KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 3 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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325 wieder neblig wird, kommen unsere Flieger zurück, die neben uns ihre Station Huben, gegen Abend passieren die Verwundeten des heutigen Kampftages in ersten blutigen Notverbänden, und »oenn es völlig dunkel ist, flitzen mit riesigen Glühaugen die Autos der Leitung zurück zum Hauptquartier des Armeeoberkommandos. Alle erzählen sie, Dichtung und Wahrheit, aber immer erfreulich und hoffnungsvoll. Kurzum, überall und jederzeit, um uns und in uns, ist Kampf und Bewegung. Und das Ganze nennt man ein Ruhequartier. Was mich anlanat, so bin ich inzwischen preußischer Feldartillerie-Offizier geworden. Nachdem mir im Korps Infanteristen schon mehrfach vorausgegangen waren, bin ich — soweit ich unterrichtet bin — nunmehr der erste preußische Feldartillerist, aber auch meinerseits bereits gefolgt von zwei Kavalleristen. Möchten wir uns doch bald in unserem traulichen Fauststübchen der Siege erfreuen dürfen, die nach außen und im Innern erkämpft wurden und die des Schweißes und des Blutes der Edlen wert waren. Dir und Deiner Frau — wie immer — die herzlichsten Grüße Ludwig Jaffö. 29. 1. 1915. Lieber Mainzer! Herzlichen Dank für die Uebersendung der K. C.-Zeitung! So furchtbar auch unsere Verluste sind, die Lektüre der Zeitung ruft doch ein Gefühl der Bewunderung für unsere K.C.- Erziehung hervor. Die Beteiligung des K. C. am Feldzuge ist riesig. Morgen ist K. C.-Zusammenkunft in der Nähe von Douai; wie freue ich mich darauf! Herzlichen Gruß Deiner Frau und Dir Dein alter Karl Kauffmann. 28. 1. 15. Lieber Kartellbruder! Gestern habe ich die K. C -Zeitung erhalten. Besten Dank. Ich bin furchtbar stolz, als Schriftsteller drin zu stehen, wenn auch nur aus Grund von Feldpostkarten. Allen Verbandsbrüdern zur Nachricht: Hurra, wir leben noch! Wie sagt Kohl Blumenrhal nnt Recht? „Das sind wir nun mal unserer Gesundheit schuldig!" Gestern war wieder mal großer Sturm, wie schon häufig! Auch diesmal haben die Franzosen den befferen Teil der Tapferkeit erwählt und sind teils über-, teils zurückgelaufen. Zur Abwechslung war ich diesmal nur in Reserve, es ging leider auch ohne mich. Kameradschaftlichen Gruß an alle Berbandsbrttder Ihr Kbr. l)r. Otto Levy. Mein lieber Alex! .... Anfang Januar siild wir ausgerückt und liegen nun in Feuerstellung vor La Bagee den Engländern, Indiern und ähnlichem Gesindel gegenüber. Wenige Kilometer von La Baffee emsernt ist mein Quartier. Das saubere und hübsche Dörfchen liegt in vollkommener Ruhe; ab und zu stattet ein Flieger uns einen Besuch ab; unsere Batterien empfangen ihn mit Schrapnells, und es ist interessant anzuschauen, wie die Sprengwölkchen am Himmel stehen und langsam zerflattern. Glücklicherweise haben wir jetzt befferes Wetter als im vorigen Monat. Das viele, viele Waffer ist dem Infanteristen und auch uns ein fast ebenso schlimmer Feind als die Englishmen. ... In den Zeitungen hast Du wohl von unserem Sturm am 25. Januar gelesen Da konnte ich mir zum ersten Male die Schrecken des Krieges richtig vorstellen. Ich lag vorne im Schützengraben, und so war ich Zeuge des furchtbaren Schauspieles, das solch männermordender Kampf bietet. . . . Kaisers Geburtstag wurde ich zum Gefreiten befördert; so habe ich wenigstens schon etwas in meiner kurzen niilitärischen Laufbahn erreicht. . . . Leider habe ich heute nicht die Muße, Dir noch viel von meinen Erfahrungen zu erzählen; damit