KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 2 (November 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- Seite 307 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2268830-2268887-2268890--1343-2270509- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
307 schweren Kärnpse und die vielen siegreichen Gefechte mi den Grenzen, die dieses Armeekorps hauptsächlich geschlagen, sind übermäßig und einzig dastehend, und wer diesen Kampf gegen eine ungeheuere Uebermacht gesehen hat lind die Selbstverständlichkeit, die Angriff u»ld Sieg als gleichbedeutend erscheinen läßt, den» rvird der Glaube an unsere Superiorität felsenfest. Noch eine mir selbst merkwürdige Beobachtung a»l mir selbst: Ich habe öfter eine Stimmung wie Heinnveh, aber nicht nach Berlin, 1 sondern allgemeiner »lach der verfloffenen Studentenzeit mH allen noch so geringen Einzelheiten. Und da taucht besonders Darmstadt häufig auf, ein eleganter Jüngling mit einem Einglas, Parade, der alte Hofmann, die Kneipe, lustige Brüder auf der Waldstraße, Lehner, Cafe Ernst Ludwig und der Skat, die Ausstellung, Mensur — ein Kaleidoskop. Die Gegenwart: Ein Mann, der wochenlang keine Wäsche wechselt, monatelang in Kleidern schläft, und zwar, wo er sich gerade hinwirft, an persönlicher Bedeutung eine Null, Gesellschaft: namenlose Leute, deren Gegenwart inan nur kennt, größtes Vergnügen: Effen und Schlafen. Aber in dieser Primitivität des Daseins bekommt man erst wieder einen Matzstab für das, was einem selbstverständlich war. Ein tvahrhaft naives Genießen kleiner Freuden, Wertschätzung jeder Kulturerscheinung, und dann die große „Wurschtigkeit": Man kann eben in jeder Lebenslage existieren. Sollte man mal gesund zurückkonrmen, ein Fond für ein zufriedenes Dasein. — Glaube übrigens nicht nach dem Ernst dieser Zeilen, daß ich sauertöpfig geworden sei. Wir sind im Gegenteil meistens recht vergnügt und halten die gute Laune oben. Aber eine Reflexion über den gegenwärtigen Zustand, einem Unparteiischen gegenüber hat ihren Reiz. — Etwas, was Dich vielleicht interessiert: Hier im Orte liegen Arbeiter und Techniker von der „Armierung". Die Techniker, z. T. 2. Semester von der Baugewerkschule, die 15 M. pro Tag und freie Station nebst Beköstigung, erhalten, der leitende Dipl.- Jng. 750 M. pro Monat bei freier Station rc. — Nun zum Schluß noch etwas über die Verbindung. Daß ivir nun doch suspendiert haben, kann uns in diesem Falle nicht betrüben. Eine Verbindung, die zumacht, weil ihre junge Aktivitas im Felde steht, ist in Wahrheit eine nationale. Das ist eine Suspension getreu unserer Tendenz. Hoffentlich wird das alte Banner bald wieder wehen. Dann hoffentlich auf ein freudiges Wiedersehen. Mit Brudergruß Dein Alfred Kray. Bellheim, 25. 10. 14. K. C-Blätter! Drei K. C.- Fußer senden herzliche Grüße, feuchtfröhlich und treu, ör. Laupheimer (Lieariae) A. H., Arthur Neichenberger (Ghibell., Saxobav.), Gottfr. Thoma, Unteroff. (C. D. Sie.), Jak. Ofner (gewesener Keilfuchs). Raucourt, 16. 12. 14 Lieber Herr Kbr.! Gestern einpfing ich über Bellheim meine K. C.-Nummer, die hier draußen besondere Freude macht. Ich bin nun die 4. Woche im Feld und habe schon hübsch mitgemacht. Hier in der Nähe liegen Bbdr. l)r. Wallersteiner und Dr. Fritz Loeb. Letzteren habe schon getroffen, die Freude mar beiderseits rtesig. Gruß an alle Kbr. Kbr., Bdr. 8dr., besonders an Sie, von Ihrem Kbr. _ Dr. Laupheimer. Luneville, 1.9.14. Lieber Kartellbruder! Heute erst erhalte ich Deinen Aufruf zur Adreffenmitteilung nachlesandt und komme ihnr gehorsamst nach. Bisher geht :s mir Gott sei Dank gut, und einen Schrapnellsplitter,?er sich auf meinem Arm einzunisten suchte, hat das myr. Militärtuch siegreich abgewehrt. Wie ich vom hiesigen Telegraphisten höre, steckt Dein Bruder auch in der llähe; vielleicht trifft man sich einmal! Mit bestem Gruß Leo Levy lBad.) Bereinigung kriegführender K.C. er von der VI. Arinee. Biache, den 19.12.14. Lieber Mainzer! Von der K.C.