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KC-Blätter · 1914-11-01 · Heft 2 (November 1914) · p. Seite 298

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 2 (November 1914)
Date
1914-11-01
Page
Seite 298 (sequence 20)
Language
German
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298 der Feldpost - von Frank selbst eine Schilderung seines Kasernendienstes erhalten, mit welcher Freude er wieder exerziere und wie wohl das pünktliche Schlafengehen und das Frühaufstehen dem Körper tue. Ich machte mir deshalb auch keine ernsten Sorgen um ihn, bange Gedanken konnte ich aber, so sehr ich mich auch bemühte, nicht loswerden. Doch bald sollte ich traurige Gewißheit erhalten. Als wir wieder in Dieuze einmarschierten, lagen Trauerbriefe und Zeitungsausschnitte in Unzahl für mich bereit, zugleich damit auch eine Postkarte von seiner Handan der er in seiner scherzhaften Art nrich aufforderte, doch dafür zu sorgen, daß es an der Front vorwärts gehe, damit er bald nachrücken könne. Wie bald ist er nachgerückt: Am Morgen der ersten Schlacht, die mitzumachen ihm beschieden war, hat ihn der tödliche Kopfschuß getroffen! Daß er völlig schmerzlos den Heldentod gefunoen, mag uns allen ein kleiner Trost in unserem tiefen Schmerze sein. Was Ludwig Frank für unser deutsches Vaterland gewesen ist und welche Ausgabe ihm, wäre er am Leben geblieben, bei der zukünftigen Neuordnung der Dinge in unserem Vaterlands zugefallen wäre, das ist in den unzähligen Nachrufen der Presse und Parteien aller Richtungen zum Ausdruck gebracht worden. Auch wie sein Heldentod für die Gestaltung der Parteiverhältnisse nach Beendigung des Krieges zu werten sein wird, ist in mancherlei Aeußerungen der Tagespresse bereits anaedeutet worden. Hier in diesen Blättern interessiert die Stellungnahme Ludwig Franks zum Judentum und zu unseren Korporationen, und da möge es mir, der ich seit vielen Jahren mit Stolz mich zu den intimen Freunden des Gefallenen zählen durfte, gestattet sein, Einiges hierüber unfern Lesern mitzuteilen. Ludwig Frank, der, wie aus den Nekrologen bekannt ist, in Nonnenweier bei Lahr in Baden geboren war, stammte aus tiefreligiösem jüdischem Hause. Seine Eltern, prächtige alte Leute, leben heute noch auf heimatlichem Boden. Eine hervorstechende Eigenschaft seines Charakters war die innige Liebe zur angestammten Heimat, zum kleinen Heimatdorfe. Wie häufig vergessen viele unter uns, wenn sie ein paar Jahre Großstadtluft geatmet haben, woher sie gekommen find. Er war bei jeder Gelegenheit stolz auf seine ländliche Herkunft. Jeden freien Tag benutzte der Vielbeschäftigte zum Besuch der Eltern und Heimat. Die hohen Feiertage verbrachte er so gerne zu Hause. Wenn zufällig der Parteitag mit dem Neujahrsfeste zusammenfiel, war es ihm ein besonderer Kummer, der ernsten Pflicht folgen zu müssen und nicht nach Hause fahren zu können. Aber das Osterfest hat er — glaube ich — sein Leben lang nicht zu Hause versäumt und strahlenden Blickes erzählte er alljährlich von dem wunderschönen Verlause des Sederabends. Sein größter Stolz war es immer, lvenn er von der Verehrung erzählen durfte, die er bei seiner Anwesenheit in der Heimat genoß: Nicht nur der Synagogenrat, auch der Kirchengemeinderat und die politische Gemeinde entsandten Deputationen ins Elternhaus, wenn er da war, und trugen ihm ihre kleinen Sorgen vor. Für jeden hatte er ein williges Ohr, ein inniges Verständnis und einen Rat. Wie ernst und echt seine Heimatliebe war, geht auch aus der Bestimmung seines Testaments — die er schon vor Jahren getroffen hat — hervor, daß er in heimatlicher Erde begraben sein wolle. Allzufrüh wird sein Wunsch nun in Erfüllung gehen, möge es bald gelingen, die Leiche aus dem Feindeslande ins stille Grab zu bringen. Auch dem jüdischen Gemeindeleben seiner zweiten Heimat'Mannheim brachte er das größte Interesse entgegenoft bedauerte er, durch die vielfache anderweitige Inanspruchnahme nicht in der Lage sein zu können, sich auch hier praktisch zu betätigen. Aber wo sich Gelegenheit bot, war er mit seinem klugen Rat stets und gerne zur Stelle. Dem K. C.-Gedanken und unseren Korporationen brachte Ludwig Frank das größte Interesse entgegen. Es war mehr als nur ein freundliches Wohlwollen, es war die Übereinstimmung mit den Grundzügen unserer Tendenz, die ihn in Wirklichkeit zu einem der Unsrigen machte. Wie konnte er in heiligem Zorne gegen feige, von Streberei und Rangsucht geleitete Judentaufen wettern. Wenn er mit solchen Täuflingen den Verkehr vermeiden konnte, tat er es stets. Einer schon vor Jahren von mir zu ihm geäußerten Idee eines zu veranstaltenden Boykotts der Judentäuslinge brachte er die größte Sympathie entgegen und häufig — manchmal unter Schelten — erinnerte er mich an diesen Gedanken und drängte auf Schaffung einer Organisation, an der er sich mit Freude beteiligt hätte. Gewiß hat er, wie wir alle, die Hoffnung in sich getragen, daß durch die Neuordnung der Dinge sich auch dieser Gedanke erübrigen möge. Er hat es nicht erleben sollenmögen doch -unsere Hoffnungen in dieser Richtung in Erfüllung gehen! An strammem, selbstbewußtem (nicht arrogantem) Auftreten als Juden hatte er die größte Genugtuung und wie freute er sich, wenn man ihm von einem forschen K. C.-er Stück berichten konnte. Mit großem Stolz erzählte er selbst, wie er einen Abgeordneten, der im badischen Landtage eine Anspielung auf seine Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben gemacht hatte und einige Tage

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