KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 16 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- Seite 836 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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836 bau für die Zukunft ist durchaus eine Notwendigkeit. Beider Stellenvermittlung stand der Akademische Hilfsbund vor der Aufgabe, den Zentralarbeitsnachweis für die gesamten akademischen Berufe zu organisieren. Hier gilt es aber nicht nur Stellen nachzuweisen, sondern die richtigen Kräfte an die richtigen Stellen zu bringen, bei der Stellenvermittlung zusammenzuarbeiten mit der Berufsberatung und viele schwierige Aufgaben zu lösen. Es müssen oft sehr schwache Kräfte wieder zur Arbeit herangezogen werden. Auch hier hat der Akademische Hilfsbund die Grundlage gelegt zu einer notwendigen Arbeit im Interesse aller jungen Akademiker. In der Heilfürsorge ist die Zukunftsarbeit des Akademischen Hilfsbundes notwendiger als bisher. Viele Hunderte junger Akademiker bedürfen nach ihrer Entlassung aus dem Lazarett langer Kuren. Allein für diesen Fürsorgezweig wird die Zentrale über y2 Million erfordern. Die Arbeit in dieser Fürsorge leistet fast vollständig die Abteilung Bäderfursorge des Roten Kreuzes. Während wir infolge fehlender Mittel in der Gewährung von Derlehen und Unterstützungen bisher nur das Notwendigste schaffen konnten, werden wir in der Zukunft uns der sozialen Seite unserer Aufgabe besser bewußt werden müssen und besonders große Kapitalien für Stipendien an Studenten bereitstellen müssen. Gerade da hat der Dank des Vaterlandes einzusetzen, daß er jungen aufstrebenden Kräften, denen der Krieg die Geldmittel genommen har, Hilst, ihr Ziel zu erreichen. Gemeinsam mit dem „Deutschen Studentendienst" soll eine großzügige Fürsorge für die in den Lazaretten befindlichen Akademiker ausgebaut werden. Lazarettbibliotheken müssen den einzelnen Lazaretten zur Verfügung gestellt werden und eine Zentral-Bibliothek für die in Lazaretten befindlichen Akademiker muß geschaffen werden. Hier ist viele kleine Einzelarbeit zu leisten. Unsere Ortsausschüsse müssen dafür Sorge tragen, daß jedes einzelne Lazarett ständig besucht wird, daß an den kriegsbeschädigten Akademikern wirklich eine Fürsorge getrieben wird. Der Vortragende ging des weiteren noch ein auf die Wiederholungskurse, die mit den in den Lazaretten befindlichen Akademikern getrieben werden können. Auch hier sei der Ausbau der Arbeit des Akademischen Hilfsbundes notwendig. Mehr als bisher muß auch noch Wert darauf gelegt werden, daß die Zweigorganisationen ihre Aufgaben erfüllen und daß der Gedanke des Hilfsbundes in weitesten Kreisen Verbreitung findet. Das neue Jahr bringt eine beträchtliche Werbetätigkeit. In seiner Arbeit will der A. H. — das braucht nicht betont zu werden — Hand in Hand mit den Organisationen deutscher Akademiker gehen, gerade auch mtt den Berufsverbänden, denen er eine Hilfe sein will und die ihm ihre Hilfe darbringen sollen. Mit der amtlichen bürgerlichen Fürsorge und besonders mit den Ministerien und Behörden will er bei der Bearbeitung der ihn berührenden Fragen Zusammengehen, um wirklich Gutes schnell leisten zu können. Amtsrichter Dr. Gehrt, Referent am Reichsausschuß der Kriegsbeschädigten-Fürsorge, hielt darauf einen ergehenden Bortrag über die Organisatton der amtlichen bürgerlichen Fürsorge Er betonte die Möglichkeit des Susammenaroeitens des Hilfsbundes mir den amttichen rganisationen und zeigte die Wege zu dem Zusanimenwirken. Den Schlußvortraghatte Profefforl)r.Biels ch o w ski- Marburg über die Fürsorge für kriegsblinde Akademiker übernommen. Er zeigte, in welch erstaunlichem Maße die intensive Arbeit gerade in dieser Frage eingesetzt hat, daß durch das Zusammenwirken des A. H., des Per. blinder Akademiker Deutschlands, des Deutschen Hilfsbundes für