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KC-Blätter · 1914-11-01 · Heft 2 (November 1914) · p. Seite 296

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 2 (November 1914)
Date
1914-11-01
Page
Seite 296 (sequence 18)
Language
German
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296 den Schmerz um ihn, der Getreuesten einen, zurückzudrängen. Mit Carl Frensdorff verliert der 5^. C. einen seiner verdienstvollsten rmd charaktervollsten Männer. Was er für die Ausbreitung und Entwicklung des 5k. C. gewesen ist, ist nicht Bielen bekannt tlnd muß deshalb mit so lauter in diesem schmerzvollen Augenblick den Berbandsbriidern gesagt rverden. Am 27. April 1872 in Hannover geboren in einen: gut jüdischen, allen geistigen Interessen offenen Elternhause ausgewachsen, bezog Carl Frensdorfs Ostern 1890 die Universität Bonn. In seinem ersten Semester lvidmete er sich allgemein wissenschaftlichen Studien und entschloß sich erst im * Herbst 1890, ju seinem zweiten Semester, definitiv zum Studium der Medizin. Im Herbst 1892 ging er nach glücklich bestandenem Physikum nach Heidelberg. Sein freundschaftliches Verhältnis zu seinem Koabiturienten Louis Allen, der bis vor wenigen Jahren in unseren Reihen stand, und die jugendliche Begeisterung für die Bestrebungen der jungen Badenia führte ihn damals zu der kleinen Schar, die sich um das Banner des selbstbelvußten, stolzen Judentums an der Ruperto-Carola gesammelt hatte. Frensdorfs stand bereits in seinem 6. Studiensemester und war nach seiner ganzen Veranlagung und dem Ernst seiner Lebensauffassung keineswegs als ein Fuchs im landläufigen Sinne anzusprechen. Eine außerordentliche Klarheit des Verstandes, eine Unbestechlichkeit des Urteils und eine Unabhängigkeit der Gesinnung, wie sie nur Wenigen eigen ist, zeichneten ihn damals schon aus. In einer Zeit, in der in Heidelberg aus allen Gründen auf körperliche Kraft und Gewandheit besonders hoher Wert gelegt werden mußte, verstand es Frensdorff lediglich durch die Gaben seines Geistes und seinen reisen, von den Bundesbrüdern bald erkannten trefflichen Charakter, sich alsbald eine angesehene Stellung in der Verbindung und nach wenigen Wochen bereits das Burschenband zu erwerben. Man ging aber weit fehl, wenn man annehmen ivollte, daß der kleine, scheinbar schwächliche Bundesbruder nicht auch auf der Mensur seinen Mann gestellt hätte. Noch heute steigt in mir wieder das Gefühl der Freude auf, die uns alle erfaßte, als er unter den erschwerendsten Verhältnissen zwei Gegnern, die ihm an Kraft weit überlegen waren und mit ihm spielen gu können glaubten, auf schweren Säbelmensuren den Meister zeigte vermöge seiner unerschütterlichen Kaltblütigkeit und Ruhe. Was in ihin steckte, erwies sich erst voll, als die ältesten und erfahrensten Bundesbriider Heidelberg verließen und das Steuer des sturmumtobten Schiffleins der Verbindung jungen Kräften überließen. Frendvrffs überlegene Klugheit hat im Sommer 1893 und in späteren Semestern der Heidelberger Verbindung vielfältig genützt. Ihm kam auch zu statten eine Objektivität in rein persönlichen Dingen, die ihn vor vielen Anderen geeignet machte, Gegensätze auszngleichen und auch heftige Temperamente iuuner wieder in den Dienst unserer Idee zu zwingen. Seine Versöhnlichkeit machte ihn zum Vermittler in gar mancher Situation und war auch bestimmend für seine Stellungnahme in Fragen der Tendenz, trotz aller Klarheit, mit der er für seine Person durch alle Zeit fest und unerschütterlich den Problemen gegenüber, die den Verband so lange beschäftigt haben, Stellung genommen hat. So war er, wie nur Wenige geschaffen, den geistigen Mittelpunkt jener kleinen Schar zu bilden, die unter seiner und Martin Ballins Leitung im Herbst 1896 nach München zog in der ausgesprochenen Absicht, im Dienste der Bestrebungen der Verbindung gemeinschaftlich mit dem früheren Badetien Julius Heilbronner und jüngeren Semestern auch dort für die Erziehung zu einem selbstbelvußten, aufrechten Judentum und für die Psiege deutsch-vaterländischer Gesinnlmg eine Stätte zu schaffen. Der jüngeren Generation der Heidelberger und Münchener Verbindungen und erst recht den jüngeren Mitgliedern der anderen Kartellverbindüngen ist Frensdorff im Laufe der Jahre etwas serngerückt. Die Lebensküinpfe und Nöte zwangen seinen nie rastenden Geist in ihren Bann und mochten ihn äußerlich scheinbar dem Kreise der jungen Freunde etrvas entfremden. Denjenigen aber, mit denen er Gelegenheit hatte, in Berührung zu komnlen — und mochten sie auch noch so jung sein — trat er, der in dieser Beziehung den Hannoveraller nicht verlengnete, bei aller Zurückhalttlng alsbald herzlich nahe, und lvenn er gar der alten Freunde einen traf, galt seine erste Frage stets dem Wohle derjenigen, die in jungen Tagen rnit ihm gelebt und gekämpft hatten. Für jeden einzelnen von ihnen'bewahrte er sich sein freundschaftliches Interesse. Das persönlich-freundschaftliche Band, das die Bundesbrüder umschließt und das ein Fundament ist auch für die Tätigkeit unsererVerbindungen weiter hinaus, lvurde von ihm, dem Klugen, überaus hoch bervertet und diese Bewertung war für ihn auch entscheidend für seine Stellungnahme in den Meinungsverschiedenheiten, die vor Jahren in unserem Verbände zum Austrag kanlen. So klar er sich über seine persönliche Stellung und über die Stellung war, die nach seinen Intentionen seine Verbindungelr und der Verband als solche in jenen Fragen des jüdischen Nationalismus zu nehmen hatten, lehnte er doch auf das entschiedenste alle Maßnahmen ab, die im entferntesten als eine Zurücksetzung und als eine Disquali-

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