KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 2 (November 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- Seite 299 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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299 später — als ob nichts geschehen wäre — ihn grüßen wollte, glatt ignoriert habe. Zum großen Kommerse in Frankfurt hatte er sein Erscheinen fest zugesagt/ dringende parlamentarische Arbeiten verhinderten ihn in letzter Stunde. Für die Schlußkneipe der Bavaria in diesem Sommer hatten wir uns vollzähligen Besuch vorgenommen, dieZuspitzung der politischen Ereignisse in den letzten Julitagen machten ihm den Äesuch der Kneipe natürlich unmöglich. Ludwig Frank war die Zierde unseres von K. C.-ern begründeten Freundestisches. An allen dort natur- ' emäß zur Sprache gebrachten Ereignissen inneralb des K. C. nahm er regsten Anteil. So trauert der K. C. um einen seiner besten Freunde und Gesinnungsgenossen, das deutsche Judentum um einen seiner besten Söhne! Vr. Leopold Oppenheimer (Badeniae-Bavariae). Ich halt' einen Kameraden, einen bessern find'st Du nit. Der große Krieg macht auch uns Zurückbleibende hart und steinern. Aber manchmal zersprengt die warme Lohe des Gefühls den harten Panzer, den wir um unser Herz gelegt, und das tiefe Weh zerbricht alle Schranken. In Heidelberg auf der Hauptstraße ist cs. Eine Menschenmenge umdrängt des Photographen Kögel Schaufenster. Bilder alter buntbemützter Heidelberger Korporationsstudenten leuchten auf, umrahmt von den deutschen Farben und geschmückt mit Lorbeer. Unter ihnen, zwischen zwei jüngeren Bundesbrüdern, auf dem ernsten Haupt die Bavarencouleur und um die Brust die geliebten Farben violett-weiß-orange, sehe ich den Freund meiner frohesten Studententage, Leopold Oppenheimer. Unter den Bildern aber steht: „Gefallene Krieger." Nicht wie ein Blitzschlag traf uns die Trauerbotschaft, langsam und schleichend wie ein Gift fraß sich die Sorge um ihn in unsere Herzen. Nach der Schlacht von Bertrix am 22. August war es, wo die Frankfurter 81 er die Feuertaufe empfingen und unter feindlichem Artiüeriefeuer einen dichten Wald von den Franzosen säuberten, da schrieb uns sein Kompagniegenosse und Freund Wolf (Viadrinae-Darmstadt), Oppenheimer sei vermißt. Nun bangten wir um ihn gewiß, aber an seinen Tod mochten wir nicht glauben. Wie viele Krieger liegen in deutschen und feindlichen Lazaretten und können nicht schreiben. Die amtliche Verlustliste gab keine Auskunft; sie bestätigte nur des Freundes Schreiben. — Lange Wochen des Hangens und Höffens vergehen, dann kommt traurige Gewißheit. Ein Sanitätsgefreiter des 81. Regiments, der aus dem Felde heimkehrte, berichtete, er habe Oppenheimer nach der Schlacht von Bertrix durch einen Schuß in den Leib vernmndet int Felde gesunden; er habe ihn gelabt, aber den Kameraden nicht bergen können, weil ihn selbst die Pflicht an eine andere Stelle des Schlachtfeldes rief. Unser Freund mußte liegen bleiben. Einige Tage später fand ihn ein Aufräumekommando — tot mit einem Schuß im Kopf. Alles war ihm geraubt, selbst die Erkennungszeichen, nur in einer Tasche fand man eine Karte seines Onkels und eine Photographie. Dem Verwandten wurde die Trauerkunde iibermittelt. In der Nähe von Ochamps haben die braven Landwehrleute den glaubenstreuen Juden, wie sie schreiben, „mit allen christlichen Ehren" bestattet. . Oppenheimer wurde am 24. Mai 1889 geboren in Schriesheim, an der blütenumrahmten Bergstraße. In treuer Eltern Hut wuchs er heran in meinem Hause, das durch jüdische Sitte und jüdische Familieninnigkeit durchsonnt war. Im Jahre 1898 kam er ins Heidelberger Gymnasium und bestand dort im Jahre 1907 sein Abiturium. Er ließ sich an der alten Ruperto-Carola immatrikulieren und belegte in der philosophischen Fakultät Naturwissenschaften und Mathematik. Die jugendliche Glut seiner vaterländischen Begeisterung und das Gefühl der Notwendigkeit des Zusammenschlusses jüdischer deutschgesinnter Studenten ließ ihn nach wenigen Tagen bei unserer Bavaria aktiv werden. Er war ein glänzender Fuchs. Schlank von Gestalt, kräftig und gewandt, war er bei allen körperlichen Übungen stets der Beste. Turnen, Schwimmen und Fechten waren feine Freude. Schon in seinem ersten Semester trug er bei allen Fackelzügen die Fahne der Korporation und freute sich stolz lächelnd seiner Kraft, wenn andere unter der schweren Last ermatteten. Bei seiner ersten Schlägerpartie auf der alten Hirschgasse freute sich die ganze Korona des Fuchsen, der seinem Gegner zu'einem so hübschen „Rangierbahnhof auf dem Kops" verhalf. Im Winter 1908/09 war Oppenheimer XXX und hatte Gelegenheit, bei der Leitung der Korporation für die Pflege der körperlichen Uebungen zu wirken, die ihm besonders am Herzen lag. Er hat sich redlich darum bemüht, daß wir beim Turnen unfern Mann stellten. Nach viersemestriger strammer Aktivität bezog er. die Universität Berlin. Man wußte es dort in K. C.er Kreisen kaum, daß er inaktiver Kartellbruder und nicht aktiver Spreve war, so häufig sah man ihn bei der Spreviae auf der Kneipe und dem Fechtboden. Im Sommer kehrte Oppenheimer nach Heidelberg zurück, auch jetzt — mitten