KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 16 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- Seite 832 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2268830-2268902-2268906--1929-2271085- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sä2 Fleck stehen. Sie winkten ihn heran, er solle laufen und drohten. Da kam er, ganz langsam. Und sah die Gewehre und sah, daß der eine einen goldenen Streifen um den Hals trug, daß war also ein Höherer, dem mußte man gehorchen, das wußte er schon. Sie machten ihm klar, sie wollten einen Ochsen haben, griffen sich an die Stirne und zeigten Hörner an und machten „Muh, Muh". Da mußte er doch lächeln, trotz seiner Angst. Nun gaben sie ihm den Strick, er solle einen fangen. Er ging und holte den ältesten und schlechtesten, den er in der Herde hatte. Wenn auch mit widerstrebendem Herzen, er hatte alle lieb, aber da schalten die Fremden und drohten und deuteten auf einen anderen, den sollte er holen, sie wollten ihn gut bezahlen. Es war sein Liebling, sein Oechslein mit den seinen Beinen und den guten Augen. Er rührte sich nicht, sie drohten ihm mit Erschießen, schlugen ihn mit dem Kolben, er rührte sich nicht. Sie gingen selbst hin, banden das Tier zwischen den Hörnern bedächtig fest. Der eine zog, der andere trieb. Der kleine Junge stand unbeweglich am selben Platz. Als sie das Oechslein davon führten und über der Höhe verschwinden wollten, fuhr er plötzlich auf, rief ihnen böse, türkische Flüche nach, die sie zu seinem Glück nicht verstanden, ballte die Fäuste, wollte ihnen nachlaufen. Noch hatte er keinen Schritt gemacht, da sank er wieder in sich zusammen und aus den weit offenen Augen stürzten die Tränen, liefen über seine braunroten, pockennarbigen Backen, das kleine Rinnsale hell durchschimmerten, wo der Schmutz abgeweicht wurde. Und vornüber gebeugt dastehend, schneuzte er sich unaufhörlich die dicke Nase mit den schwarzen Fingern, während die Tränen liefen, als wollte er zerfließen. Nun wußte er was der Krieg war. Stimmungsbild. Noch sitze ich in wunderbaren! Echtorientalisch-schmutz'gem Hareni, Es wogt um mich das Flohgewimmel Und draußen lacht der blaueste Himmel Durch gelbpapierne Fensterscheiben. Ein Eimer dient als Tisch zum Schreiben. Ich sitz dabei nach Türkenbrauch Die Bein' verschränket unterm Bauch. In unserem rußigen Karn in Da raucht das Holz, dieweil es grün. Dumpf ist die Lust der Stube auch, Bon Tabak — Zigarettenrauch. Doch wird es mir hier drinn zu wärm, Neüur ich die Beine unterm Arm Und eil' hinauf in wilde Berge Durch das Gestrüpp der Eichenzwerge. Wo nackte Felsen drohend starren Fern vom Gestanke der Zigarren. Fern von dem läppischen Geschwätze, Mich oben auf den Gipfel setze, Da schaue ich in sel'ger Ruh Den Hämmeln und den Ziegen zu. Seh', wo die eisigen Gipfel winken, Wo ferme Seen silbern blinken, Schau in die tiefen Schluchten nieder. Lausch dem Gesang der türk'schen Lieder, Wo flink die kleinen Esel steigen, Beladen schwer mit Eichenzweigen. Da hüpft von Fels zu Fels das Wiesel, Da blinkt des Wäflerleins Geriesel, Da strahlt so warm und lieb die Sonne, Ich flihl des höchsten Glückes Wonne, Es ist wie Zauber Geisterspuk, — Der Türke raucht aus dem Tschibuk. Den Turban um den Kopf gewunden, Das bunte Kleid zerfetzt, zerschunden. Am bräunlich-nackten Fuß Sandalen, Sein Auge glüht in Feuerstrahlen. Bon langem, weißen Bart umwallt Steht er in mächtiger Gestalt, Es fehlet nur die Feenpracht Dann wär's Tausend und eine Nacht. So fühl ich meinen Geist gesunden Born dumpfen Druck der trüben Sturrden. Frei von der Last, die auf ihm wuchtet, Wird er hier jung und neu befruchtet. Und in der Seligkeit des Schavens Weicht jede Spur des Jammers, Grauens, Was wesenlos versinkt im Schein, Ich bin bei mir, ich bin allein. Kur unserer Zeldpost-Vriesmappe. 3-8- 28. 8.17. Sehr geehrter Herr Doktor! Ich bin Mitte Septenrber nach rneiner Verwundung in der Sommeschlacht nach Deutschland zurückgekehrt, dort bin ich bis Mitte November geblieben und dann mit einer neuen Abteilung wieder zum Westen „heim" gekommen. Die Monate Dezember bis März 1917 verbrachte ich ununterbrochen in vorderster Linie als Artilleriebeobachter, machte die Kämpfe bei G., M. und neuerdings den prächtig gelungenen Rückzug bei der A. mit. Die angestrengte Tätigkeit hat mir zrvar keine militärischen Ehrungen, wohl aber einen heftigen Luftröhrenkatarrh eingetragen, der mich zur maßlosen Vergeudung von Jgukak und Aspirin zwingt. Ich hoffe, in einigen Tagen wieder gefechtsbereit zu sein, augenblicklich pflege ich wonniger Ruhe. Herr Kartellbruder Leutnant Löwenstein-Aachen hatte während meines Aufenthaltes in einem Aachener Lazarett die Güte, mich zu besuchen. Ich habe ihm mitgeteilt, daß ich mit großer Freude bereit sei, gewiffe Arbeiten bescheidenen Charakters und Urnfanges für unser Verbandsorgan und unsere Verbandserhebungen zu übernehmen. Er bat mich, ich möchte an Sie, Herr Doktor, oder an Alexander mich rvenden. Die Ausführung dieses Vorschlages scheiterte an meiner schnellen Rückkehr zur Front. Numnehr habe ich mich aber „bekrabbelt", wie man so schön und plastisch im Rheinland sagt. Darum bitte ich Sie, rvenn's Arbeit geben sollte, die sich hier draußen erledigen läßt, mir davon zu geben. Mit vorzüglicher Hochachtung Ludwig Bechhoff. S., 11. März 1917. Mein lieber Mainzer! Gelegentlich einer Neuordnung der Verwaltung in S. bin ich verabschiedet und zur Kompagnie zurückversetzt worden. Ich bin so aus einer Tätigkeit herausgerissen rvorden, die mir lieb geworden ist und in der ich ln der Lage gervesen bin, sehr viel Gutes zu schaffen. Seitdern befinde ich mich im Gebiet der zurzeit vereisten Rokitrosümpfe. Unsere Kompagnie ist mit . Stellungsbau be-