KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 12 (1.9.1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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Der Zentralverein hat in seiner vorerwähnten Resolution in der unzweideutigsten Weise zum . Aufdruck gebracht, daß er aus deutschnativnaiem Boden stehe. In noch entschiedenerer Weise hat der 5k. C. seinen delltschnntionalen Standpunkt in dem Tendenzparagraphen zum Ausdruck gebracht. Dort bezeichnet er die deutschen Juden als einen „mit dem deutschen Vaterlande unlöslich verbundenen Polksteil" und betont inobesondere die Gemeinschaft hinsichtlich der wichtigsten nationalbildenden Faktoren, die Gemeinschaft der Geschichte, die Kultur- und die Rechtsgemeinschaft. Durch den Beschluß deS Breslauer K. C.-Tages, der Bestrebungen zur Lösung der deutschen Iudenfrage außerhalb Deutschlands ablehnt, wird die unlösliche Verbindung mit dem deutschen Volke wiederholt zum Ausdruck gebracht. 4. DaS Programm deS K. C. und des Zentralvereins ist daher ausgesprochen deutschnational. Meines Erachtens liegt darin »»gleich eine Ablehnung nationaljüdischer Bestrebungen. Es ist allerdings richtig, daß eine „Zwei-Seelen-Theorie" es als möglich bezeichnet, daß jemand zugleich deutsches und jüdisches Nationalbewußtsein besitzt. Diese Theorie wird jedoch in der Wissenschaft allgemein abelehnt sich erinnere an Treitschke und Oppeneimer). Sie wird übrigens, lute aus meinem Artikel hervorgeht, neuerdings auch in der nationaljüdischen Literatur allgemein verworfen. Trotzdem gebe ich zu, daß jemand, der den Begriff „national" eben anders auffaßt und die Zugehörigkeit zu zwei Nationen für möglich hält, 5V. C. er sein kann, sofern er nur unbedingt auf dem deutschnationalen Standpunkt steht und die Kultur-, Rechts- und Volksgemeinschaft, von dem unser Tendenzparagraph spricht, bejaht. In entsprechender Weise hat ja auch die Resolution deS Zentralvereins von denen gesprochen, die sich „national nur als Jude fühlen". Wenn jemand deutsch sein will, kann es unS gleichgültig sein, ob er den Begriff national so auffagt, daß er daneben noch jüdischnational sein könne. Denn nicht aus den Begriff, sondern auf die Sache konnut es au. Offenbar bildet eine derartige Auffassung der Begriffe auch die Grundlage der Ausführungen von Marx. Denn sonst würde die zll Beginn seiner Anssührungen betonte „Kulturgemeinschast aller Illden" und die Forderung der Pflege „jiidisch-volklichen (!) Lebens" mit der späteren Feststellung, daß keini?) gebildeter Zionist leugne, daß die deutschen Juden dlirch „Kulturgemeiwschaft mit denl deutschen Volk verbunden' seien", und zivar unlöclich, einen ganz heillosen Widerspruch darstellen. Anderseits kann jedoch die Rücksicht-auf. Anhänger dieser „Zwei-Seelen-Theorie" uns nicht hindern, das Nationaljudentum, das unS in der jüdischnationalen Literatur und Presse in anderer Gestalt entgegentritt, also das unser Deutschtum verneinende Nationaljudentum aus das entschiedenste zu bekämpfen. Unsere Neutralität zu politischen und religiösen. Bestreblnlgen ist in» 2. Absatz unseres Tendenzparagrnphen allsdrückiich eingeschränkt durch die Worte sofern sie der Tendenz von Absatz 1 nicht widerstreben". Soweit die nationaljüdischen Bestrebungen der in unserem Tendenzparagraphen allsgestellten K. C.-Tendenz lvidersprcchen, besteht also keine Neutralität. 5. Der Kampf gegen das Nationaljudentum, soweit es unser Deutschtum verneint, ist aber eine Lebensfrage für den K.C. Denn ein derartiges Nationaljudentum erschüttert die Grundlagen, mif denen der Kamps des K. C. beruht. Wir stützen den Ansprllch aus Gleichberechtigllng nicht nur auf unser verfassungsmäßiges Recht, sondern auch auf die nationale Genleinschast. Wir wollen nicht, daß die religiöse Trennung auch .noch durch eine nationale Trennung vermehrt wird. Wir wollen nicht, daß uns Illden eilt Kampf ausgedrängt wird, lvie ihn heute die Polen, Dänen und französischen Elsässer zu führen haben. Das Nationaljlldentlilll, wie es sich in der letzter! Zeit herausgebildet hat und nanlentlich im Eintreten für Sombart und in der Kunstwartdebatte breit machte, ist das größte Hemmnis in dem Kamps für die Gleichberechtigung, den wir führen. Wir würden daher inkonsequent handeln, wenn wir uns nur gegen Antisemiten wenden, die uns unser Deutschtum absprechen, rvenn wir dagegen den .Knnlps gegen die Nntionaljuden schellten, die unS in gellall derselben Weise verwehren wollen, llnS Deutsche zu nennen. 6. Zu dem Artikel von Hirsch möchte ich nur einige kllrze Beinerkungen machen: Hirsch geht von einer falschen Voraussetzung auS, wenn er glaubt, daß in praktischen Fragen des K. E. die „positiven Illden" und die „Trotzjllden" auSeinalidergehen müßten. Das ist, wie bereits Eisemnann betont hat, unrichtig. Die Förderung der Kenntnis des Judentums und der jüdischen Geschichte rnüssen auch die „Trotzjnden" als nvtlvelidig anerkennen, da sie zur Ausbildung unserer Mitglieder als Kämpfer gegen den Antisemitismus und zllr Erziehung zu selbstbewußten Juden unbedingt erforderlich ist. Ebenso wird die Kindertause von „Trotzjuden" genau so verworfen wie von „positiven" Juden. Das Wort „positiv" hat in den letzten Jahren mit Rücksicht auf unsere K. C.-Tendenz eine immer steigendeBedeutung gewonnen. DerB-I.E. 6