KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 3 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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336 Dr. Julius Lohn (Bi.-Br.), 1* am 28. Nov. 1914. Am 28. November 1914 - einen Tag vor seinem 44. Geburtstag - starb im Dienste des Vaterlandes infolge eines Unfalles unser lieber Bundesbruder vr.Julius Cohn. Eine fast 25jährige Freundschaft verband ihn fest mit unserem Bunde. Verhältnismäßig spät — erst in seinem 5. Semester — wurde Cohn im Sommersemester 1891 in der alten Breslauer Viadrina aktiv. Wir rvissen, daß es für ein älteres Semester nicht leicht ist, noch eine Fuchsenzeit durchzumachen, zumal in einer Verbindung, die so viel Ansprüche an ihre Mitglieder stellen mußte, wie die Viadrina. Durch treue Pünktlichkeit und Pflichterfüllung, durch sein offenes, freundliches und zielbewußtes Wesen gewann Cohn sich bald die Liebe und Zuneigung der Bundesbrüder, und seine Mitarbeit und Zugehörigkeit zur Verbindung hat viel j dazu beigetragen, daß die damaligen Semester! als goldene Studentenzeit verklärt uns in der j Erinnerung geblieben sind. Julius Cohn ist es ■ auch gewesen, der als Erstchargierter der Viadrina mit dem Erstchargierten derBadenia, vr. Mainzer, zusammen im Jahre 1892 den Kartellvertrag zwischen der Viadrina und der Badenia unterzeichnet haben. So haben wir in ihm auch einen, der Mitgründer des großen Werkes, auf das wir heute so stolz sein dürfen, verloren. Durch diese historische Tat wird sein Name unvergeßlich im K. C. fortleben. — Nach seinem Staatsexamen ließ sich Cohn als Arzt in Berlin nieder. Tiefe Kenntnisse, Fleiß und sympathisches, vertraueneinflötzendes Wesen begründeten bald seine gute Praxis. Eine geliebte Frau und ein Sohn bildeten den Stolz und die Freude seines Hauses. Ein quälendes Herzleiden zwang ihn leider bald, seine berufliche Täügkeit einzuschränken und zuletzt ganz aufzugeben. Als zrl Beginn des Krieges alles zu den Waffen eilte, klagte er bitter, daß er infolge seines Leidens müßig zu Hause bleiben müsse, während ungezählte andere für Vaterland und Reich sich opferten. Und froh war er, als auch er als Arzt des Gefangenenlagers zu Halbe dem Staate seine Dienste 'weihen konnte. Von früh bis zum späten Abend war er über seine Kräfte hinaus rastlos bemüht, die vielen verwundeten Kriegsgefangenen zu versorgen und den ganzen Gesundheitsdienst im Lager einzurichten und allein zu versehen. Und als er in der Dunkelheit am 24. November vom Besuch des Lagers zur Bahn ing, hatte er — ein wirklich tragisches Verängnis — das Unglück, in eine Grube zu stürzen und einen Schädelbruch zu erleiden, an dessen Folgen er wenige Tage später — viel zu früh für seine Familie und für uns — starb. Ohne formell fromm zu sein, war Julius Cohn ein überzeugter und selbstbewußter Jude, der fest zu seiner Glaubensgemeinschaft hielt. Mit Stolz sagte er vor einem Jahre zu mir, daß er jeden Verkehr mit Täuflingen, auch das ärztliche Zusammenarbeiten mit getauften Professoren, energisch abgelehnt habe und stets ablehnen würde. — Ein aufrechter Mann, ein Deutscher in seinem Denken und Fühlen, dabei mit allen Gaben seines Herzens an der jüdischen Gemeinschaft hängend, war er das Ideal eines K. C.ers, der Besten einer. Ein edler, immer hilfsbereiter Mensch ist dahingegangen. Mit Wehmut werden wir stets seiner gedenken. l)r. Pick. jVi.-Br.) -r- * * Höolf Levy (Ghibelliniae». In den blutigen Kämpfen in Flandern ist nun auch unser lieber Verbandsbruder Adolf Levy, canci.pkil., als Offizierstellvertreter im Infanterieregiment Nr. 20 gefallen. Von jugendlichen Idealen beseelt, trat er im Sommersemester 1910 in die Verbindung ein. Er brachte schon mit sich jenes kostbare Gut, das Bewußtsein der Zugehörigkeit zum Judentum. Der große Kampf fürs Judentum war sein Lebensziel. So war er vom ersten Tage seiner Aktivität ein Verfechter und Förderer des K.C -Gedankens. Er war einer der jugendfrischsten der damaligen 16 Ghibellinen. Stets war er der Anführer, wenn es galt, durch die Berge zu wandern. Nie fehlte er, wollte man auf dem Dattler oder gar auf seinem Lieblingsplatze, dem Loretto, eine Bowle trinken. Wie beneideten wir ihn, wie er als einziger von allen Füchsen schon im ersten Semester auf Mensur stehen durfte! Freiburg war Adolf Levy zur zweiten Heimat geworden. Seine Liebe zu unserer schönen Musenstadt hat er in begeisterten Versen zum Ausdruck gebracht. Ein ewiges Andenken an ihn bleibt sein treffliches Lied: „Freiburg, du geliebtes Städtchen!" Trotz dieses Eifers für die Korporation und ihre Ideen hat er von Anfang an seine Studien ernst und gewiffenhaft betrieben. Schon im zweiten Semester konnte er der Fakultät eine wertvolle philosophische Arbeit vorlegen. Dann kam die Dienstzeit. Voll Stolz und mit großer Begeisterung trug er des Königs Rock und freute sich, durch persönliche Tüchtigkeit seiner außerordentlichen Vaterlandsliebe durch die Tat Ausdruck verleihen zu können. Frohen Mutes zog er dann aus in den Krieg, als der Ruf an ihn erging. Fest war in ihm