Geiger. Leipzig 1916. Verlag von W. Kaufmann. Der Weltkrieg hat unser Interesse für militärische Dinge gestärkt. Nicht nur die Ereignisse der Gegenwart verfolgen wir mit Spannungauch die weiter zurückliegenden Geschehniffe in unsrer Geschichte sind Gegenstand unsrer eifrigsten Beschäftigung. So kommt es, daß uns selbst die anspruchslosen Aufzeichnungen des Majors Burg feffeln Denn sie enthalten so eigentlich gar nichts, was der geschichtlichen Ueberlieferung würdig wäre. Keine gewaltigen Schlachten werden geschlagen keine ruhmvollen Heldentaten ausgeführt. Lediglich ein Soldatenlcben, eines befähigten, gesinnungstreuen und geachteten Offiziers Lebensschicksale, ein Leben tvie es unzählige andere auch geführt haben. Und doch ist es anders. Denn Meno Burg war Jude. Wenn er auch vielleicht nicht der einzige jüdische aktive Offizier in der preußischen Armee gewesen ist — er selbst erzählt (S. 88) von einem jüdischen Sekondelieutnant D. —, so ist er doch zweifellos der einzige, der lange Zeit in der Armee verblieben ist, es bis zum Major gebracht und sich einer ganz ungewöhnlichen nnd von den höchsten Steller, geförderten Beachtung seiner Befähigung erfreut hat. Und roenn wir seine Aufzeichnungen auch schon aus militärischen! Interesse gern lesen, so gewinnen sie natürlich eine erhöhte Bedeutung für uns, weil wir die Schicksale eines überzeugunystreuen Glaubensgenossen verfolgen dürfen. Ans beides soll im folgenden eingegangen werden. In welches Jahr die Geburt Meno Burgs in Berlin zu verlegen ist, ist leider nicht mehr genau bekannt. Wir folgen daher Ludwig Geiger, der sich inr Geleitwort (S. Xl.) für das Jahr 1790 (den 9. Oktober) entscheidet. Burg besuchte zunächst die jüdische Elementar, schule, alsdann das Gymnasium zum „Grauen Kloster", später die Bauakademie und machte 1807 das Kondukteur, und Feldmefferexamen. Als Feldmesser trat er in den preußischen Staatsdienst. Kurz vor seinem zweiten Examen brachen die Freiheitskriege aus. Ohne Bedenken meldete sich Burg als Freiwilliger und wurde alsbald in Breslau beinr Garde-Normal-Bataillon (dem jetzigen 2. Garderegirnent zu Fuß) eingestellt. Als jedoch seine