KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 12 (1.9.1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 235 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2268830-2268832-2268844--0908-2270127- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
235 hatte mir die ideale Verpflichtung, die alle jüdischen Studenten zum Kampf ums Recht, zum Kampf um die Würde ihrer Persönlichkeit führen müßten, so überzeugend klargelegt, daß ich von der Zeit an, trotz meiner Abneigung gegen Alkohol und Mensuren, eine begeisterte Änhängerin deS Viadrillengedankens wurde. Der Brief an meine Eltern war damals von mir nicht ganz ohne Nebenabsichten geschrieben. Mein Bruder trat gerade in die Biadrina ein, und ich »vvüte meinen ideal gesinnten Eltern den Entschluß, ihn gewähren zu lassen, »loch ein wenig leichter machen. Ich blieb beim K. E. Ich verlobte mich llicht lange darauf mit dein Leibbnrschen meines BruderS und - ich heiratete ihn allch! 9hm ist mein ältester Sohn bereits K. C.er und auch mein zlveiter Sohn will Ostern Vaters Kartellbruder lverden. Ich bin also mit dem K. C. eng verknüpft und habe stets mit Interesse seine Entlvicklung verfolgt. Oft hatte ich Gelegenheit, den K. C.-Gedanken anSeinanderzusetzen, ihn Angriffen gegenüber zu verteidigen oder christlichen deutschen Frauen gegenüber die Gleichberechtigung der jüdischen deutschen Frail zu betonen. Ich sah dabei immer mehr ein, wie notwendig es ist, daß die jüdischen Krauen genau so wie die jüdischen Mäinler den K. C-Gedanken in seinem vollen llmfang sich zu eigen machen. Wie steht es nun damit im SV. &.? Heißt es hier, wie schon vor Jahren im Reichstag: „Kranen, vor die Krönt!"? Ist mnn von der Wichtigkeit der Tatsache durchdrungen, die gerade die Heranziehung der Krauen für die Verbreitung deS K. C -Gedankens bedeutet? DaS ist leider nicht stets der Fall. Und doch ist es unbedingt nötig, daß nicht nur die K. C er Frauen, sondern daß auch, die K. C.er Töchter, -Schlvestern, -Anverwandten, -Freunde zur Mitarbeit, zur Propagierung des K. C -(Gedankens herangezogen werden. Die jüdischen deutschen Frauen und Mädchen müffcii ebensogut wie die Männer den Kampf ums Recht in Gegenwart und Zukunft vlitkämpfen, mitkttmpfe'n mit ihren Waffen. Ihre Waffen sind bescheidenes und doch selbstbewußtes Allftretell in Wort imd Tat, begründet durch das Bewußtsein des Wertes der jüdischen Abstammung, begründet durch ihre Liebe 511m deutschen Vaterlande, durch ihr Recht aufs deutsche Vaterland. Unsere Frauen und Mädchen müssen imstande sein, den andersgläubigen Deutschen, den Christen ivie den andersdeukellden Juden, den Zionisten, ihren rechten, echten jüdischen deutschen Standpunkt erfolgreich auseinanderzusetzen. Wie ist dies zu erreichen? Durch ständige Propagierung des K.C.-GedankenS, auch den Frauen gegenüber. Es sei eine Ehrenpflicht jedes K. C.ers, seine Frau, seine Lebensgefährtin, an unseren vitalsten Interessen teilnehmen zu lassen, sie geistig und charakterlich so hoch zu stellen, daß sie wirklich seine Kampsgenossin sein kann, seine gleichgestellte Beraterin, der er mir derselben Hochachtung und Verehrung gegenübertritt wie sie ihm, der er voll Vertrauen die Erziehung seiner .Kinder iibergeben kann, die ja innner zum großen Teil in den Händen der Mutter liegt. Die Tatsache, daß hervorragende Männer so oft bedeutende Mütter hatten,.müßte Männern mit Vernntwvrtlichkeitsgestthl zu denken geben. Und unsere Jugend! Gibt es etwas Schöneres, als „wenn der Jüngling lehrhaft lind das Mädchen lernbegierig ist"? Mögen unsere jungen St. C.er den jungen Mädchen, die sie für würdig erachten, ihren Wein- oder Sektzipsel mit ihren Verbindung-sarben zu dedizieren, gleichzeitig oder vielmehr noch vorher die Bedeutung dieser Farben klar machen! Mögen sie nur diejenigen Mädchen dieser Dedikation für würdig erachten, die in vollem Umfange den K. C-Gedanken zu dem ihrigen gemacht haben, die genügend Geist und Charakter haben, ihn zu vertreten. Wenn die Frauen und Mädchen sich an der Propaganda des K. C.-Gedankens mitbeteiligen iverden, wird der K. C., was ich von Herzen wünsche: blühen, wachsen und gedeihen! Neue Universitäten für Deutschland! Bon Moritz de .>onge. Seit 42 Jahren ist die Bevölkerung des Deutschen Reiches von 40 auf 07 Millionen angewachsen, hat sich also um zwei Drittel ihres bisherigen Bestandes vermehrt. Aber die Zahl der 21 Universitäten ist in dieser Zeit (genau seit 1872, dem Jahre der Gründung der Universität Straßburg) auch noch nicht um eine einzige gewachsen, wenn auch nunmehr mit Sicherheit darauf gerechnet werden darf, daß die im fortgeschrittenen Embryonalsladium beflndliche Frankfurter Universität 1014/15 das „Licht der akademischen Welt" erblicken wird. Der Ausbau der Akademie Münster von einer Halb-Universität zu einer Dreiviertel-Universität und die Gründling der Posener Akademie, einer Halb-Universität, die der historischen Genauigkeit wegen erwähnt werden mögen, können diese negative Feststellllng nicht erschüttern. Das Heer, welches auch eine „Schule des Volkes" sallerdings auch graduell nur als Volksschule, nicht als .Hochschulet sein soll, ist entsprechend dem Bevölkerungszuwachs stetig vermehrt lvorden und rvird gerade in dieser Zeit rvieder mit Hilfe eines Milliardenvpsers .vermehrt. Mit Stolz wird die gewaltige Zunahme der Kilometerzahl der Eisenbahnen und Telegraphendrähte von der Statistik registriert. Auch die zahlreichen neuen Museen, die seit 40