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KC-Blätter · 1914-11-01 · Heft 2 (November 1914) · p. Seite 302

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 2 (November 1914)
Date
1914-11-01
Page
Seite 302 (sequence 24)
Language
German
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302 gedient hatte, im Wintersemester 1899/1900 die Leitung der Verbindung. Holländer hat ihn einnml, zur Zeit meiner Aktivität, den tüchtigsten Erstchargierten genannt, den die Verbindung gehabt habe. 1902' wurde er Neserendar. Am Ende dieses Jahres gründete er mit mir den Stuttgarter Licnrenstammtisch, der inzwischen zu einem beträchtlichen K. C.-Stammtisch gedieh. An den wöchentlichen Zusammenkünften fehlte er fast nie. Er bewahrte für die Interessen und die Entwicklnng des K.C. stets lebendige Teilnahme. Er i freute sich, bei Stiftungsfesten und K. C.-Zu-! sammenkünften alte Freunde zu sehen, aber auch mit Rat und Tat stand er jederzeit für die K.C.- Sache ein als echter Schwabe in der uns eigenen, im übrigen Deutschland nicht immer ganz verstandenen Art. So »var Ludwig Weil. j Bor seinem Ausmarsch weilte er nochmals! an unserm K. C.-Tisch. Und dann verabschiedete! er sich von uns, schweren Herzens, rasch, wie! wenn er nicht dem Gedanken Zeit lassen wollte,! es möchte der letzte Handschlag sein. — Am 13. September begrub man ihn in der heimatlichen Erde, erst 35 Jahre alt, tief beklagt. Seine Verbindung übersandte ihm durch drei Vertreter die letzten Grüße. Stuttgart. Lepman (Licariae^ vr. Erich Rahn (Badeniae-Bavariae, Rhenvsilesiae). An» 16. September ist bei Souain unser lieber Nundesbruder und Kartellbruder Referendar Dr. Erich Kahn aus Cöln im Kampf für des Vaterlandes Größe gefallen. Besser als jeder Nachruf mag den uns entrissenen jungen Freund nachfolgendes Schreiben unseres Kartellbruders Dr. Adolf Alsberg kennzeichnen. Marvaux (Dep. Ardennes), Frankr., den 18. September 1914. Lieber Karl Löwenstein! Unser -1. Bundesbruder Erich Kahn aus Cöln ist am 16. September 1914 den Heldentod fürs Vaterland gestorben. Ueber seinen Tod will ich Dir folgende Einzelheiten berichten. Erich Kahn stand als Einj.-Unteroffz. bei der 9. Komp, i Inf.-Regt. 161. Beim 3. Bai. des Regiments führe ich! die grotze Bagage. Am 14. September stieß Kahn, der j bis dahin bei der Truppe gewesen war, zur Bagage, j weil er sich eine Futzgelenkentzündung zugezogen hatte! und daher nicht zu Fuß gehen konnte. Ich hatte Kahn ' zuerst gar nicht bemerkt, bis ich auf einmal den K C-! Pfin horte. Ich ritt in der Richtung des Pfiffes und j sah unsere Bundesbrüder vr. Jakob») und Kahn. Kahn i sagte mir, er habe mir gepfiffen und Jakoby, der zu-! fällig mit einer ganz anderen Truppe vorbeigeritten sei, , habe den Pfiff gehört. Wir scherzten noch über dieses ’• merkwürdige Zusammentreffen dreier K.C.er auf der Landstraße. Ueberhaupt war Kahn, trotz des Unbehagens, das ihnt sein verletzter Fuß bereitete, in bester Stimmung. Er sagte mir auch gleich, er habe gar keine Lust, bei der Bagage „herumzubmnmeln", er wolle ivieder in die Front. Am anderen Morgen begab er sich in das hiesige Feldlazarett, um sich untersuchen zu lassen. Bon de,u Stabsarzt ivnrde ihm bedeutet, er solle sich noch schonen und vorläufig bei der Bagage bleiben. Kahn teilte mir und deilt Führer des Wagens, auf dem er fuhr, mit, daß der Arzt ihn noch nicht zur Front gehen lassen wolle. Er meinte aber, es könne doch seinem Fuße nichts schaden, da seine Kompagnie sich in Schützengräben befinde und daher nicht zu laufen brauche. Sowohl der Führer des Wagens, ein gewisser Jakob Kurt aus Cöln, übrigens ein Nachbar von Kahn, als auch ich stellten ihm mehrere Male vor, er solle doch bis zur Heilung des Fußes Zurückbleiben, da es doch sehr wohl möglich sei, daß die Koinpagnie die Schützengräben verlasse und er dann nicht mitkönne. Sein Eifer, wieder zu den kämpfenden Kameraden zu koinmen, war aber so groß, daß er sich nicht raten ließ. Als am 16. September einer unserer Wagen zur Truppe fuhr, uin Lebensmittel dort abzuladen, schloß er sich an. Am Nachmittag stieß unser Wagen auf die Gefechtsbagage und Kahn begab sich zur Feldküche, um mit dieser an die Front zu gehen. Bevor er seine Kameraden, die bei Souain auf freiem Felde im Schützengraben lagen, erreichte, wurde er zugleich mit mehreren Kameraden von einer feindlichen Granate getroffen und tödlich verletzt. Der Tod ist sofort eingetreten. Sein tapferes Verhalten und sein jäher Heimgang hat hier bei allen Kameraden tiefes Mitgefühl erweckt. Daß mir, der ich gerade im Feldzug ost Gelegenheit hatte, sein braves und offenes Wesen zu schätzen, der Tod Kahn's besonders nahe gegangen ist, brauche ich Dir kauin zu sagen. Aber wir K.C.er dürfen auch stolz darauf sein, einen solch pflichtgetreuen und tapferen Soldaten in unseren Reihen gehabt zu haben. Halten »vir sein Andenken in hohen Ehren! Mir geht es gut, dasselbe hoffe ich von Dir! Bundesbrüderlichen Gruß Dein Adolf Alsberg. Wer Erich Kahn gekannt hat, wird ihn in Alsbergs frischer, unter dem unmittelbaren Eindruck des traurigen Ereignisses gegebenen Schilderung ganz so leben und' handeln sehen, wie er cs alle Zeit getan hat: schneidig und energisch, mannhaft pflichtbewußt, das war Erich Kahn. Aber er »var mehr und vor allem uns mehr. Ihm war in nicht gewöhnlichem Maße eigen rheinischer Humor und eine Liebenswürdigkeit des Wesens, die ihm überall, wo er tätig war, Beliebtheit und Freundschaft schuf. Im Sommersemester 1910 kam er, der jüngere Bruder unseres Bundesbruders Assessor Dr. Robert Kahn, nach Bonn zur Rhenosilesia, ging dann in seinem 2. Semester nach Heidelberg, wo er Dank seiner Intelligenz und seinem frischen Wesen im folgendem, seinem 3. Studiensemester, zum ersten Chargierten der Verbindung gewählt wurde. Die Frucht seiner Arbeit war nicht zum wenigsten der große Ausschwung, den unter seiner Leitung die Mitgliederzahl der Bavaria nahm- 15 krasse

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