KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 3 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 331 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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man hätte glauben können, bedeuten einen Erfolg lnrd einen Sieg, den der K.C. und die nach seinem Vorbilde geschaffenen bürgerlichen Ver- , emigungen sich voll zuschreiben können. | Der weitere Kampf des K.-C. hat der Gleichi berechtigung gegolten, und auch hier hat der Krieg! mit dem bekannten Kaiserwort anscheinend einen > vollen Sieg gebracht. Nun hoffen wir Menschen! ja mit aller Kraft, unsere Ideale zu erreichen j und am Ziel zu stehen, ein Glück, das freilich! wenigen beschert ist. Aber dennoch beschleicht uns ein banges Gefühl, wenn lvir an dem ersehnten ' Gestade angelangt zu sein glauben. So mancher j auch in den Reihen des K.-C. mag anfangs von! diesen Empfindungen erfüllt gewesen sein, die freudig und stolz auf der einen Seite, und etwas uachdenklich und trübe auf der anderen sttmmten. Keine Organisation der Welt, so lieb man sie auch gewonnen hat, kann aber Selbstzweck sein, selbst die höchsten, wie Staat und Religionsverbnnd, sind überflüssig, sobald die prophetischen Menschlichkeitsideale heischen. Und so muß man es an sich mit in den Kauf nehmen, wenn das Rüstzeug nach errungenem, endgültigem Siege überflüssig wird. Eine studentische Verbindung ist nun aber nicht wie andere Organisationen. Sie eint nicht Menschen, die sonst fremd aneinander vorübergehen, rein sachlich zu bestimmten Zielen, sondern sie ersaßt die ganze Persönlichkeit, bildet sie um, erzieht sie und durchtränkt das ganze Werden und Wollen jtlnger Seelen mit ihren Auffassungen und Hoffnungen. Sv ist es begreiflich, daß trotz der Siegesfreude über die Erreichung dessen, wofür man gekämpft hat, eine tiefe Trauer herrschen müßte, tvenn nun die Waffe aus Mangel an einent Feinde überflüssig und damit rostig und schartig werden würde. Ist ein studentischer Tendenzverband auch an sich nicht Selbstzweck, so hat er doch Werte geschaffen, die diesen Charakter tragen und die seine Anhänger nur mit größtem Widerstreben aufzugeben bereit wären. Diese Befürchtung hat geherrscht, vielleicht nicht immer klar ausgesprochen, aber dennoch unbestimmt empfunden! Man soll nun nicht prophezeien, und es ist verfrüht, über die künftige Gestaltung der Dinge nachzudenken, aber eins steht sicherlich fest. Man braucht sich gar nicht in das Gebiet allgemeiner historischer Erwägungen und Erfahrungen zu versteigen, braucht die Geister der Vorzeit nicht herbeizurufen! Es genügt, wenn inan mit unbefangenem Blick um sich schaut, um zu erkennen, daß nach dem Kriege die jüdischen Probleme sich gewaltig mehren, daß sie viel größer und schwieriger sein werden als jetzt, und daß gerade für den K.C. höchstwahrscheinlich ein Kampf beginnen wird, der weit mehr Kraft erfordern wird als der bisherige. Nur oberflächliche und unhistorische Betrachtungsweise kann vermeinen, daß selbst die winzige Teilfrage im großen Judenproblem, die Gleichberechtigung der deutschen Juden, im günstigen Sinne endgültig gelöst sei, und darmu brauche sich der K. C. gar nicht damit zu beschäftigen, was rverden solle, wenn ein Teil seiner Ideale erreicht sei. Sie sind es — leider, leider — noch lange nicht! Die Lage ist sogar besonders gefährlich! Der Kampf des K. C. gilt vornehmlich der Gleichberechtigung. Nicht in dem oberflächlichen Sinne, daß nur das politische Recht errungen werden soll, sondern er will im jungen Juden die moralischen und seelischen Unterlagen für die Gleichberechtigung schaffen. Die äußere Abwehr des Unrechts ist keineswegs von größerer Wichtigkeit als die; Erziehung der eigenen Persönlichkeit und die Beeinflussung der Grundgesinnungen des Gegners!; Es bedeutet nun eine sehr erhebliche Gefahr^ wenn! große Teile des deutschen Judentums, wie es! jetzt so oft geschieht, Gleichberechtigung erlangen zu! können glauben, ohne daß die elementaren Gefühle, die Denkweise und die Empfindungen unserer Feinde sich geändert hätten. Das hat aber der Krieg nur in Einzelfällen bewirkt. Die Rückschläge rverden darum kommen und nrüffen kommen. Mag auch die einwandfreie patriotische Haltung der Juden manches Vorurteil zerstreuen, jahrhundertelanges, tradittonell gewordenes Übelwollen wird sie ebensowenig mit einem Schlage beseittgen, wie den aus Geschäftsrücksichten bewußt geschürten Haß gegen Juden und Judentum. Die antisemitische alldeutsche Bewegung, die ja durch diesen Krieg ihren heißersehnten Traum erfüllt sieht, wird nach dem siegreichen Ende unendlich anwachsen, und wenn auch ihre stärkste Wurzel und Stütze, die Rassentheorie, durch die schmachvolle Bündnispolitik Englands unheilbar btoßgestellt ist und für denkende Menschen erledigt sein dürste, so wird das ihre politische Agitatton und deren Erfolge kaum hindern. Man hat also — der Gründe könnte man noch mehr nennen — sicherlich mit ernsten Rückschlägen zu rechnen, und schon jetzt muß man die Folgen bedenken, die sich ergeben können. Denn wenn wir optimistisch vertrauen und der Judenhaß trotz unserer Hoffnungen nach dem Kriege wieder auflodert, möglicherweise in noch stärkerem Maße, wenn die äußere Gleich-! berechtigung noch immer nicht völlig durchgeführt! ist, wird eine Verbitterung Platz greifen, von! deren Tiefe und Wirkung auf unsere Reihen wir uns kaum einen Begriff machen können! Wir wollen gewiß unsere Opfer und unsere vaterländische Gesinnung nicht gegen Rechte und Liebe eintauschen, aber was kann es bedeuten, wenn wir enttäuscht werden sollen! Hunderte sind für das Vaterland gefallen, Taufende von Familien haben das Blutopfer für das Vaterland