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KC-Blätter · 1915-01-01 · Heft 3 (Januar 1915) · p. Seite 340

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 3 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 340 (sequence 29)
Language
German
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340 Herzblut nur die Treue zu unserem Ideal, in dem Deutschtum und Judentum unzertrennbar sind, und bewähren die Wahrheit, von der die deutschen Juden immer erfüllt waren, daß für des Vaterlandes Größe kein Opfer ihnen zu schwer ist. Darum weinen wir nicht, wenn auch die Besten unter uns dahinsinken. Und doch erfüllt uns jedesmal ein tiefer Schmerz um den einzelnen, den wir verlieren, wenn wir würdigen, was er für unseren Kreis einstmals gewesen ist und was er fürs Vaterland und uns noch hätte leisten können. Der, dem diese Zeilen gelten, aber, Fritz Baum, bildete jahrelang geradezu den Mittelpunkt, um den sich das Leben in einem nicht unerheblichen Teil unserer Korporationen bewegte. Und darum har sein Heldentod seine alten Bundesbrüder und nicht bloß sie, sondern alle K. C.er, die ihm nähertreten dursten, aufs tiefste erschüttert. Am 3. Januar 1881 zu Rheine als Sohn eines wackeren, jüdischen Lehrers, eines aufrechten, charaktervollen Mannes, dem der Sohn in vielem ähnlich war, geboren und schon im Ellernhause zu den Idealen erzogen, die er später mit uns teilte, bezog Fritz Baum im April 1899 die Universität Berlin, wo er sich bald unserer Sprevia anschloß. Die Fähigkeiten des geistig und körperlich gleich hervorragend veranlagten jungen Studenten wurden derart von seinen Bundesbrüdern gewürdigt, daß er bereits nach einem Jahre an die Spitze der Verbindung gestellt wurde. Er verstand es in ungewöhnlichem Maße, die junge Mannschaft für unsere Bestrebungen, die er auch innerlich tief erfaßt hatte, zu begeistern und durch eine eigenartige Mischung von Schneid und strenger Disziplin mit Frohsinn und Humor auch das innere Verbindungsleben erfrischend zu gestalten. Volle Gelegenheit, seine Fähigkeiten zur Leitung einer studentischen Korporation, zumal einer Kampfesorganisation von der Art der K. C.-Verbindungen zu betätigen, fand aber Fritz Baum erst in Heidelberg. Man tut kein llnrecht, wenn man sagt, daß er sich nirgends so wohl fühlte, wie in der alten Badenia, zu der er im Sommersemester 1901 in hochkritischer und kämpfereicher Zeit kam, und in der jungen Bavaria, die er nach der Suspension der Badenia mit gründete, organisierte und leitete. In der Entfaltung des studentischen Frohsinns, die kaum irgendwo so ungebunden stattfinden kann, wie in der alten Musenstadt am Neckar, in den heißen Kämpfen für die Ehre des Judentums und insbesondere des jüdischen Studententums gegenüber erbitterten, in ihren Mitteln nicht wählerischen Gegnern, vermochte er erst seine kraftvolle Persönlichkeit zur Geltung zu bringen. An Schwung und Begeisterung, an zielbewußter Erziehung der Jüngsten in der Korporation, an Betätigung jenes harmlos tollen studentischen Uebermutes, der für uns alte Heidelberger Studenten nicht den schlechtesten Teil unserer köstlichen Jugenderinnerungen darstellt, zählen die Semester unter Fritz Baums Leitung zu den besten in der Geschichte der Verbindung. Man muß ihn mit seiner kraftvollen Gestalt an der Spitze der Verbindung, die selbst aus ihren Baum stolz war, muß ihn auf Mensur stehen und sekundieren, mit Gegnern verhandeln gesehen haben, um zu begreifen, was in jenen sturmbewegten Jahren Fritz Baum uns Heidelbergern gewesen ist. Der Fechterruhm seiner Korporationen verdankt ihm, dem auf Mensur niemals Besiegten, unendlich viel. Und trotz aller Energie in der Verteidigung der Ehre des jüdischen Studenten, trotz aller Wucht, mit der der Kampffrohe die Gegner angriff, vermochten weder diese noch die Heidelberger Bevölkerung, die „den Juden" keineswes allgemein Sympathie entgegen brachte, sich dem Eindruck seiner Persönlichkeit zu entziehen. Bewunderung für Baum und die von ihm geleitete Verbindung mischte sich in den Haß und die Furcht, mit der man uns betrachtete. In den Heidelberger Straßen war „der Baum" eine populäre Persönlichkeit und als ich einer jetzt in Frankfurt wohnenden alten Heidelberger Bürgerin vom Baums Soldatentode berichtete, klang es ganz in dem Tone, in dem man in seinen Studenten fahren in Heidelberg von ihm sprach, zurück: „Der Baum ist gefallen?!" Die Semester gingen zu Ende und spielend bestand der siotte Student alle Examina, um dann mit Professor von Brauer zusammen, der damals nach Marburg berufen wurde, dorthin als sein Assistent zu gehen. Seine Begabung und seine ärztliche Tüchtigkeit schienen Baum auf die akademische Laufbahn hinzuweisen, aber äußere Gründe zwangen ihn, davon abzusehen. Er ging nach Cöln, arbeitete eine Zeitlang chirurgisch bei Bardenheuer, um sich dann wiederum unter dem Zwang der Verhältnisie, früher als er ursprünglich wollte, als praktischer Arzt niederzulafsen. Dort fand er vermöge seiner ärztlichen Tüchtigkeit, mehr aber noch vermöge seiner gewinnenden, liebenswürdig kraftvollen Persönlichkeit bald einen ausgedehnten und sich immer mehr ausdehnenden beruflichen Wirkungskreis, der ihm gestattete, sich mehr und mehr dem Druck der äußeren Verhältnisse zu entziehen, unter dem Baum zeitweise doppelt litt, well er im Uebermaß seiner Kraft und Fähigkeiten auch an das Leben erhebliche Ansprüche zu stellen gewohnt war. Er hat darunter, wie ich weiß, mehr gelitten, als mancher unter uns ahnt, und zeitweise auch sich Mißdeutungen ausgesetzt gesehen, diesogar zu einer vorübergehenden formellen Trennung

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