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KC-Blätter · 1913-09-01 · Heft 12 (1.9.1913) · page 32

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 12 (1.9.1913)
Date
1913-09-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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lausten zu demselben Verhalten ko»n,nen wird wie der „Gläubige". Er ist sich klar darüber, daß ein jeder Mensch, »venu er seine idealen Forderungen mit der Wirklichkeit in Einklang bringen will, Kompromisse schließen muß. ES gibt eine nicht geringe Zahl von Inden, die die positive Religionsidee überwunden haben, und die der jüdischen sozialen Gemeinschast das Opfer bringen, daß sie gerade hier in der Betälignng ihrer ethischen (Gefühle nicht so konsequent handeln, alS eS vielleicht ihren sonstigen Maximen entspricht. Wenn ein Ehrist, der sich bewußt ist, daß seine Weltanschauung nicht mehr auf dem Boden seiner Religion nmrzelt, seine Religionsgemeinschaft verläßt, so ist das für seine in der Gemeinschast znrttckbleibenden ehemaligen Glaubensgenossen ganz gleichgültig. Nicht so beim Inden. Wir sind ja in doppelter Eigenschaft Inden; nur die eine davon, die religiöse, können wir ablegen. Die Außenwelt und daS Staatsrecht jwenigstens in Bagern) kennt nur eine Union dieser Eigenschaften. Daher kommt es, daß der Jude bei seinem Kirchenanstritt in den Augen der Außenwelt nicht nur seine Religionsgemeinschaft verläßt, sondern daß er sich in ihren Augen auch von der sozialen Gemeinschaft der Inden wegwenden zu wollen scheint. Da er nicht jedem Menschen sagen kann, daß er nur ans idealen Gründen ans der Religion des Judentums austreten »volle, so vermehrt er für die Fernstehenden — Inden wie Christen — die Zahl jener, die sich eben von der jüdischen Gemeinschaft schlechthin entfernen wollen, und die, um diesen Schritt zu maskieren, ideale Motive Vortäuschen, wo es sich um materiellen Egoismus handelt,' gerade er, derTropjude, empfindet ja für diese Sorte seiner Glaubensgenossen die tiefste Verachtung. Der „Eharakterjude" ist jedoch so wenig orthodox, daß er bei Betlrteiitmg von Dissidentenerklärnngen seitens monistisch denkender Juden nicht prinzipiell zu einer Verurteilung kommen wird; er bedenkt, daß recht ehrenhafte Motive vorliegen können. Ich kenne Ausgetretene, die mehr für bcti K. C. leisten und )ür seine Tendenzen als mancher A.H. Roch zwei Bemerknnge»» nrehr allgemeiner Natur: Wenn ich die Forderungen der Positiven noch einmal betrachte, so drängt sich nlir unlvittkürlich eine Aehnlichkeit ans: diejenigen politischen Parteien, die uns die staatsbürgerliche Gleichberechtigung vvrenthalten »vollen u»»d die »vir deshalb bekämpfen müssen, holen ihre Waffe»» aus denlselben reaktionären Arsenal »vie die „Positiven". RationalisinnS - und Orthodoxie halte ich für Verirr»»»»gen inenschlichen Geistes, denen entgegenzuwirken ich für »neine Pflicht halte, in welchen Lagern und »n welcher Form sie auch immer austreten mögen. Und zun» Schlüsse: Eine Diskussion über das obige Thema halte ich weder für ersprießlich noch für »nöglich. Es handelt sich hier um Fragen der Welta»»schanu»»g, rvo der eine den andern n»»r versteht, wenn er aus seinen» Boden steht. Deshalb »vollen »vir doch lieber suchen und hervorheben, »vas uns eint, im übrigen jedoch versuche»», bei der Ge- »neinsan»keit unserer Aufgabe recht tolerant gegen einander zn sein. * * * Zur Darstellung der ll. L. Tendenz. Bvn vr. Erich Marx (Nheno-Silesiae), Eharlottenb»»rg. Der Anregung von Kartellbrnder Hirsch zur Erörterung der 5k. C.-Tendenz folge ich sehr gern. «Eingangs bekenne ich »»»ich als ausgesprochener Anhänger ei»»es positiven Judentums im Sinne von Hirsch, d. h. ich stehe auf Seiten derer, welche die Staillnles- und Kultnrgemeinschaft aller Inden pflegen und jüdisch-volkliches Leben möglichst erhalten und wiederbeleben »volle»», vor aller»» im alten Staiulttlande Palästina. SM»»»» ist es nicht richtig, »venu Hirsch meint, der K. C. vernachlässige die Erörterung seiner Tendenz. Gerade in diesen» Jahrgang behandelten Krombach und Löwensten» das Verhältnis des 5k. E. zum Nationaljudeutuu», Lülvenstein das gleiche Thenra noch in einer Notiz. In seinen Aeußerungen nirnnlt Lülvenstein den Standpnlikt ein, der K. C. nehme, gleich de»n Zentralverein, prinzipiell gegen das Nationaljlldent»»»»» ^einschließlich des Zionismus) Stellung, hiergegen behaupte ich, daß nicht eimnal der Zentralvereiu, geschlveige denn der 5k. C. gegen das Nationaljndentum oder den Zionismus als solchen Stellung nimmt. Der Zentralvereiu hat in feiner bekannten Resolution erklärt, daß er sich von de»»jenigen Zionisten trennen »uüsse, die zu»n deutschen Baterlande kein inneres Verhältnis haben. Die leitenden Herren des Zentralvereins erklären nun in Wort tt»»d Schrift, daß diese Erklärung keineslvegs gege»» de»» gesa»nten Zionismus gerichtet sei,sondern eben nur gegen jene»» ausdrücklich bezeich»»eten Teil der Zionisten. Sie wünschen n»»d erbitten im übrigen die Mitarbeit der Zionisten. A»»deres ist aus jener Resolution auch »virklich nicht zu entnehlnen. Und der K. C.? Unser Te»»denzparagraph besagt, daß die deutschen Juden mit Deutschland »»»löslich verbunden sind, und daß »vir 5k.C.-er aus deutsch-vaterländ»sche»n Boden stehen. A»rf dieser Grundlage baut der Tendenzparagraph seine Bestrebungen auf: Kan»pf gegen den Antisemi- 4

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