KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 3 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 341 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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341 von und führte. Die, wenn auch nur üutzere, Trennung von den Mitträgern seiner Ideale hat ihn schwer gedrückt. Aber nichtsdestoweniger hing er mit Leib und Seele stets an uns. Die Trennung sollte darum, das stand von vornherein fest, nur kurze Zeit dauern, und daß; Fritz Baum zum 25jährigen Stiftungsfest der Badenia im Sommer 1915 mit unserem Band wieder erscheinen würde, war beschlossene Sache. Matt hätte sich auch kaum ein großes Stiftungs-? fest in Heidelberg vorstellen können, ohne das; | Baum in seiner eigenen prägnanten Weise zur Aktivitas gesprochen hätte. Das Schicksal hat es anders beschlossen. Als an dem denkwürdigen 1. August das deutsche Volk in Waffeit zur Verteidigung des Vaterlandes aufgeboten wurde, litt es Fritz Baum nicht einen Augenblick zu Hause. Er meldete! sich sofort als einfacher Kriegsfreiwilliger. In vaterländischer Pflichterfüllung ganz aufgehend, kannte er von diesem Augenblicke an nur noch seine Nächsten und den Dienst, und letzteren so, daß er in der ganzen Garnison als Mustersoldat bekannt rvar. Nach kurzer militärischer Ausbildung kam er als einfacher Soldat in das 29. Neserve-Jnfanterie-Regiment, zeichnete sich bald so aus, daß er das Eiserne Kreuz II. Klasse erhielt und nicht lange darauf wegen hervorragenden Leistungen auf Schleichpatrouillen zum Eisernen Kreuz I. Klasse vorgeschlagen wurde. Inzwischen war er, teilweise vielleicht gegen seinen Geschmack, aus dem Schützengraben her-! aus zu ärztlichen Dienstleistungen geholt worden, wurde Unterarzt und stand unmittelbar vor der . Beförderung zum Assistenzarzt. Die Briefe,! die er aus dem Felde schrieb, atmen aus jeder Zeile die Genugtuung und die innere Befrie- 1 digung über die Gelegenheit zur Entfaltung seines Tatendranges. Was er im Felde war, * bezeugen seine Vorgesetzten, Kollegen und Mitkämpfer. Seine ärztliche Tätigkeit verhinderte ihn keinen Augenblick, auch als Kämpfer in geradezu hervorragender Weise tätig zu sein. In einem vor mir liegenden Originalschreiben eines Offiziers heißt es: „Baum war als Arzt wie auch als Soldat vorbildlichstets, auch außer Dienst, für jeden hilfsbereit, es blieb sich hierbei gleich, ob eine Charge oder ein einfacher Soldat in Frage kam. Befand er sich in Ortsttnterkunst und in der Nähe setzte ein Gefecht ein, so ist er des öfteren freiwillig in die vorderste Gefechtslinie geeilt, rvo er dann im dichtesten Kugel- und Granatregen als Arzt und Soldat wirkte. Und der Adjutant der 16. Reserve-Division berichtet: „Dr. Baum war am 20. Dezember als Arzt vom Dienst im Gefechtsabschnitt seines Regiments. An diesem Tage begannen die Gegner um 9 Uhr vormittags mit einem rasenden Artilleriefeuernberfall auf dem Abschnitt des Reserve-Jnfanterie-Regiments 29 ihren später einsetzenden Infanterieangriff. Ein großer Teil des Schützengrabens, ans dem das Artilleriefeuer lag, wurde dem Erdboden gleichgemacht, zahlreiche Unterstände stürzten ein und verschütteten einen Teil der Leute. Dr. Baum hat während dieser Zeit in hervorragendster Weise, znm Teil im stärksten Artilleriefeuer, sich der Berwundeten angenommen. Als später der französische Infanterieangrig einsetzte, hat er, als der Kompngnieführer der 9. Kompagnie gefallen war, das Kommando dieser Kompagnie an sich geriffen und die Leute durch sein vorzügliches Beispiel zum Aushalten in dem außerordentlich starken Feuer veranlaßt. Namentlich lagen 2 unserer Maschinengewehre unter besonders starkem Feuer, die Bedienung war größtenteils gefallen. Dr. Baum hat besonders an dieser Stelle tatkräftig mit angegriffen und die Mannschaften znm Aushalten begeistert." Der Sturm war abgeschlagen, alle Verwundeten verbunden, freudig erregt ging Baum gerade einem von hinten kommenden Kollegen und Kameraden, dessen mir vorliegende Schilderung ich nachfolgend zitiere, entgegen, begrüßte ihn mit dem Zuruf: „Das war aber ein Schützenfest, ich freue mich, daß Sie heraufkommen" und streckte ihm schon die Hand zum Gruß entgegen, als er von dem Splitter einer j in etwa 150 m Entfernung krepierenden Granate getroffen wurde. Das Eisen stückchen drang! hinter dem rechten Kiefer unter dem Ohr in! den Schädel ein. Wie vom Blitz getroffen siel! unser braver Baum nach vorne und war sofort tot. Am Abend wurde er heruntergebracht und am nächsten Abend bestattet. „Die Sanitätsmannschaften hatten einen Sarg gezimmert, hatten Lichter daraufgesetzt.. Auf dem Harmonium des kleineu Dorfkirchleins spielte ein Sanitätsunterosfizier — in Zivil Organist in Bonn — einen Choral, unser Regimentsarzt hielt eine packende Rede, dann spielte das Harmonium das alte Lied „Ich hatt' einen Kameraden". Die Leute trugen den Sarg ins Grab, drei handvoll Erde daraus und schweren, vollen Herzens gingen wir heim. Ein guter, lieber Mensch, voll glühender Vaterlandsliebe, war uns gefallen und nur das Bewußtsein, daß er einen so wunderbaren, fast beneidenswerten Soldatentod, den Jubel des Siegers auf den Lippen, fand, vermochte uns etwas zu trösten." In ähnlicher Weise sprechen sich zahlreiche Briefe anderer Kameraden und Vorgesetzten unseres gefallenen Freundes ans. Draußen, im harten Kamps, fand er, der geborene Kämpfer, Gelegenheit, all die Eigenschaften zu betätigen, die ihn auch uns so besonders lieb und wertvoll und in vieler Beziehung zum Muster eines K. C.ers machten: Ein unbändiger Mut, der jede Gefahr verachtete, ein rücksichtsloses Einsetzen der eigenen Persönlichkeit, das auch andere zu gleicher Gesinnung und Tat begeisterte, eine vollkommene Hingabe und Anhänglichkeit für I seine Freunde und die gemeinschaftlichen Ideale,! ein gewaltiger Wille, ein Temperament, das! ihn jedes Unrecht, ob es ihm oder anderen zugefügt wurde, unbedingt zurückweisen ließ, eine i hervorragende Begabung in jeder Beziehung,