kriegsverletzte Offiziere, des ReichsauSschuffes für Kriegsbeschädigtenfürsorge mit den Ministerien und Behörden jetzt das Werk der Fürsorge an den blinden Akademikern gesichert ist. Er legte die Aufgaben der am 31. ds. Mts. zu eröffnenden „Hochschul, bücherei, Studienanstalt und Beratungsstelle für blinde Akademiker in Marburg" dar. Die deutschen Akademiker dürfen versichert sein, daß für ihre erblindeten StandeSgenossen das Menschenmögliche geleistet wird. Diesen Eindruck nahm auch die Versammlung durchaus mit hinweg. Einstimmig wurde der Arbeitsausschuß für 3 Jahre wiedergewählt. An Seine Majestät den Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin wurden Telegramme gesandt. Zum künftigen Studium der Kriegsteilnehmer. Zu dieser wichttgen Frage entnehmen wir der „Frankfurter Zeitung" die nachstehenden bemerkenswerten Ausführungen des Herrn Prof. Or. F. Bo ll (Heidelberg), die nicht nur für das Fach der klassischen Philologie, sondern im gleichen Maße für alle anderen Studienzweige von Interesse find: Die Kommilitonen im Felde wird es vielleicht interessieren, daß im vergangenen Semester an der Universität Heidelberg ein Repetitorium der klassischen Philologie, ausschließlich für „Kriegsteilnehmer" angekündigt und zwei- bis vierstündig abgehalten wurde, das trotz der mehr als bescheidenen Teilnehmerzahl immerhin einige gute Erfahrungen für die Zeit der großen Heimkehr nach dem Friedensschluß ergeben hat. Bor allem habe ich den erfreulichen Eindruck gewonnen, daß trotz allem Erlebten und Erlittenen die Fähigkeit, rasch wieder mit Stoff und Methode sich zu befreunden, keineswegs verloren gegangen war. Ein Teilnehmer, der gerade vor Kriegsbeginn sich zum Examen gemeldet hatte, seit Oktober 1914 an der Front stand und nach schwerer Verwundung bis September 1916 im Lazarett lag, war schon in diesem März imstande, die damals verschobene Staatsprüfung mit bestem Erfolg zu bestehen, obwohl seine wissenschaftliche Arbeit in seinen zwei Kriegsjahren sich im wesentlichen darauf beschränken mußte, ein paar Monate lang einen Primaner im Schützengraben mit Horaz und Tacitus für die Reifeprüfung vorzubereiten. Das Wesentlichste für solche Kriegsteilnehmerübungen scheint mir, daß die Wiedereinführung in das alte Studium in Form eines möglichst den Kriegsteilnehmer allein Vorhalten werden, um ihnen den leicht niederdrückenden Vergleich mit den inzwischen vorgeschrittenen Kommilitonen beiderlei Geschlechts, die zu Hause weiterstudieren konnten, zu ersparen; und daß die Uebungen ohne Rücksicht auf die nötig werdende Stundenzahl unmittelbar in die Quellen hineinführen und die Arbeit an diesen statt am ängstlich eingepaukten Kompendium wieder zur Selbstverständlich, keit machen. Wenn dann der Examinator sein Handwerk in der rechten Weise auffaßt und durchführt, d. h. mehr auf Verständnis als auf Gedächtnisleistung sieht, so wird der nicht ganz unbedenkliche Beigeschmack, den eine „erleichtert^ Prüfung doch immer behalten würde, in Wegfall kommen können. Den guten Witten, sogleich nach Friedensbeginn, unabhängig von der Semestereinteilung, solche Repetitorien, oder wie man sie nennen mag, einzurichten, dürfen die Kommilitonen in: Felde bei den Fakultäten und deren einzelnen MitgliÄern mit aller Gewißheit voraussetzen. Könnte sich die Leitung der Lazarette dazu entschließen, die halbwegs geheilten, aber noch der Lazarettbehandlung bedürftigen Studierenden grundsätzlich in die Universitätsstädte zu ver. legen, so ließen sich solche Uebungen schon jetzt in größeren: Umfang aufnehmen und damit könnte für so manchen ein halbes oder ganzes Studienjahr gewönnen werden. Die Bordatierüng der Prüft, ngszeugnisse der Kriegsteilnehmer ist wenigstens bei uns in Baden für die Philologen bereits beschlossene Sache. Was endlich die sehr verständlichen Sorgen wegen der Kosten des erneuten