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KC-Blätter · 1915-01-01 · Heft 3 (Januar 1915) · p. Seite 332

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 3 (Januar 1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 332 (sequence 21)
Language
German
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882 gebracht, Tausende von Auszeichnungen erzählen von dem Ernst unseres Strebens, von jüdischer Tapferkeit und Treue, und jeder empfindet, daß es etwas Höheres und Größeres an Opferfähigkeit nicht gibt, nicht geben kann! Wenn dieser Beweis unseres Deutschtums nichtanerkannt nnirde, so müßte fast mechanisch die tiefste Verbitterung sich verbreiten, die Lebenssreudigkeit würde schwinden und alle jene daraus entspringenden Bestrebungen innerhalb des Judentums, die der K. C. so energisch, und wie wir durch den Krieg erfahren haben, auch erfolgreich bekämpft hat, würden riesengroß anwachsen! Und die Rückschläge werden kommen. Es wäre gewiß traurig, wenn dieser Krieg nicht einen gewaltigenSchritt vorwärts bedeutete, aber auch der größte Schritt ist nicht der ganze Weg! Die Enttäuschungen sind aus logischen wie' aus historischen Gründen ganz unvermeidlich, fast selbstverständlich, und damit besteht auch die Aufgabe des K.C. in vollem Umsangefort. Ja, sie wird vielleicht noch schwieriger und größer werden. Selbst die anscheinend für ihn bedeutsamste Tatsache, daß etwa die großen Studentenverbände von ihrem antisemitischen Standpunkte abginaen und jüdischen Kommilitonen unbeschränkt ihre Pforten öffneten, würde nichts ändern, denn der K.C. ist längst über rein studentische Aufgaben hinausgewachsen, und sein Kanrpf gilt auch den allgemein-jüdischen Problemen. Solange es eine Judenfrage gibt, die dadurch gekennzeichnet ist, daß die Gerechtigkeit zu Boden getreten wird, solange wird der K. C. unentbehrlich sein, als eine Erziehungsstätte für die künftigen geistigen Führer des deutschen Judentums, die in selbstbewußter Lebensfreude und Begeisterung für das deutsche Vaterland, in Treue zum Glauben der Väter und in unbeugsamem Gerechtigkeitsgefiihl herangebildet werden müssen. Mit diesen! inneren Problem hängt nun ein äußeres sehr eng zusammen, das hier freilich nur angedentet werden kann. Es handelt sich um die Lage der Ostjuden und ihre späteren Beziehungen zum Westen. Bis jetzt war das eine Frage, die uns gewiß historisch, sozial, politisch und sprachlich lebhaft interessierte, die unser tiefes Mitgefühl und das Bewußtsein der Solidarität mit unseren so schwer mißhandelten Glaubensgenossen erweckte. Die Ostjudenfrage verlangte von uns Arbeit und Mittel, aber wir verspürten sie nicht am eigenen Leibe. Damit wird es nun anders werden! Ueber das politische Schicksal Polens zu orakeln, ist töricht und überflüssig. Daß aber der Westen mit den Juden Polens in eine innigere Berührung kommen wird, ist ganz sicher. Es ist nicht einmal unwahrschkinlich^ daß Teilen der polnischen Judenheit die ersehnte Einverleibung nach Deutschland winkt, eine Schicksaiswendung, die nur ihnen gewiß von Herzen gönnen. Für uns rverden aber in jedenr Falle ganz unvermeidliche Schwierigkeiten errvachsen. Die Ostjuden haben eine eigene Kultur, die nicht die unsere ist. In ihr spiegelt sich ein Druck von Jahrhunderten rvieder, und schon darum — ganz abgesehen von allen anderer! Gründen - ist sie im Vergleich mit der Kultur freier Menschen wenig rvert. Bei einer innigen Berührung der polnischen Juden mit Deutschland nnirde allerdings naturgemäß eine Kulturassimilatiou eintreten. Das ist ein Naturgesetz, das man in manchen Kreisen des Westjudentums bedauern kann, aber nicht zu hindern vermag. Bis aber diese Kulturanpassung durchgesührt ist, kann ein Menschenalter und mehr vergehen, und diese Uebergangsperiode würde für alle Juden eine Zeit des Unbehagens werden, da dann aus begreiflichen Gründen, aus wirtschaftlichem Widerstand und aus der Kulturfremdheit, ein ausgedehnter Antisemitismus entstehenmüßte, der sich naturgemäß gegen die eingesessenen deutschen Juden ebenso richten würde, wie gegen die Neulinge. Nicht die äußeren Kämpfe würden für die deutsche Judenheit gefährlich werden, denn es ist nicht zu bezweifeln, daß. jeder unberechtigte Angriff an der festen Phalanx eines einigen und selbstbewußten Judentums scheitert. Auch die Kämpfe im Innern des Judentums sind im Grunde von nienig Wichtigkeit, denn die Assimilation kann man bekämpfen und auszuhalten'suchen — und man wird es vornehmlich aus Gründen der Gemeindepolitik tun — aber Naturnotwendigkeiten kann man nicht hindern. Daß jedoch so mancher Westjude, der sich bei aller Glaubenstreue dein polnischen Juden nicht wesensverwandt fühlt, große Anfechtungen erleben!vird, daß die Treue zum Judentum unter solchen U!nständen bei vielen schwachen Charakteren nicht standhalten wird, daß Abfall im größten Maße ebenso eintreten könnte, wie es das deutsche Judentum aus ähnlichen Gründen im Anfänge des achtzehnte!! Jahrhunderts erlebt hat, ist eine Gefahr, mit der wir rechnen müssen, der wir nicht früh genug entgegentreten können. Und für die erzieherische und charakterbildende Tätigkeit des K.C.!vie für seinen Kampf gegen den Judenhaß ergeben sich aus diesen Erwägungen Aufgaben, die riesengroß zu!verden versprechen. Nur diese beiden Einzelheiten seien aus den! großen Kranze von Problemen herausgegriffen, aber sie werden ein Licht auf die Zukunft des K. C. geworfen haben. Die Lage kann ernst werden. Die unwandelbare Treue zum Deutschtum, die Lebensfreudigkeit und der Optimismus der deutschen Juden werden vielleicht nach dem Kriege einer starken Belastungsprobe unterworfen werden. Die Angriffe des Antisemitis-

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