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KC-Blätter · 1914-11-01 · Heft 2 (November 1914) · p. Seite 300

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 2 (November 1914)
Date
1914-11-01
Page
Seite 300 (sequence 22)
Language
German
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300 in der Vorbereitung zum Staatsexamen — stets bereit, für die Verbindung einzuspringen, wo immer es galt. Als die Bavaria Couleur aufsetzte, meldete er sich sofort aktiv. Ja sogar, als es zwei Semester später der Verbindung bei einer Suite an Burschen mangelte, holte er seinen kampfgewohnten Schläger hervor und — der Unparteiische konnte nuf Gegenseite Abfuhr konstatieren. Unser Bundesbruder freute sich in der Korporation nicht nur des studentischen Treibens, sondern legte großen Wert auf die Erziehung des Nachwuchses zu selbstbewußten, vaterländisch empfindenden Juden. Nicht im großen Kreise mit der Gewalt der Rede wirkte er für dieses Ziel, das lag seinen: schlichten und zurückhaltenden Wesen fern; über im C'inzelgespräch,da brach sein deutsches Fühlen und Denken hervor, seine Liebe zum Vaterland und der Schmerz darüber, von diesem als Stiefsohn beiseite geschoben zu werden. Oppenheimer vernachlässigte bei seiner Betätigung als K. C.er sein Studium nicht, im Gegenteil,' er war der Fleißigsten einer. Der Erfolg blieb nicht aus) im Frühjahr 1912 bestander unter den Besten nach dem vorgeschriebenen neunsemestrigen Studium das philologische Staatsexamen'in Baden. Aber auch jetzt gönnte er sich keine Ruhepause. Kaum von Karlsruhe aus dem Examen zurückgekehrt, ließ er sich eine mineralogische Doktorarbeit geben. Fast noch häufiger als früher konnte man ihn jetzt schaffend im Laboratorium finden, und oft bin ich neben ihm gesessen und habe dem Polieren und Messen der Steine zugesehen, ohne den Sinn dieser komplizierten Arbeiten zu verstehen. Im Sommer 1913 wurde die Dissertation von der Fakultät angenommen und im Oktober - einige Wochen nach seineil: Eintritt als Einjahrig-Freiwilliger ins Heer - bestand er seine Doktorprüfung magna cum laude. Kurz nach Kriegsausbruch erschien feine vielgelobte Arbeit in einer sachwissenschaftlichen Zeitschrift. Bereits im Sommer 1912 erhielt er an der Heidelberger Töchterschule die Vertretung eines erkrankten Lehrers und versah dessen Dienst viele Monate. Von seiner Tüchtigkeit zeugt ein ehrenvoller öffentlicher Nachruf der Direktion, von seiner Beliebtheit die vielen, teils anonymen, teils Unterzeichneten Kartengrüße, die seine holde Mädchenschar ihm sandte und die er dem Freunde halb stolz, halb schüchtern lächelnd zeigte. Vor: dieser Vertretung hinweg ries ihn die vaterländische Pflicht unter die Fahne. Er hätte gerne in Bayern gedient, »veil er dort hoffen konnte, auch als Jude sich das Reserveosfizierspatent zu erkämpfen. Der Wunsch der Eltern ließ ihn in der Nähe der Heimat bleiben und aus seine Pläne verzichten. Er trat ins 81. Infanterieregiment in Frankfurt ein. Der schneidige Student verlengnete sich nicht in den: Soldatener wurde der beste Turner der Kompagnie. Kurz vor den: Ausrücken ins Feld erhielt er die Schützenschnur und wurde zum Unteroffizier befördert. Oppenheimer hat gerade bei::: Militär, wo die Gleichberechtigung der Inden am wenigsten fortgeschritten war, durch sein Auftreten sich Achtung zu verschaffen gewußt und dadurch an seinem Platze für unsere Ziele Bedeutendes geleistet. Unser Bundesbruder lvar ein schlichter, offener und bescheidener Mensch. Jedes Großtun war ihn: fremd. Lieber als daß er sich irgendwie vordrängte, ließ er andern den Vorrang. Er war der beste Kamerad, den man sich denken kann. Sein Letztes teilte er mit den: Freunde. Wer ihn nn: Rat oder Hilfe bat, der konnte versichert sein, daß er ihn: beistand, soviel es in seinen Kräften lag. Unser Wahlsprnch .»amico pectus« war ihm fein leeres Wort, sondern tief innerliches Empfinden. Der Grundzug seines Wesens aber, der schon in seiner Studentenzeit unter der fröhlichen Oberfläche hindurchbrach, war sein eisernes Pflichtgefühl und sein tiefer, sittlicher Ernst. Er ließ sich durch keine Aeußerlichkeiten blenden, sondern beurteilte jeden nach seinem inner:: Wert. In seinen kurzen Erdentagen blieb ihm eine Enttäuschung nicht erspart. Sein ernstes Gemüt fand nur eine Jugendliebe und von der trennte ihn ein hartes Schicksal. Er ließ den Kopf dann nicht hängen, kein Fremder konnte ihm Trauer vom Gesicht lesennur gute Freunde wußten, warum das Lächeln in seinen Mienen seltener geworden war. Als es zum Kriege kam, da brauste unser Freund nicht auf wie junger Mostder war längst zu einen: guten, klaren Wein vergoren. Oppenheimer ging in den Kampf als einer, der weiß, was er zu verlieren hat, der weiß, daß er abschließen muß mit einen: Leben voll stolzer Hoffnungen und Pläne. Eine ahnungsvolle Todesstimmung lag beim Abschied über ihm. Aber jedes weichere Empfinden wurde besiegt von seinem starken Pflichtgefühl und von dem festen Entschluß, nunmehr durch die Tat einzutreten für die Ideale des K.C., zu zeigen, daß jeder deutsche Jude sein Vaterland glühend liebt und zu zeigen, daß wir Juden zu sterben wissen wie Helden. Wir haben nicht erfahren, wie Oppenheimer seine Todeswunde entpfing, aber jeder, der ihn kannte, weiß, daß seine Stirne nach Westen gekehrt war, gegen den Feind und daß er starb wie er gelebt: als tapfrer Student, guter Jude und voll Liebe zun: Vaterland. Wir aber denken voll Trauer, daß der Krieg die Besten verschlingt, und neigen schmerzvoll unser Haupt vor diesen: stolzen Baum, den das Schicksal mitten in der Blüte knickte. vr. Weißmann-Heidelberg, (Badeniae-Bavariae).

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