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KC-Blätter · 1914-11-01 · Heft 2 (November 1914) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 2 (November 1914)
Date
1914-11-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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L.C.-VMrr Kriegsausgabe November-Dezember 1914 2. Heft Fortsetzung. vr. Carl Zrensdorfi (Badenine, Bavariae, Licariae), gestorben U». Oktober 1914. Wir leben in einer harten Zeit. Das Sterben ist für die Blüte der deutschen Männer zur Pflicht und Selbstverständlichkeit geworden, und auch aus unserem Kreise haben so viele freudig und opferbereit ihr Leben dem Vaterlande dahingegeben, daß der Tod eines Einzelnen uns in, allgemeinen nicht in dem Maße erschüttern kann, une es in friedlichen Zeiten der Fall wäre. Gewiß greift es uns jedesmal ans Herz, wenn einer aus unserem Kreise auf dem Schlachtfelde verblichen ist, den Daheimgebliebenen sicherlich noch mehr als den draußen Kämpfenden und infolgedessen ständig überwältigenden Eindrücken Unterliegenden. Sie stehen — ich entnehme es Mitteilungen vieler Heimkehrenden — so sehr im Banne der Pflicht zur Aufopferung für das Vaterland, daß selbst der Tod der Nächststehenden sie zuvörderst weniger erregt. Auf uns in der Heimat aber lastet umsomehr der Schmerz um jeden Gefallenen, je weniger wir selbst, an dem Ungeheueren, das unsere Krieger leisten, gemessen, hier dem Vaterlande leisten.' Und doch wird keiner unter uns, vor allem keiner von denen unter uns, die ihm im Leben nähertreten durften, ohne tiefe Erschütterung vernehmen, daß Earl Frensdorfs nicht mehr unter den Lebenden weilt. Ein selten tragisches Geschick hat den kaum 42 .ährigen von uns hinweggerissen.- Ich sehe ihn noch vor mir, wie er an einem Sonntagmorgen Anfang Juni ds. Js. mich in, Vorgärtchen meines Hauses überraschte, um von seinem alten Leibburschen sich Rat zu holen: Seine junge Frau, die in einem in der Nähe von Frankfurt gelegenen Kurorte Erholung und Genesung von einem seit einigen Wochen entdeckten Herzleiden suchen sollte, war auf der Reise so schwer erkrankt, daß sie der Krankenhauspflege bedurfte. Mit einer Klarheit und mit einer eisernen Selbstbeherrschung, wie sie nur seltenen Menschen gegeben ist, übersah Earl Frensdorff die Lage und, als noch nicht zwei Wochen später die geliebte Frau hier in Frankfurt, fern von der Heimat, ihr junges Leben beschloß, zeigte Frensdorfs nach wenigen Augenblicken tiefster Erschütterung ein solches Maß von Fassung und Ruhe, daß die Freunde, die um ihn waren, nur immer wieder die Energie bewundern konnten, mu der unser Freund sein schweres Schicksal trug. Wer es wie ich miterlebt hat, wie damals Frensdorff den alten Vater der eben entschlafenen Gajtm zartfühlend und schonend auf das bereits Geschehene vorbereitete, mußte tief ergriffen die ^veelenstärke bewundern, die Frensdorff in diesem wohl schwersten Augenblick seines Lebens an den Tag legte. Ihn hat freilich das Leben nicht immer zart angefaßt. Nach langen Kämpfen war es dem jungen Arzte gelungen, sich für seine berufliche Betätigung ein befriedigendes Feld zu erarbeiten und die Sorgen, die den überaus Feinfühligen, in diesen Dingen besonders Stolzen mehr als andere drückten, los zu werden. Ihm war die Praxis nicht wie von selbst in den Schoß gefallen. Als er endlich zu einerbefriedigenden ärztlichen Tätigkeit gekommen ivar, verhängte ein hartes Schicksal immer wieder neue' Schläge über ihn. Vor wenigen Jahren raffte-, ihm ' ein Eisenbahnunglück einen treugeliebll'u Bruder jäh dahin. Sein Tod ging unserem Freunde doppelt nahe, weil die hochbetcn.ien Eltern diesen Schlag kaum zu verwinden vermochten. Die geliebte Mutter war denn auch neben dem halbverwaisten einzigen Kinde in jenem Augenblicke, als das Schicksal wieder so hart'an ihn herantrat, der Hauptgegenstand seiner Sorge. An sich selbst dachte er nicht, obwohl er mit einer seherhaften Bestimmtheit in jener erschütternden Abschiedsstunde, da ich ihn zum Geleite der sterblichen Ueberreste der eben verblichenen Gattin zur Bahn brachte, mir sagte: „Ich weiß es und fühle es, daß das Schicksal noch.mehr von mir fordern wird." In jener Minute bedrückte ihn die Sorge um das verwaiste Kind. Er sollte nur zu sehr Recht behalten. Mit einer fast übermenschlichen Kraft und Selbstbeherrschung trug er das Schwere, das für ihn, den beschäftigten Arzt, das Hinscheiden der heißgeliebten Gattin bedeutete. Aber nicht lange dauerte es, bis die Reaktion erfolgte und Carl Frensdorff, der körperlich kein Riese war, zusammenbrach. Er hoffte Genesung und Wiederherstellung im Sanatorium Hedemünden zu finden, doch vergebens. Am 16. Oktober entriß ein Gehirnschlag ihn plötzlich und schmerzlos den Seinen und uns. Noch stehen wir ganz unter dem Eindruck der erschürternden Botschaft und auch die Trauer um so viele gefallene Freunde vermag kaum

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