KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 2 (November 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- Seite 309 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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309 13.11.14. Liebe Bundesbrüder! Bon der belgischfranzösischen Küste, um wir mit schweren Geschützen liegen, möchte ich Euch herzliche Grütze senden. Wir liegen hier seit einer Woche, eingebuddelt wie die Maulun'irse und warten aus die Engländer. Zu einem ernsten Kampfe ist es bisher noch nicht gekommen, Nur hier und da gibt eS ein paar Granaten oder Schrapnells. Leicht ist das Leben, das nur hier führen, gerade nicht. So ein Batteriebau ist ein verdammtes Stück Arbeit. Man bildet sich dabei zum perfekten Zimmermann, Telefonisten, Holzarbeiter »lnd vor allen Dingen zum Lastträger ans. Dazu gibt es viel Wache, jeden 4. Tag mit dazu gehöriger Stacht liege ich zur Geschützbereitschaft mtf Posten. Das hat bei den hiesigen Novembernebeln, Herbststürrnen trud der doch immerhin noch vorhandenen Franktireurgesahr seine eigenen Reize. Aber man weiß ja, wofür das alles getan wird, und deshalb tut nlan es mit Freude. Eilt netter Bekanntenkreis macht das Leben angenehmer. Er setzt sich aus zwei Münchener S. C. ern lRatisbonen), einem Marburger D. E. er und einem Heidelberger S. B. er zufamrnen. Ost haben ivir bei requiriertem Wein und Zigarren der herrlichen Univerfitätszeiten gedacht. Wie schön sie rvaren, und rvie viel uns die Verbindung ist, haben wir so recht erst jetzt begriffen. Euch l. Bbr. Bbr. möchte ich nun bitten, nrir Nachricht über den Lauf des jetzt ivohl .immerhin recht stark geänderten Berbindungsbetriebs zu geben. Wenn Ihr irgend etwas über die im Felde stehenden Bbr. erfahren habt, teilt ,nir es auch bitte rnit, mmt interessiert sich hier lebhaft für alles lmd freut sich königlich über jede Nachricht. Mache sich einer die Mühe, er ist eines herzlichsten Dankes gewiß. Nehmt nochmals atte herzliche Grütze von Euerem treuen Bundesbruder Kurt Meyer II. Zunl Schluß noch, Kinder, ein kräftiges, voll Herzen kouunendes vivat, crescat, floreat. Licaria! Bei Baccarat, 7.9.14. Sehr geehrter Herr Bundesbruder! Anbei kurze Schilderung der Erlebnisse des 2. Bat., 1. Jnf.-Reg. König: Aus München früh um 5 am 8. August abgefahren, stiegen um 7 früh am 9. in Saarburg aus. Vormarsch bis nach Frankreich hinein über Hattigny - Montreux - Sarux. Am 11. August bei den Höhen voll Baddvnviller kleineres Gefecht. Dan,l Rückmarsch nach Saarburg. Teilgenornmen an der Schlacht am 29.. Gefecht im Walde bei St. Polen am 23., dann bei Gelacvurt gerastet und bei der Kampfbereitschaft in der Nähe voll Dvmptail am 28. und folgenden Tagen starkes Geschützfeuer ausgehalten. Verbindung zivischen inir (7. Koinp.) und Meyersberg- Lic. (6. Komp.). Wann erscheint eine K. C.-Zeitung mit Kriegsadressen der Bundesbrüder etc.? Mit bdbr. Grutz Gerhart Müller (Bau. Lic.). Offenburg, 13. 9. 14. Lieber Herr Kartellbruder! . . Im übrigen wird es Sie vielleicht interessieren, daß ivir hier mit 8 K. C. ern bei verschiedenen Reginientern vertreten sind und K. C.-Abende abhalten. MitBundesgrutz Dr. Neugarten (Gh.) Rastatt. Konstallz, 25. 8. 14. Berbandsbrüderlichen Gruß zuvor! Unterfertigter gestattet sich einer verehrlichen K. C.-Nedaktion mitzuteilen, datz er sich als Freiwilliger iln 6 bad. Jnf.-Reg. Kaiser Friedrich Nr. 114 meldete. Auch ein alter Herr R.