- (Kriegs-Channkah)-Zusammenkunft der Unterzeichneten K.C.er die Mitteilung, daß ivir beschlossen haben, iu Douai eine Verbindung aufzumachen. Wir bitten um das nötige Bier. Viele Grüße Dein Leo Levy iBad.l. Kartellbrüderlichen Gruß I. Kaumheimer.Lic.). Herzlichen Gruß Adolf Blumenthal als O.V.G. Herzlichen Gruß Eisenmann (Lic.). Herzlichen Gruß Siegfried Bernhard (Spr.). Herzlichen Gruß Siegfried Rosenthal I (Bad.). Fcldunterarzt Wassermann (Äc.) fehlt wegen Unabkömmlichkeit im Schiitzengraben. Läon, 19. 9. 14. Lieber Löwenstein! Ich bin nun schon dreitnal leicht verwundet, aber durch mein dickes Fell geht nichts durch. Morgen geht es wieder in die Front. Viele Grütze an die Verbandsbrüder Dein vr. Levy tRh. S., Spreviae). Frankreich, 22.10.14. Lieber Löwenstein! Woraus zu ersehen, daß frisch Gemüse nicht verdirbt. Ich lebe noch und ivürde mich freuen, einmal eine der in der Augustnumnrer angekündigten Kriegsausgaben der K.C.- Zeitung zu Gesicht zu bekommen. Inzwischen die herzlichsten Grüße Dein I)r. Levy (Rhenos, Spr.! . Blancy, den 25. September 14. Lieber Mainzer! Gestern erhielt ich Deine l. Zeilen vonr 27.8., mit denen ich mich sehr gefreut habe. Mir geht es dauernd ausgezeichnet; der dauernde Aufenthalt in guter Landluft bekommt mir ausgezeichnet, besonders, da mir an Verpflegung nichts abgeht; ich bin offiziell stets am Offizierstisch. Ich hoffe, in der Sommerfrische meine Nervosität gqnz loszuwerden. Wir haben noch immer Etappendienst, hauptsächlich Wachen. Allerdings liegen wir seit 3 Wochen an der Aisne, direkt hinter der Front. Als unsere Truppen neulich zurückgenommen wurden, haben wir sogar als die letzten die Brücken gesperrt; ich selbst hqbe die Nachspitze geführt, als schon das ganze Gebiet vqll von französischer Kavallerie war. Wir hatten recht interessante Zusammenstöße, ivobei mein Verhalten viel Anerkennung fand. Bon K. C.ern habe in der letzten Zeit niemand mehr gesehen; nur Rosenthal-Duisburg hat wenigstens Offizieren meines Regiments Grüße für mich auftragen lassen. Deine Absicht, eine Adreffenliste herauszugeben, begrüße ich sehr, dadurch rvird wohl Gelegenheit geboten, viele Kartellbrüder aufzusuchen. Was gibt es Neues? Schreibe mir bitte recht bald, wie es den Kartellbrüdern im Felde geht. Hast Du viel Arbeit? Ich freue rnich sehr, daß ich mit ausgerückt bin; zu Hause hätte ich es sicherlich nicht ausgehalten. Ich füge Dir einige Karten bei, die mir hierher nachgesandt wurden, obgleich sie wohl gleichzeitig für die K. C.-Blätter bestimmt waren. Mit'herzlichen Grüßen Dein Karl Löwenstein. . Blancy, 7.10.14. Lieber Mainzer! Bisher ist mir der Krieg ausgezeichnet bekommen; die nicht allzu großen Strapazen des Etappendienstes haben mir garnichts geschadet. Vorgestern traf ich Rosenthal-Duisburg, der Vizefeldwebel (Off.-Diensttuer) beim Train ist.' Ich traf ihn wohlauf. Dagegen erzählt er mir, daß mein Lbf. Ernst Hermann (Rhenos., Ghib.) aus Duisburg, der als Arzt dient, beim Verbinden eines auf dem Schlachtfelde liegenden Turkos von diesem meuchlings erschossen wurde. Auch Heimanns Bruder soll schwer verwundet worden sein. Mit herzlichen Grützen Dein . Karl Löwenstein. Liancourt, den 15. Nov. 14. Lieber Mainzer! Ich bin schon seit längerer Zeit zum Eisernen Kreuz vorgeschlagen, doch ist die Erledigung, die bei den Etappentrüppen recht langsam geht, noch nicht erfolgt. Ich liege augenblicklich unmittelbar hinter der Front in Liancvllrt, einem furchtbar zusammengeschoyenen Dorf,