KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 2 (November 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- Seite 308 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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808 etwa 10 km nördlich Nvye an der Straße nach Peronne. , Mit den schönen Quartieren, die wir bisher gewohnt! waren, ist es ansinan ist froh, ivenn man den Raum überhaupt Heizen kann. Trotzdem geht es mir recht gnt. Wir sind hier als Armee-Reserve, llnsere Arbeit besteht hauptsächlich im Schanzen. Ich traf in St. Quentin Julias Bier, der freiw. Arzt im Bertragsverhältnis l übrigens eine Einrichtung, die wegen der hohen Gehälter der Herren viel böses Blut macht) und Grünewald, der als Arzt bei dem Franks. Landsturmbat. steht. Ich hörte, daß auch Her»«. Salomon und Dux dort ivaren, ohne sie aber erreichen zu können. Dux soll als freiwilliger Sanitäter eingetreten sein und ein Auto führen. > Herzliche Grüße Dein _ Karl Löwenstein. < Breslau, den 5. 8. 14. Lieber Kartellbruder! Ich i sitze lies traurig zu Hause! Mein Kommando als Bat -? Arzt im 1. Schles. Landsturm-Reg. ist einem Kollegen! gleichen Namens zugegangen, der nie Saldat war, aber! dem Befehl zu gehorchen zu müssen glaubte und nun j ins Feld ausgerückt ist. Alle meine Bemühungen, die > Rückberufung zu erlangen, scheiterten! So stehe ich in! den Akten als Kombattant! Schade! Weitere Dispositionen erivarte ich! Mit kartellbrüderlichem Gruß > vr. Löwisohn (Thur.).! Breslau, den 7.8. Lieber Kartellbruder! Der „falsche! Dimitri" kehrt zurück und ich gehe an die Grenze. Mit kartellbrüderlichem Gruß Dr. Löwisohn (Thur ) Bat.-Arzt. > 20. 0.14. Lieber Mainzer! Ich bin gerade noch in; der Fortsetzung meines Sounnerurlaubes begriffen. Z. Zt. bilde ich mich in der Chirugie aus. —. Hoffentlich geht alles weiter so gut wie bisher. Freuen würde ich mich, von Dir zu hören, evtl, einen Bericht über die noch im Felde Stehenden zu bekommen. Dir, Deiner Frau und allen Bbdr. u. Kb. Grüße Dein Oskar! May.;; Lille, 6. 11.14. Lieber aller Herr! Ich liege seit j einigen Tagen, durch einen Bajonettstich, den ich in der; fürchterlichen Schlacht bei Ipern (Belgien) erhielt, ganz! leicht verwundet, im hiesigen Kriegslazarett und werde, welch' ein Zufall, von einer Roten-Kreuz-Schwester aus Heidelberg, die mit unseren Couleurdamen eng befreundet ist, gepflegt. Eine köstliche Gelegenheit zum Austausch Heidelberger Erinnerungen! Nächste Woche kehre ich zum Regiment zurück. Warum hört man garnichts vom Verband'? Die letzten Kärnpfe hier oben rvaren schrecklich. Unsere Gegner sind Engländer, Franzosen und Indier. Jeder Zoll Boden ist mit Blut getränkt. Der Plan der Armeeleitung ist rvohl, den Gegner zwischen Calais und Dünkirchen ins Meer zu lverfen. Das lväre dann wohl die Entscheidung. Es geht vorwärts! Herzliche Grütze für Dich und Deine werte Frau Tein __ Fritz Mayer. j M. . . ., 21.12.14. Mein I. A.H. Mainzer! Ich! kann Dir gar nicht ausdrücken, wie sehr ich mich mit I Deinen beiden Karten gefreut habe, zeigten sie mir doch, daß wir jungen K. C. er in gutern Gedenken bei Euch zu ' taufe sind. Und denke Dir nur, zugleich mit Deinen! arten traf von daheinr nach 6 wöchentlichem Unterwegs- * sein mein geliebtes Couleurband ein, das ich seitdem als! Talisman trage. Führt es mir doch jeden Augenblick vor Augen, was gerade uns junge deutsche Juden in diesem furchtbaren und aufreibenden Kampf stark und froh machen soll Ich bin glücklich, nun im blutigen Ernste für die heilige Wahrheit unserer Idee zeugen zu dürfen, und stärker als je lodert in uns die Liebe zum deutschen Vaterland. Daß leider Gottes in der Heimat die ehrlosen Stimmen der Verleumdung noch nicht verstummt sind, vermag uns nicht zu entnuttigen. Nur traurig, furchtbar traurig macht uns dies. Was »vollen sie denn mehr als unser Blut? — Mögen sie doch an den» vergoffeneli unserer Glaubensbrüder weitere Ragenstudien treiben! — Die feindlichen Kugeln machen sich mit solcher Unterscheidung keine Mühe. Gott sei Dank! Aber fort mit bitteren Gedanken. „Ich stritt aus Haß der Städter und nicht um Eueren Dank." Weißt Du, ivas ich an der» Abend tat, an den» Deine Karten einlrasen? Wir linnen da eben in Eomines zur Rast. Ich nahm unseren Offizierstellvertreter und einige andere „akademische" Kameraden, zog mit ihnen in eine Kneipe und bald erklangen begeisterter als selbst im geliebten Heidelberg die .Klange, welche unsere Herzen immer und immer wieder erglühen lasten, in flammender Jugendlust. „Die Lindenwirtin", der „Brandsiichs noch an Jahren", die „Filia hospitalis" und all die anderen lieben Gestalten studentischen Singsangs gaben sich ein Rendezvous, und dazwischen hinein brüllte ich alles herunter, was je zum Lob und Preis Alt-Heidelbergs gesungen wurde, bis mir die Kehle brannte. 3 Stunden nachher gings wieder hinaus dem Tod entgegen. Was willst Du? C’est la gnerre. Hier, hier draußen lernst Du so recht den Sinn des trällernden „Was die Welt morgen bringt..." Wir haben keine leichte Zeit hinter uns. Seit 31. Oktober schlagen wir uns hier bei Ipern herum, bis zum 15. November in fortgesetzten Sturmangriffen und Waldgefechten bei dem Dörfchen Wytschaete; seitdem liegen wir im Schützengraben bei Mefsines. Das Wetter ist einfach scheußlich. Es regnet fortgesetzt, und da der Lehmboden all die Feuchtigkeit nicht mehr fassen kann, so stehen die Schützengräben voll Wasser und der Aufenthalt darin gehört nicht zu den größten Annehmlichkeiten des Lebens. Aber man erträgt freudig die Strapazen dieses „Maulwurfskriegs", wenn man angesichts des Bildes ungeheurer Verivüstung, das dieses Land bietet, Gott dankt, daß all dieses Elend unserem Vaterlande erspart blieb. Denn man lernt hier draußen auch wieder einem Herrgott danken. Na, hoffentlich gehts jetzt, wenn wir Verstärkungen aus dem Osten und die große Zahl unserer neu ausgebildeten Rekruten hierher bekommen, auch wieder vorwärts. Dann wollen wir bald reinen Tisch gemacht haben. Vorläufig aber müssen wir uns eben hier noch in Geduld fassen. Und so liegen wir in unseren Lehmlöchern und warten auf einen täglich angekündigten Angriff der Gegner, die noch einen letzten verzweifelten Versuch machen wollen, unseren eisernen Ring zu durchbrechen. Gelingen wirds ihnen allerdings nicht. Aber ich glaube, es wird blutige Weihnachten hier oben geben. Meine erste Verwundung, die ich am 3. Noveniber bei Wytschaete erhielt, brachte mich nur für einige Tage ins Kriegslazarett von Lille- und denke Dir nur, ich wurde dort sogar von einer Heidelberger Schwester, einer Freundin unserer Couleurdamen, gepflegt. Kann man sichs besser ivünschen? Bon einer zweiten Verwundung weiß ich nichts und begreife nicht, wie ein solches Gerücht auftanchen konnte. Für Deine Bereitwilligkeit, mir die Frankfurter Zeitung zu verehren, herzlichen Dank. Ich nehme mit tausend Freuden an. Ebenso im voraus besten Dank für Dein angekündigtes Schokoladenpaket. Hab noch herzliche Grüße und die besten Neujahrswünsche für Dich und Deine werte Frau Gemahlin und Dein Töchterlein und schreib recht bald wieder. Dein treuer Fritz Mayer. Ilm 16.11.14. Lieber Kartellbruder Mainzer! Eben höre ich von meinem alten Herrn, daß Du noch in Frankfurt steckst, während ich schon den ganzen dortigen K. C. beim Männermorden, bezw. -Heilen glaubte. So grüße ich Dich denn und in Dir alle Bundesbrüder und Kartellbruder, aus den Vogesenbergen, die jetzt oben aus Schnee und unten aus Dreck bestehen. Wir warten hier auch auf den Fall von Verdun und glauben, schon sehr bald im Westen endgültig fertig zu sein. Heil und Sieg Dein Heiner Mayer.