-A. Lev Rothschild fGhib. Spreu/», Familienvater, hat sich freiwillig für den Dienst gestellt. Heil und Sieg! Mit öeii besten Wünschen _Herbert Picard (Lic.) Vor Soissons, 30.10.14. Lieber Mainzer! Aus den, Felde sende ich Dir und allen Bundes- und Kartellbrüderrl in der Heimat herzlichsten Grutz. Es geht mir sehr gut. Ich bin Oberarzt im Brand. Jäger-Bat. 3. Gleichzeitig teile ich Dir mit, datz ich das Eiserne Kreuz erhalteil habe, ebenso rnein Bruder Alfred, der Assistenzarzt in einem bayr. Bataillon in den Vogesen ist. Herzlichst Dein Oskar Rosenberg. Fresnes, den 20.10. 14. Lieber Mailizer! Soeben habe ich Pvlziil getragen; er schreit und schimpft entsetzlich, ivenu das so rveiter geht, muß er mindestens 3 Ganze spinnen. Dafür will er mich langsamen Schritt machen lassen. Auf alle Fälle: uns beiden geht es glänzend. Was gibts in Frankfurt n. M.? Warum läßt Du absolut nichts von Dir hören'? Gruß an Dich, Deine Frau, Relly und alle dortigen K. C.er. Dein Siegfried Rosenthal. Auch ich fillde es unerhört, datz Du noch keinen K.,C.-Ausflug nach Paris veranstaltet hast. Also halte Dich daran, ehe Du zu spät konnnst. Inzwischen bestell Grutz fiir Dich nebst Gattin und Nelly Dein Lev Levy. Dortmund, den 15. Dez. 1914. Sehr geehrter Herr Kartellbruder! Es iväre mir erwünscht, wenn folgende Begebenheit sowohl als Zeichen echt kameradschaftlicher Gesinnulrg im K. C. als auch zur Ehre und zum Andenken an nuferen Kb. Rawack in den K. C.-Blättern wiedergegeben lvürde: Als sich ain Abend des 2. Oktober' 1914 das ll. Bataillon des Fiisilier-Regimens .. in der Richtung von Augustowv Nach Suwalki bewegte, erhielten wir ungefähr 7 km von der Stadt, aus einem Walde, feindliches Feuer. Die Russen hatten sich anscheinend verschanzt und lins aufgelauert. Die 5. Komp., der ich augehöre, trat mit einem Zuge zum Sturme an. Maschinengewehre, Geschütze und feindliche Gewehre rvaren in fieberhafter Tätigkeit, sodatz rvir nur schrver vorwärts kommen konnten. Der Führer unseres Zuges fiel. Mir zerschlugen Splitter eines Artilleriegeschosies meinen Tornister, rvährend mir eine Schrapnellkugel in die linke Brust drang. Durch die Wucht des Schlages fiel ich zu Boden, erholte inich aber bald und rief, da ich unmittelbar über dem Herzen getroffen und her Blutverlust sehr stark war, nach einem Sanitäter. Hilfe wurde mir jedoch nicht zu teil, auch gelang es ijlir trotz aller Mühe nicht, mich meines Gepäcks zu Entledigen. Immer neue Züge rvurden zum Sturme eingesetzt, und Hilfe wurde niir erst gebracht, als ich abermals rief. Ein Karnerad rnachte sich dann um mich zu schaffen, hielt nrich jedoch anscheinend für verloren. Ein anderer Kamerad lvar noch herbeigeeilt und rief inich beim Namen. Ich erkannte sogleich den Kb. Narvack. Er entledigte mich des Gepäcks, sowie der Kleider, und legte inir mitten irn Kugel- und Granatregen einen Notverband an. Mit diesem ging ich über Suwalki dann noch in derselben Nacht nach Philippowo, ca. 25 km, wo ich morgens um V2 4 Uhr anlangte. Nachdem ich bereits aus dem Wege der Besserung bin, ereilte mich erst die Kunde, datz mein l. Kb., Kollege und Kriegskamerad Rawack, gefalleil ist. Leider war es mir nicht vergönnt, ihnl in seiner Schicksalsstunde beizustehen. Allzukurz nur hat unsere Freundschaft gedauert. Nichts Schiimilles ahnend, lernten ivir ulls im Anfang 1914 in Berlin kennen, ohne zu lvissen, daß unsere Lebenswege für die Folgezeit so eng llliteinander verbunden sein sollten. Er war ein herzensguter Mensch, der sich durch seinen Frohsinn und seine Aufrichtigkeit schnell die Freundschaft seiner Bdbr. erwarb. Gewiffenhastigkeit und korrektes Benehlnen waren die Grundzüge seines Wesens. Wenn ihr»! für sein selbstloses, opferfreudiges Verhalten eine Anerkennung nicht zu teil geworden ist, so entspricht dies ganz seinem bescheidenen Charakter, der die mutige Tat nicht als Heldentat, sondern als eine Freundespflicht betrachtete. Mit tödlichen Grüßen ganz ergebenst Fritz Rothschild.