KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 12 (1.9.1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.er" (int Sinne Hirsch'S) wird ja plötzlich zum unechten K. C.er gestempelter sieht sich mit dem Odium beladen, daß sein Standpunkt „zur Verflachung der Tendenz" führe, daß Ansichten, wie er sie hegt, dein K. C. die Lebensfähigkeit rmiben. Ich bekenne mich als Anhänger der „negativen Richtung" und habe als solcher auch kein Verständnis für einen „gedämpften" Zionismus, wie er ans den Zeilen von Bundesbruder Hirsch spricht. Man gestatte mir, bevor ich ans die Ausführungen Hirschs eingehe, einen Gesichtspunkt etwas mehr hervvrznheben, der nach der Wichtigkeit, die ihm zukommt, viel zu wenig beachtet wird. Wenn man nicht Zionist ist, dann kann man m. E. den K. C.-Standpunkt nur für ein Uebergangsstadium haltenfein Wert beruht auf der moralischen Rückwirkung auf den Träger dieser Idee Was jedoch unsere tatsächliche Einwirkung auf die zukünftige Entwicklung des Judentums anbelangt, sv lassen mich die besetze der Soziologie befürchten, daß hier andere Mächte am Werk sind, daß für völkische Verschiebungen dein positiven oder negativen Willen, wenn -überhaupt einer, dann kein erheblicher Einfluß zukommter kann höchstens verlangstnnen oder beschleunigen. An einigen praktischen Beispielen zeigt £v, wohin der konsequente negative Standpunkt führe. Die Schlüsse, die H. zieht, kattn ich tum keineswegs für zwingend halten. Man kamt sich zu den „Trotzjnden" rechnen und doch von den jungen K. E.ern verlangen, daß sie sich mit dem Studiunl der jüdischen Geschichte befassen. Ich würde diese Forderung an die gebildeten Deutschen jüdischer Abstammung auch stellen, wenn es keinen Antisemitismus gäbe, auch dann, wenn sie (oder ihre Borsahrenj auS der jttdischeil Religionsgemeinschaft ansgetreten wären. Ich bin nur wohl bewußt, damit ein auf Gesühlsmomenten beruhendes positives Zusammengehörigkeitsgefühl zuzugebenich mache mir aber auch klar, daß cs sich dabei in Allbetracht der jetzigeil Verhältnisse des jüdischen Volkes um einen schönen ntopislischen Traum handelt, den Gabriel Riesser ganz tressend nnr„eillen Schatten der Erinnerung" nannte. Die Pflege dieses Gefühls ist Herzens¬ und Gelnütssache uub kann nicht gut Programmpnnkt eines Verbandes sein. Wie »veit dieses Gefühl auch durch den Druck, den der Antisemitismus auf unS ausübl, mit veranlaßt ist, soll nicht weiter untersucht rverden. Eine kulturelle Mission deS Judentums leugne ich von meinetn negativen Standpunkte aus keineswegs, wenn ich auch der Ansicht bin, daß diese Mission zum grüßten Teil (in ethischer Be. Ziehung) erfüllt ist. Der andere Teil der Mission, ein Bindeglied der Kulturen darzustellen, auch in den übrigen Rationen „das befruchtende Ferment" zu bilden (in Detttschland nach dem Aussprache eines Berliner Professors dafür zu sorgen, daß Deutschland nicht an seiner eigenen Blondheit zugrunde gehe), dieser Teil der Mission wird erfüllt durch Eigenschaften, die uns Juden immanent sind, die sich äußern, ob mm daS Judentum als Religion oder als geschlossener Volksteil weiter besteht oder nicht. Ich hege auch keineswegs die Besorgnis, daß die kulturell wertvollen Eigenschaften der Juden beeinträchtigt oder gar verschwinden werden, wenn das von den positiven Befürchtete eintreten würdeja, ich meilte, diese Kttlturmission könnte in diesem Falle in erhöhtem Maße erfüllt werden. Auch verschließe ich mich nicht der Tatsache, daß uns Juden vielleicht doch einige Eigenschaften anhaften (cf*, jüdischer Antisemitismus, von dem sich kaum einer von uns ganz frei weiß), die minder konservierungswürdig sindvielleicht wäre es sogar ganz gut, tvenn wir - ohne unsere wertvolle Eigenart auszugeben — von unserer Umgebung manch' gute uns mangelnde Eigenschaft annehmen würden. Wenn Hirsch in .religiöser Hinsicht von dem tvahren Vertreter der K. C.-Tendenz positives Judentum verlangt, so halte ich doch einen HintveiS auf den Wortlaut des K. C.-StatutS nicht für überflüssig, wonach der Verband zn religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des Judentums keine Stellung nimmt. Ich gebe niemandem das Recht, mich für einen schlechteren .St. C.er zn halten, weil ich in meinem Streben, mirKlarheit über das Verhältnis des Menschen zum Weltall zu verschaffen, zu anderen Anschauungen gekommen bin, als sie sich in den sog. „positiven" Religionen verkörpern. Ich habe die Ueberzeugnng, daß die überwiegende Mehrzahl der (Gebildeten unserer Tage freireligiös ist, die Mitglieder unseres Verbandes mit eingeschlvssen. Wenn nun die Positiven im K. C. die Forderung anfstellen, man müsse an der jüdischen Religion sesthalten, dann stehen au der Wiege dieser religiösen Gefühle nicht etwa besondere für richtig erkannte Heilswahrheiten, sondern Motive, die mit Religion recht wenig zu tun habenich halte auch eine derartige Verbindung von ethischen und nationalen Dingen für einen Mißbrauch. Die Frage der religiösen Ueberzeugnng hat mit dem K. C.ertum kaum so viel zn tun wie der Umstand, ob einer Optimist oder Pessimist ist. Was nun die praktischen Konsequenzen aus dieser religiösen bezw. unrcligiösen Ansicht (nämlich die Erklärung als Dissident — nur für sich oder für die Lkinder) anbelangt, so glaube ich, daß auch der Abwehrjude in den gegenwärtigen Zeit-