KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 3 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 337 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2268830-2268887-2268891--1375-2270542- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
der Glaube an die Kraft und an den Sieg der deutschen Sache. Schon zierte seine Brust das Eiserne Kreuz, da ereilte ihn, allzu schnell, die tödliche Kugel. Wer ihn .gekannt hat, der weiß, daß er in jeder Beziehung ein ganzer Mann war. Wir werden ihn nie vergessen. Dr. Bruno Beermann sGhib.). 1 -r- * I * 1 Klbert Lswinski. I (Spreviae). 1 Wenn die Blätter der Geschichte von den j ruhmvollen Kämpfen der Deutschen vor Namur,! a. d. Sambre, St. Quentin, Reims und Chalons j erzählen werden, wird in unserer Erinnerung? jedesmal die lebensvolle und liebenswerte Gestalt! unseres lieben Verbandsbruders Albert Lowinski { auftauchen, welcher an all diesen Gefechten mit j rühmlicher Tapferkeit teilgenommen hat, bis ihn! schließlich die tödliche Kugel bei einem der blutigen Kämpfe in Flandern traf. Am 24. November erhielt er einen Bauchschuß, an dessen Folgen er I am darauf folgenden Tage im Feldlazarett Menin verschieden ist. Unser Bundesbruder Albert Lowinski war, was man mit Recht so nennt, ein Sonnen- 1 kind. Die Natur hatte ihn mit reichen Geistesgnben ausgestattet. Das Lernen war ihm eine Ilüist, und Arbeit war ihm Leben. Kaum 18 Jahre alt, durfte er schon die Universität beziehen. Während der Zeit seiner Aktivität in Berlin, Heidelberg und Freiburg gehörte er vollkommen I der Verbindung. Als allgemein beliebter Gesell-! schafter durfte er bei keiner Veranstaltung in Freundes- und Bekanntenkreis fehlen. Aber zur rechten Zeit — auch nicht einen Tag zu spät — bestand er sein Referendarexamen. Wir hatten es auch bei seinem Pstichteifer nicht anders erwartet. Als Soldat erwarb er sich bald die Anerkennung seiner Vorgesetzten und die achtungsvolle Liebe seiner Kameraden. Aber über all dieses hinaus war es uns verj gönnt, ihn als Menschen und Bundesbruder! schätzen und lieben zu lernen. Sein stets heiteres Wesen wußte auch den Ernstesten von uns fortzureißen und in seiner Gegenwart konnte bei anderen Sorge nicht aufkommen. Und doch, wo es erforderlich war, wußte er auch ernst zu fein. Ob aus Mensur oder bei Vertretung der Verbindung nach außen, stets wußte er seinen Mann zu stehen und die gestellte Aufgabe so, wie es nur verlangt werden kann, zu erfüllen. Im Convente hat er manches Mal der Verbindung den richtigen Weg gewiesen, aber auch dort verstand er es, lvenn die Verhandlungen einmal stürmischer verliefen, als es gut war, durch ein treffendes Wort die richtige Stimmung wieder herzustellen. So ist es denn nur natürlich, daß er sich einer allgemeinen Beliebtheit erfreute, die auch da zutage trat, als seine irdischen Ueberrestc in Berlin zur letzten Ruhe bestattet wurden. Uns war er ein zuverlässiger Freund, der Verbindung ein treues Mitglied, dem Vaterlande, für das zu kämpfen und zu fallen ihm vergönnt war, war er mit allen Fasern seines Herzens ergeben. Sein Tod hat eine tiefe Lücke in unsere Reihen gerissen. Alle. die, die ihm näher treten dursten, werden nie aushören, seiner zu gedenken. Friedrich Franz Levy (Sprevia). * $ * Gskar Magen, geb. 23. August 1863, gest. 16. Dezember 1914. Ein Abschiedsgruß dem Unvergeßlichen namens des. A. H. V. Viadrina - Breslau von vr. Alfred Goldschmidt-Viadrinae, zurzeit Chefarzt des Gefangenenlagers bei Quedlinburg. Die Welt ist ärmer geworden: Oskar Magen ist gestorben! Draußen auf den Schlachtfeldern in Feindesland verblutet sich in siegreichem Vorwttrtsdringen — so vielfach—Deutschlands Jugend und Manneskraft, Geist und Wissen, Herz und Gemüt, Kraft und Heldensinn und stirbt. Wer aber hat gelebt wie er? Wer hat den Idealen, wie er sie gesehen und empfand, ein ganzes Leben lang so viel Geist, so viel Gemüt, so viel Redlichkeit gegeben in einer Welt, die so erfüllt ist von Unredlichkeit und Tücke? Seine Jugend gehörte der Viadrina. Daß der Kampf um unser gekränktes Recht einen Magen unter den Mitschöpsern der Viadrina — und zwar an vorderster Stelle — finden würde, das war für alle, die ihn — wenn auch nur flüchtig — kannten, eine Selbstverständlichkeit. Sein Wort wurde die Stimme der Verbindung. Sein Aufruf „Ein Wort an unsere Glaubensgenoffen" (verfaßt im Jahre 1886 in Gemeinschaft mit dem verstorbenen Julius Krüger*) wurde der Weckruf zur Erhebung der deutschen Juden aus Schmach und Bedrückung, aus Resignation und Stumpfheit, und darf noch heute als der klassische Ausdruck der Kraft, des Stolzes, der Erhebung einer Minderheit gegen den Versuch der Erdrückung durch eine *) abgedruckt im K.C.-Jahrbuch 1906.