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KC-Blätter · 1915-01-01 · Heft 3 (Januar 1915) · p. Seite 339

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 3 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 339 (sequence 28)
Language
German
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L39 er in 14 Tagen gehoben wähnte, mutzte Magen seine Tätigkeit aufgeben. Es kam schlimmer, als alle Welt erwartete. Eine Operation war nötig. Acht Tage später war Magen tot. Am 16. Dezember 1914 ist er gestorben. Wir wissen es nicht, ob der Krieg ihn — indirekt — uns geraubt hat. Ob schärfere Beobachtungsuwglichkeit in Zeiten des Friedens einen anderen Ausgang ermöglicht hätte. Wir fühlen nur das eine, daß er uns genommen ist. Die Bestattung Magens gab Kunde von der Bedeutung der Persönlichkeit. Aus dem alten jüdischen Friedhofe auf der Lohnstraße in Breslau ist die Ruhestätte unseres Freundes und Mitkämpfers. Vertreter der Verbindungen im K. C. Thuringia und Sprevia chargierten. Es ist für den Verfasser dieser Zeilen, den harte Pflicht des Augenblicks fern hielt, eine wehmütige Genugtuung, daß sein ältester Sohn als Erstchargierter der Verbindung Sprevia an der Beerdigung teilnahm. Prachtvolle Blumenspenden mit entsprechenden Schleifen des A. H. V. Biadrina, des A. H. V. Thuringia und des A. H. V. Sprevia bedeckten den Sarg. Fast die gesamte Breslauer Aerzteschaft war vertreten. Außer dem Rabbiner I)r. Guttmann sprachen am Grabe der Vertreter des Deutschen Aerztevereinsbundes, der einen Lorbeerkranz des Aerztevereinsbundes niederlegte, der Vertreter der schlesischen Aerzte und des Leipziger Verbandes und zum Schluß im Namen des A. H. V. Biadrina unser Bundesbruder Dr. Peritz, der langjährige Vorsitzende des Verbandes. Seine warmherzige Ansprache möge hier wiedergegeben werden: Mein lieber Freund! Im Namen deiner alten Jugendfreunde, deiner friiheren Bundesbrüder der Biadrina, will ich dir einen letzten Scheidegruß zurufen. Wenn heute diese große Schar Leidtragender an deiner Bahre trauert, wenn die gesamte Aerzteschaft Deutschlands den Verlust ihres besten und tüchtigsten, mutigsten und selbstlosesten Vorkämpfers beklagt, so fühlen wir, deine Freunde, noch einen besonders tiefen Schmerz. Denn unser warst du in der herrlichsten uno glücklichsten Zeit deines Lebens, in der Jugendzeit, wo du noch frei von den Schlacken des Alltags dich dem Streben nach allem Hohen und Edlen, Schönen und Wahren restlos hingeben konntest. In jenen Tagen, als wir im Kampfe um unfern Anteil am deutschen Vaterlande die Biadrina gründeten, da warst du durch den Ueberschwang deiner edlen Begeisterung, durch hinreißende Kraft deiner Beredsamkeit und durch das Emsetzen deiner ganzen Persönlichkeit unser Führer und geistiger Mittelpunkt. Damals entfalteten sich schon all die herrlichen Eigenschaften des Geistes und Charakters, die dich im späteren öffentlichen Leben so auszeichneten, und auch dem alten Wahlfpruch der Biadrinen: „dlemo me impune lacessit, Niemand reizt mich ungestraft" hast du die Treue bewahrt in all den schweren Kämpfen auf dem sozialpolitischen Schlachtfelde, in denen du in der vordersten Reihe standest. Aber in der Hochglut jener jugendlichen Begeisterung wurde auch die Freundschaft geschmiedet, die uns für alle Zeit verbinden sollte. Wenn auch der Ernst des Lebens nrit rauher Hand uns auseinanderriß, das stihlten wir doch immer mit stolzem Glück, daß ein gemeinsames Band uns umschloß. Wenn du mit vollen Händen die reichen Gaben deines Geistes und Herzens auSstreutest für alle, die deiner bedurften, so hatte doch das, was du uns gabst, einen besonderen Klang, es kam aus der innersten Tiefe deines Hebens. Wenn du in unfern kleinen Kreis tratst, dann war es wie ein Sonnenstrahl, der nicht nur erleuchtet, sondern auch erwärmt. Mit der ganzen Herrlichkeit und Innigkeit deines Wesens, mit deinen! goldenen Humor und mit deiner gesunden Lebensbejahung wußtest du uns zu erfüllen und in den Bann demer Persönlichkeit zu ziehen. Aber auch dir war so wohl in unserer Mitte. Wenn du, frei von der Bürde demes an Mühen und Verdruß so reichen Amtes, den Geist der alten Zeit wieder aufleben ließest, dann wurdest du selbst wieder jung und brachtest auch uns. die entschwundene Jugend zurück. Ja, treuer Freund, viel hast du uns gegeben, und darum wird uns jetzt auch viel, unermeßlich viel genommen. So reich uns dein Leben gemacht hat, so arm läßt du uns jetzt zurück. Und nur eins wird uns bleiben, die Erinnerung. Die aber soll in uns fortleben als ein teures unantastbares Heiligtum. Mit Stolz wollen wir immer eingedenk sein, daß du der unsrige warst. Du aber ruhe in Frieden nach der schweren Arbeit! Möge dir die Erde leicht sein! So war der Abschluß dieses Lebens würdig seinem Verlause. Die Bewunderung neigt sich — in der heutigen Zeit mehr noch als sonst — mit berechtigter Bereitschaft demjenigen zu, der zu sterben versteht, der sein Leben für einen großen Gedanken als Abschluß einsetzt. Sie darf nicht minder groß sein für denjenigen, der das schwere Leben zu leben versteht, der ein heroisches Leben führt, denn in einem solchen Leben ist auch — wenn's not tut — der moralische Mut des Sterbens inbegriffen. Ein solches Leben hat unser Freund geführt. Nun, da er gestorben, wird er in uns leben: mit seiner Liebe, seiner Treue, der Glut seines Heizens, mit seinem Humor und seinem Lächeln und mit all' dem Vortrefflichen, das er geschaffen. * * * Dr. Fritz Bannt (Badeniae-Bavariae, Spreviae) gefallen am 20. Dezetnber 1914 bei Tahure. Der Krieg hat aus den Reihen des K. C. außerordentliche Opfer gefordert. Im Augenblick, da diese Zeilen niedergeschrieben werden, sind 19 unserer Tapferen gefallen, eine unverhältnismäßig große Zahl. Wir wissen, daß der Kampf für Deutschlands Größe und Deutschlands Ehre noch mehr Opfer von uns heischen wird, und bringen sie stolzerhobenen Hauptes, besiegeln doch unsere gefallenen Helden mit ihrem

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