vertröste ich Dich auf ein ander Mal. Ich würde mich freuen, wenn ich von Dir die Adressen all der anderen erfahren könnte, mit denen wir in Bonn so schöne Stunden verbracht haben. Lebe wohl für heute; mit herzlichen bundesbriiderlichen Grüßen Dein Heinrich Leyens. Lieber Mainzer! Trotz des üblen Wetters, das das Leben im Schützengraben ganz besonders erschwert, fühle ich mich noch immer recht ivohl. Vermutlich werden wir in der nächsten Zeit abgelöst werden und dann einen ruhigeren Posten bekommen. Der schwere Dienst, die lange Trennung von der Heimat, die für unsere alten, durchweg schwer verheirateten Landwehrmänner an und für sich schon schwere Opfer darstellen, wurden besonders an den Weihnachtstagen und zu Neujahr sehr fühlbar. Die Anforderungen, die der Dienst im Schützengraben an die Leute stellt, sind ungeheuer. Wer unsere Landwehrmänner sieht, wie sie, bis auf die Haut durchnäßt, von oben bis unten zentimeterdick mit Lehm bedeckt, aus dein Schützengraben kommen, der kann sich erst ein richtiges Bild davon machen, welch ungeheuere Opfer gebracht werden. Ich muß mich immer wundern, wieviel ein Mensch doch aushalten kann. Die jüdische Frage beschäftigt mich hier ziemlich wenig, obgleich ich gerade jetzt ziemlich viel mit K. C.ern (Auerbach, Hahn, Loeb) zusammenkomme und obgleich ich regelmäßig das Hamburger Familien-Blatt und die Jüdische Rundschau lese. Die Beschäftigung mit der eigenen Person oder vielmehr dem Kriegsleben in unserer näheren Umgebung, dann aber auch die gewaltigen allgemeinen Fragen sind so intensiv, daß sie unsere internen politischen Sorgen, an die ich auch hier wenig erinnert werde, stark zurückdrängen. Ich bin ja überzeugt davon, daß es nach Friedensschluß bald wieder anders fein wird. Leider! — Recht verständnislos stehe ich — jetzt erst recht — den Zionisten gegenüber, die auch aus den großen Umwälzungen nichts gelernt haben. Wo spielt die Raffe bei den großen historischen Ereignigen noch eine Rolle? Nur die historisch begründete Lebensgemeinschaft im Staate bildet die Völker, nur die Interessengemeinschaft entscheidet über Bündnisse. Mit den herzlichsten Grüßen Dein Karl Löwenstem. Liancourt, 12. 1. 1915. Lieber Mainzer! Bon einem lukullischen K. C.-Festessen in Feindesland sendet Dir die herzlichsten Grüße Dein Karl Löwenstein. Auch von mir die besten Grüße Dein Bbr. Ernst Hahn. Es schließt sich an E. Auerbach. Lieber Alexander! Vom K. C.-Abend mit schäumendem Sekt sendet beste Grütze des Könias jüngster Leutnant Karl Löwenstein. Lieber Alexander! Zufällig haben wir drei K.C.er uns hier, 5 km hinter der Front, zusammengefunden und begießen unfern Leutnant Karl Löwenstein mit Sekt! Stimmung Ia! Morgen früh geht es zum Schützengraben! Heil und Sieg! Dein Bundesbruder Ernst Hahn. Unbekannterweise grüßt herzlichst Dipl.-Jng. Erich Auerbach (Sprev.-Viadr.). 22.1.11. Lieber Mainzer! Als heute die K. C- Blätter bei mir ankamen, habe ich mir mit dem Reste meiner gesunden Glieder an die Brust geschlagen und reuevoll gerufen: pater peccavi. Ich habe, glaube ich, noch gar nicht an Dich geschrieben, seit Kriegsbeginn. Ich bin immer noch hier, und zwar wahrscheinlich noch längere Zeit. Meine Shrapnellschußwunde im linken Schienbein will nicht recht heilen. Die Kugel wurde s.Zt. aus derKnochenmarkhöhleherausgemeitzelt. Immerhin darf ich mich jetzt seit einigen Tagen im Rollstuhl spazierenfahren lassen. In meiner linken besseren Hälfte sitzt noch (eingeheilt) ein Granatsplitter, der vielleicht auch noch heraus mutz Aber nichts desto trotz bin ich