Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1914-11-01 · Heft 2 (November 1914) · p. Seite 297

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 2 (November 1914)
Date
1914-11-01
Page
Seite 297 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2268830-2268887-2268890--1333-2270499
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

297 Kition derjenigen aufgefaßt werden konnten, die »derer Ansicht waren, als er selbst. Dabei erlengnete er nicht einen Augenblick seine eigene Illffassung. Er wußte sie vielmehr mannhaft »d klug zu vertreten, freilich auch immer mit »er Vornehmheit, die den überaus Bescheidenen mnzeichnete, und gerade deshalb vielleicht verband i», den sachlichen Gegner des Zionismus, mit >anchem Zionisten das herzlichste und schönste reundschaftsverhältnis. Der Eigenart seiner Persönlichkeit in diesem tapp bemessenen Nahmen gerecht zu werden, t außerordentlich schwer. Man muß Carl rensdorff persönlich gekannt haben, seine seltene lugheit und seine ungewöhnliche Gesinnungsstigkeit, seine eiserne Konsequenz, kurz, jene Geinung miterlebt haben, die ihn von sich selbst >s Schwerste verlangen, und doch über die chwächen anderer friedlich und lächelnd hinweghen, wenn es aber der Bosheit und Tücke galt, rnig sich entrüsten ließ, um ganz den Verlust i erfassen, den seine Bundesbrüder und der >nze K. C. durch sein allzufrühes Hinscheiden litten haben. Noch muß ich mit einem Worte Frensdorffs ruflicher Tüchtigkeit gedenken. Sie sei durch re kleine Episode gekennzeichnet, die ich im ceundeskreise gar manchmal zu seiner Charaknsieruna erzählt habe. Es war in seinem >ten Heidelberger Semestereben warFrensdorff zipiert worden, die Konfuchsia „gestattete sich", r nach damaliger Sitte mit einem recht beträcht- M Quantum „in die Luft zu sprengen". Stolz »nte Frensdorfs die zulässige Substituierung derer Burschen an seiner Stelle ab. In der lchtfröhlichen Stimmung, die sich daraus ergab, ^ste ein alter Freund „Carl", wie man ihn rz nannte, mit irgend einer chemischen Frage . Sofort hielt Carl einen zusammenhängenden rßenden Vortrag über recht komplizierte Teile ses Gebietes, sodaß ein anwesender, als tüchtig erkannter Fachchemiker erklärte: „Wüßte ich Chemiker — im nüchternen Zustande ändernd so viel, als Carl im feuchtfröhlichen, so ire ich sehr stolz." Am 18. Oktober hat man ihn in seiner Vaterdt zur ewigen Ruhe gebettet. Manchem alten C.er, der durch vaterländische Dienstespflicht 'hindert war, ihm den letzten Freundesdienst erweisen, mag darob das Herz geblutet haben, e Hannoverschen Kartellbrüder allein konnten als Vertreter des Verbandes und der beiden rbindungen, die mit Stolz Frensdorff zu den rigen zählten — ihm das Geleit geben. In ichten, aber zu Herzen gehenden Worten würte für sie alle Hans Block Persönlichkeit und rken des allzufrüh Dahingeschiedenen. dlun ist er von uns genommen. Sein kluger Sinn, seine Opferwilligkeit, seine nie verzagende freundschaftliche Gesinnung, die von den Alten in der Badenia und Licaria, wie von den: ihm begreiflicherweise persönlich besonders nahestehenden Hannoverschen Kartellbrüdern allezeit so wohltuend empfunden wurde, können nicht mehr mit ihrem lebendigen Beispiel auf die jüngere Generation unmittelbar wirken. Denjenigen aber, die mit ihm zusammen für die Bestrebungen arbeiten durften, denen er selbst die besten Jahre seiner Jugend gewidmet hat, wird er allezeit als Muster vor Augen stehen. Wenn einst die Geschichte des K. C. geschrieben wird, wird man auch Carl Frensdorffs als eines Propagandisten unserer Ideen rühmend gedenken. Wir aber, die wir auch unter den Eindrücken dieser ernsten ereignisvollen Zeit uns dem bitteren Schmerz um seinen Heimgang nicht entziehen können, geloben, das Andenken des lieben Menschen, des treuen, opferwilligen Freundes, des mutigen Bekenners seines angestammten Judentums, des wahrhaft deutschen Mannes treu zu bewahren, solange es uns selbst vergönnt ist, unsere Kraft den Idealen zu widmen, denen Carl Frensdorff sein ganzes Leben lang ergeben war. l)r. Max Mainzer (Badeniae-Bavariae, Spreviae). vr. Ludwig Zrank.*) Von Rechtsanwalt vr. Karl Kauffmann. (Badeniae-Bavariae). In Einville unweit Luneville — nur wenige 20 Kilometer von Baccarat entfernt — erzählte uns eine Radfahrerpatrouille, die wir an ihrer badischen Kokarde erkannten und als Landsleute fern von der Heimat mit besonderer Freude begrüßten, der bekannte Or. Frank aus Mannheim sei in der Schlacht bei Baccarat gefallen. Ich hielt die Erzählung für leeres Gerede, wie es im Feldzug oft ausgebracht und weiterverbreitet wird, hatte ich doch wenige Tage zuvor — allerdings mit der üblichen Verspätung bei *> Unter den zahllosen geistig hervorragenden Männern, die in diesem Kriege ihre Vaterlandsliebe mit dem Tode besiegelt haben, steht nach der Gesinnung, aus der heraus er ins Feld und in den Tod ging, keiner uns näher als der gefallene Abgeordnete vr. Frank-Mannheim. Darüber hinaus aber verband ihn mit manchem von uns, der ihm politisch keineswegs nahestand^ herzliche Freundschaft und mit uns allen das Interepe für die Bestrebungen des K. C., das er zum praktischen Ausdruck in jenen Tagen brachte, als die alte Heidelberger Badenia, ein Opfer des Antisemitismus, suspendiert wurde. — Dieser Nachruf aus der Feder eines seinerbesten Freunde sei seinem Andenken dankbar gewidmet. Die Redaktion.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.