KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 3 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 338 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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338 Vielheit gelten. Er war nicht gerade schön — der kleine schlanke junge Student von damals, aber wer in seine Augen sah, der mutzte ihn lieben, denn diese Augen machten ihn schön. Sie strahlten sein ganzes Wesen wieder: das Feuer seiner Lveeie, die Liebe zu seinen Freunden, die Beredsamkeit in den tobenden Konventen der jungen gärenden Viadrina, sein ganzes Erfülltsein von dem Kampfe um Recht und Freiheit. Als die junge Viadrina nach einem Jahre schwerster Kämpfe im Winter 1887 ihr erstes Stiftungsfest feierte, hielt Magen die Festrede. *) Sie gab in einem wuchtigen historischen Ueberblicksbilde gewissermatzen die innere politische Berechtigung unserer Forderungen. Ich erinnere mich lebhaft des Augenblicks, da Julius Krüger, 'hingerissen von der Gewalt der Worte, auf Magen, nachdem er eben geendet hatte, zuging und'ihn kützte. In diesem Kusse einigte sich gewissermatzen zum Symbol Kraft und Klugheit. Latzt mich schweigen von Jugendlust und Tollheit und Uebermut der ersten Semester der jungen Viadrina, damit nicht Wehmut zur Träne werde. Viel Kerniges wurde von den verschiedensten Seiten auf diesem Gebiete geleistet. Ich möchte die Note Magen in diesem Konzerte nicht missen. Der Jugendtraum war kul- Das Lehen nahm unseren Freund schnell in seine rauhen Arme. Die Welt gab ihm das, was sie für den Idealisten zur Verfügung hat: Hunger und Liebe. Man schwärmt für ihn und lätzt ihn entbehren. Sie gab. ihm aber auch die Liebe einer Frau. Aber auch dies Glück war rasch vorüber. Nach langer Verlobungszeit und kurzer Ehe trat der Tod dazwischen. Er konnte das Glück vernichten, aber nicht die Treue an dieses Glück. Wir wollen es der Schwester des Verblichenen an dieser Stelle danken, datz sie unserem Freund ein neues Heim eschaffen hat, das ihm die Grundlage zu seinen ervorragenden Leistungen bot. Der Zionismus hat unseren Oskar Magen in späteren Jahren rein äutzerlich von uns getrennt. Die schärfste Stellung gegen diese Bewegung war ihm von Anfang an die natürlichste und von selbst gegebene. Das persönliche Band hat dadurch keinerlei Einbutze erlitten. Der K. C. hat heute die Richtung, die die alte Viadrina vor fast 3 Jahrzehnten ihm gewiesen, und Magen hätte wohl als „Alter Herr" des K.C. scheiden können. Wenn man will, mag man ihm das zum Vorwurf machen, datz er die Kämpfer für die alte und heutige Richtung des K.C. nur bis zu einer gewissen Zeit unterstützte, weil ihm die Haltung des K. C. und zugleich auch eines Teiles der Viadrina nicht zusagte. Auch ein gewisser Eigensinn gehört zum Bilde Oskar Magen. Aber *) abgedruckt im K.C.-Jahrbuch 1908. das darf man getrost in diesem Augenblicke feststellen: Magen ist der alte Viadrine von 1886 geblieben und er könnte auch der K.C.er von 1915 sein. Nach kurzen Viadrinenfemestern lietz sich Magen jder am 23. August 1863 in Hultschin, Kr. Ratibor geboren ist) nacheinander in 3 kleinen Orten: Ernsdürf, Emmerichenhain, Dyhernfurth als praktischer Arzt nieder. 1895 zog er nach Breslau, wo er neben seiner Allgemeinpraxis Assistent des bekannten Augenarztes Prof. Hermann Cohn wurde. Ein halbes Jahr nach seiner Niederlaffung verlor er seine junge Frau. Der Berfaffer dieser Zeilen war in der Sterbenacht und -stunde bei der Scheidenden und in der Verzweistungsstunde nach dem Ableben dieser treuen und lieben Frau bei unserem Freunde. Aus dem Drucke seiner Bezweiflung hat sich Oskar Magen zur Arbeit erhoben — zunächst in seiner Spezialwiffenschaft, der Ophthalmologie, sodann später (im Jahre 1901 beginnend) auf sozial-ältlichem Gebiete zu so hervorragenden Leistungen, datz fein Name mit der Geschichte des deutschen Aerztestandes auf sozialpolitischem Gebiete untrennbar verknüpft ist. Sein spezielles Gebiet war die sozial-ärztliche Statistik, und es gab und gibt zurzeit keinen zweiten Alt in ganz Deutschland, der ihm auf diesem Gebiete gleichkommt. Seine Feder und sein Wort waren von hinreitzender Kraft und zugleich bei aller Sachlichkeit von unnachsichtlicher Schärfe. Kurze Zeit, nachdem die Kämpfe für die freie Altwahl in Deutschland eingesetzt hatten, wurde er in die Vorstände der Aeltevereinigungen, in die Schlesische Aeltekammer, zum Delegieren auf den Aerztetagen, gewählt. Man jubelte ihm zu. Die Zuhörer hatten bei der Schärfe seines Witzes und feiner Argumente gewissermatzen das Vergnügen, die Gegner am Boden zu sehen. Im Jahre 1906 wurde er zum Redakteur desAeltlichen Vereinsblattes des Deutschen Aerztevereinsbundes gewählt, weil man seine Kenntnisie für die Allgemeinheit der deutschen Aelte nutzbar machen wollte. Der Abschiedsabend, den die Breslauer Aerzteschaft Magen widmete, war eine Ehrung in ungewöhnlicher Form „für einen einfachen Arzt ohne Titel und ohne Orden". Dies feine eignen Worte in feiner Dankesrede. Den Gipfelpunkt bildete ein wohlgelungener scherzhafter Fackelzug. Er siedelte dann nach Leipzig über. Nach wenigen Jahren wurde ihm fein Helenswunsch erfüllt, die Zeitung in feinem geliebten Breslau leiten zu dürfen. Bei Ausbruch des Krieges stellte er sich der Militärbehörde zur Verfügung. Nur wenige Wochen war es ihm vergönnt, in einem ostpreutzischen Etappenlazarett, an gefährdeter Stelle, dem Vaterlande feine Dienste zu widmen. Wegen eines scheinbar unbedeutenden Darmleidens, das