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KC-Blätter · 1914-11-01 · Heft 2 (November 1914) · p. Seite 301

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 2 (November 1914)
Date
1914-11-01
Page
Seite 301 (sequence 23)
Language
German
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301 Fritz Rosenthal (Stearine). Fritz Rosenthal — der zweite Freund, den mir dieser Krieg geraubt; der erste ein lieber alter Schulkamerad, nun er — der „Tip". Zwar verbindet mich mit ihnt nicht die Erinnerung an die gemeinsame Aktivität, »vir haben lins erst viel später kennen gelernt, als wir längst sogenannte alte Herren waren, ich Rechtspraktikant unb er, der ausgesprungene Jurist, neugebackener stuck, phil. Ein Winter- und ein Sommersemester hat uns so manchesmal in München fröhlich vereint. Dann ging er fort nach Heidelberg! die Korrespondenz, von jeher meine schwache Seite, schlief gar bald ein, im letzten Jahre habe ich nichts mehr von ihm gehört. Und seltsam: Einen Tag, bevor ich seinen Tod erfuhr, hielt ich Umschau unter meinen Büchern, da fiel mir ein schmucker Band in die Hände, den er mir einst verehrt: „Wahre Freundschaft ist selten" - war auf der ersten Seite von seiner Hand geschrieben - „wird sie dir entgegengebracht, stürme nicht achtlos daran vorbei"! Da stand er auf einmal wieder vor mir, der liebe, große Kerl mit seinem Mephisto-Gesicht, der tvahre Freund, der gute Mensch, an dem so viele, an dem vielleicht wir alle ein wenig vorbeigestürmt sind. Heute, da er nicht mehr unter uns weilt, werden wir inne, was wir an ihm gehabt. Zu beklagen sind rv ir, weil rvir einen unserer Besten verloren, nicht er. Wenn es so oft in seinem Leben schien, als sollte er den rechten Weg nicht finden — ein gütiges Schicksal hat es anders gefügt: Er, dessen Herz so rasch für alles Gute und Große erglühte, durfte sich mit feiner ganzen Kraft noch einsetzen für das Größte, was wir kennen, durfte den schönsten Tod sterben, den Tod fürs Vaterland! Dr. Fritz Wahlhaus tSiearine). Ludwig weil (Stearine). Am 8. September siel in den Vogesen unser lieber Ludwig Weil, einer der ersten K. C.er und sicherlich einer der besten. Er rückte am 6. Mobilmachungstage als Vizetvachtmeister im Feldartillerie-Regiment Nr. 13 zu seiner Truppe und stand zunächst einige Wochen in Ulm, kam dann ins Elsaß und war seit dem Einmarsch in Laveline Anfang September täglich im Gefecht. Am 8. September wurde die Batterie, > in der er einen Zug fiihrte, bei La Croix weit vorgeschoben) bevor sie noch zürn Schuß kam, platzten die feindlichen Granaten. Schon die zweite verletzte Weil so schwer, daß er noch am selben Tag verschied. Ludtvig Weil gehört zu den Menschen, die man untsontehr schätzt, je näher man ihnen tritt. Es lag nicht in seiner Natur, mit großen äußeren Mitteln Wirkungen zu schaffen. DieMerkmale seines Wesens ivaren "Ruhe, Zurückhaltung, Abneigung gegen Pose und Bombasntus. Und da sich sein Wesen nie anders ttttßerte wie es tvar, so mußte es der Wert seiner Persönlichkeit sein, tvenn es ihm vergönnt tvar, in seinent Berufe hohe Anerkennttng und Erfolge, bei seinen Freunden Treue und Liebe zu finden, bei Allen aber Vertrauen. Das wurde allgemein offenbar, als vor fast zwei Jahren Weil das Amt eines Staatsanwalts bei dem Kgl. Landgericht in Stuttgart übertragen wurde, für Württemberg eine neue und für den eigenartig im Lande herrschenden Beamtengeist nicht ganz gewöhnliche Erscheinung. Weil war nun nicht etwa durch eine ganz besondere Beredsamkeit ausgezeichnet. Was seiner Rede die Bedeutung verlieh, war der klare Scharfsinn seiner Darlegung, die Sorgfalt seiner Beweisführung und der sittliche Ernst seines Vortrags. Im vergangenen Gerichtsjahre hatte in einer Reihe der schwersten Fälle er die Anklage vordem Schwurgericht zu vertreten mit Erfolgen, die ihm die beste Laufbahn in Aussicht stellten. Seinem Geist war eigen, rasch die Flucht der Erscheinungen zu bannen und zu ordnen, und so besaß er die wichtigste Voraussetzung des tüchtigen Juristen. Dazu besaß er einen praktischen Blick und rasche Entschlußfähigkeit, tvenn es galt zu handeln, was ihn gerviß auch zu einem befähigten militärischen Führer gemacht hat. Für den Fernerstehenden mochten hinter seinen intellektuellen Eigenschaften die Ättßerungen seines Gesühllebens zttrücktreten. Aber tvem es beschieden war, in langen Jahren im engen Kreis oder mit ihm allein Stunden zu verbringen, wußte, daß das nicht dem Mangel an Gemütsempsindungen entsprang, sondern jener Sprödheit, die so oft gerade die zarten Naturen umgibt. Seine unbedingte Zuverlässigkeit, seine Ehrlichkeit, sein stets bereiter, kluger, besonnener Rat sind, ein unvergeßlicher Verlust für seine Freunde. Und wie luftig konnte er sein und tvie gerne war er in nnserem Kreise lustig! Wie strahlte er vor Freude, tvenn er in den letztett Monaten von den kleinen Fortschritten seines kaum dreiviertel Jahre alten Buben erzählte, wie glücklich tvar er in seiner jungen Ehe. In die Licaria rrat Weil in seinent ersten Semester int Herbst 1897, wurde am 23.Mai 1898 rezipiert und übernahm, nachdem er 1898/99

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