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KC-Blätter · 1913-09-01 · Heft 12 (1.9.1913) · p. Seite 236

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 12 (1.9.1913)
Date
1913-09-01
Page
Seite 236 (sequence 16)
Language
German
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236 Jahren in Berlin und anderen deutschen Großstädten gegründet worden sind, gelten als Beweis, „wie herrlich weit" wir es kulturell „gebracht" haben. Und die Gründnngstätigkeit ans dem Gebiete deS Theaterwesens, besonders in Berlin, aber auch in großen Residenz- und Provinzstädten, zeigt nachgrade alle Symptome eines klüturellen Gründlmgssiebers. Aber für diese 67 Millionen Deutsche ist'seit mehr als 40 Jahren (mm dem Frankfurter Universitäts-Embryo abgesehen) nicht eine einzige neue Polluniversität gegründet wor den! Es bedarf nur deS systematisch gestützten und zngefpitzteil Hinweises mtf diese Tatsache, um zugleich den Nachweis eines allgemeinen deutschen Bedürfnisses nach neuen Universitäten für Deutschland erbracht zu haben. Der gerade in den letzten Jahren gegen die llniversitätsgriinder iminer wieder erhobene Einwand, daß durch neue Universitäten das sogenannte „Gelehrten - Proletariat" [?] vermehrt werde, ist ein Sophisma — er verschiebt mit Bewußtsein die Basis des Problems, die Voraussetzungen und Gründe der Forderung nach neiten Universitäten! Es handelt sich ja ganz und gar nicht darum, die Gesamtzahl der Studenten in Deutschland zu steigern, sondern bei gleichbleibender Zahl eine gleichmäßigere Verteilung der Gesamtzahl von etwa 60 WO Studenten, die heute ans beit 21 deutschen llniversitäten studieren, ans etwa 30 llniversitäten zu erzielen, eine Reihe der bisherigen, an durchaus krankhafter „Hypertrophie" leidenden llltiversitäten zu „sanieren", sie zil entlasten und ihre ungesunde Entwicklung zu Riesen-llniversitäten mit 0000 Studenten (Berlin), 7000 München), 6000 (Leipzig), 5000 (Bonn) usw. zu hemmen bezw. svlveit nötig rückläufig zu machen. Mit Recht hat kürzlich Oberbürgermeister Beutler von Dresden bei der Skizzierung des Planes einer neuen Universität Dresden erklärt, daß er einen „numerus clausus“ von höchstens 25M Studenten Vorschlägen würde. Sobald die Frequenz einer Universität die Zahl von 2000 erheblich übersteigt, so daß auch eine dem „Heer" der Studenten entsprechende ungesunde Bermehrnng der „Offiziere", d. h. der Professoren bedingt wird, muß ein gesundes Leben der ttvminell immer noch eine einheitliche „Korporation" bleibenden Universität mehr und mehr eine organische Unmöglichkeit werden. Der „Körper" dieser Korporation funktioniert nicht mehr lebendig als gesunder Organismus, sondern nur automatisch als künstlich erhaltener riesiger Mechanismus. Deutschland bedarf daher dringend einer Reihe neuer kleinerer „Universitäts - Organismen", um das schwere Hebel der „Blutüberfüllung" bei den krankhaft angewachsenen akademischen Riesen- Organisnten zn beheben. Mögen darttm Hambtlrg und Dresden nicht länger zögern, ihre neuen llniversitütSgründungSpläne nnszusühren 1 Und möge ein ganzer „Kranz" von „Universitäts-Dornröschen", die seit 100 Jahren schlummern, von alten Universitäten, die infolge des Verfalles des alten Deutschen Reiches in Winterschlaf versanken, im neuen Deutschen Reich ans ihrem Schlummer erwachen zu neuem Leben, Wachsen und Blühen! Allen voran in Mitteldeutschland Erfurt, in Riederdeutschland Helmstedt und in Westdeutschland Köln am Rhein! Nachschrift. Rach Absendnng dieses Artikels wurde mir die ant l. Juli gehaltene und inzwischen gedruckte JtibiläumSrede des Rostocker Rektors Körner: „Brauchen wir nette Universitäten?" zngesnndt. Die Rede, die die thematische Frage bejaht, bringt zwar weder wesentlich nette Tatsachen noch atlch tteue Beweisgründe, aber sie ist, an sich, rein objektiv, neues Beweisntaterial, rveil sie aus den Kreisen der bisher beu Reugründungsplänen «reift ablehnend gegenüberstellenden alten Universitäten stammt, und iveil sie an einigen Stellen fast schon wie ein Notschrei klingt. So klagt Körner, der Professor der Medizin ist, (ganz im Sinne des von mir gebrauchten rnedizinischen Bildes der „Hypotrvphie") vor allem ernstlich besorgt über die lleberfüllung der rnedizinischen Fakultäten, infolge deren „»um z. B. auf den Seziersälen gezroungen wird, die Zahl der von dem Schüler anznfertigcnden anatomischen Präparate zu vermindern", daß „der fördernde Einzeltlnterricht nirgends die notwendige Eitttvickltlng und Atisdehnnng gewinnen kvtmte" usw. „Darin liegt eine schwere Gefährdung der Attsbildnng unseres ärztlichen Nach« Wuchses, die, wenn ihr nicht bald Schranken gesetzt werden, Leib und Leben [!] nuferes Volkes in Gefahr bringen muß. s!f .... Hier tut Hilfe dringend not!" Tagungen studentischer verbände. Die Berichte über die Verhandlungen der stlidentischen Verbandstage zeigen in diesem Jahre kein einheitliches Gepräge. Es fehlt, abgesehen von den Vereinbarungen der vier großen schlagenden Verbände, zurzeit an allgemeinen bedeutsamen Fragen in der Studentenschaft, welche alle Verbände in gleicher Weise beschäftigen könnten. Auch sind die Berichte meist recht dürftig, weil ein großer Teil der Verhandlungen interne Fragen berührte und sich daher der öffentlichen Besprechung entzog. Trotzdem bieten die Verhandlungen für jeden, der sich mit der Entwicklung unseres Studentenlebens besaßt, viele- Jntereffante.

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