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KC-Blätter · 1913-07-01 · Heft 10-11 (1.7.1913) · p. Seite 217

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 10-11 (1.7.1913)
Date
1913-07-01
Page
Seite 217 (sequence 17)
Language
German
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217 sind, ohne selbst dabei unsere guten jüdischen Eigenschaften aufgeben zu müssen, wie Wagner, sein Freund Lang und sogar der Jude Friedemann (vgl. oben) dies noch 1869 forderten — und übrigens auch heulS noch manche fordern, im Gegensatz zu der nach der anderen Seile hinübertreibenden Partei, die das „Nationaljudentum" auf Kosten des Deutschtums konservieren will. Wollen wir nun angesichts dieser Sachlage den eigentlichen Standpunkt WagnerS gegenüber dem Judentum endgültig feststellen, so müssen wir fragen, ob der Meister mit unserer Entwicklung einverstanden wäre, oder ob er, wie der moderne Antisemitismus, ihr starr ablehnend gegenübergestanden hätte. Diese Frage ist mit apodiktischerSicheryeitwvhl kaum zu beantwortenaber ich glaube annehmenzu dürfen, daß Wagner, trotz aller Uebertreitnmgen, Falschschltifse und Gehässigkeiten seiner Schrift, doch im Prinzip den Juden nicht feindlich gesinnt ist, — nur wollte er sie nicht gegen die Deutschen, sondern mit den Deutschen gehen lassen, wollte sie selbst zu Deutschen machen. Daß er dieses Ziel vor sich sah als möglich und erstrebenswert, ist das Moment, das ihn himmelweit von dem heutigen Antisemitismus trennt. Und daß er den „deutschen Juden", der daS Ziel erreicht hatte, zu schätzen und zu ehren wußte, das hat er nicht tiur durch Worte, sondern auch durch die Tat bewiesen, indem er seinX letztes, erhabenstes Werk, den „Parsifal", bei seiner ersten Aufführung in Bayreuth von Hermann Levi dirigieren ließ. Das hätte ein Antisemit nie fertiggebracht, einem Juden eine solche Ehre widerfahren zu lassen! Aber Wagner war eben im Grunde seines Herzens kein Antisemit, und ihn vor allen würde es freuen, zu sehen, wie wir, nicht durch ein äußeres Moment, sondern durch den Zwang deS Herzens getrieben, ihm, dem großen Deutschen, freudig folgen, wenn er uns zuruft: „Ehrt Eure deutschen Meister!" rst He „Die waidhosener." In Oesterreich, wo die nationalen Gegensätze hart aufeinderpralle», ist das ganze politische Leben von Kämpfen erfüllt, deren Schärfe uns in Deutschland fast unbegreiflich erscheint. Daher wundern wir uns schon kaum mehr, loettti wir zuweilen von den österreichischen Hochschulen von Prügeleien und Holzereien hören, die nach unseren Begriffen nichts weniger als studentisch sind. Wenn wir dann allerdings aus Prag von Uebersällen der Tschechen auf deutsche Studenten hörten, rvaren naturgemäß unsere Sympathien aufseiten derer, mit denen uns Kulturgemeinschaft verbindet. In einein ganz anderen Lichte erscheint aber die „deutschnationale" Studentenschaft (es handelt sich hierbei lediglich um die antisemitische Gruppe der zum „Waidhosener Verband" gehörenden Vereine") bei den Prügeleien in Graz mit katholischen und in Wien mit jüdischen Studenten. Ir» Graz haben deutschnationale Studenten anläßlich des 25 jährigen Stiftungsfestes der kathvlischeu Verbindung „Carolina", ohne irgendwie angegriffen oder provoziert zu sein, den Festzug nach Art von Wegelagern überfallen und die Teilnehmer, darunter reichsdentsche (!) Gäste verprügelt und ihre Nitterlichkeit »bniinejir noch dadurch bemühtt, daß sie 's h»*m-»* mit Jmtche übergosseu (!j uitd mit Steinen tt«D Kvt bewarfenk lind daS zur Ehre des Deutschtums! Drei Tage später griffen in Wien die nntisemitischeu „deutfchnationaleu" Studenten mit zehnfacher Uebermacht die zionistischen Studenten an und es kam zu dem üblichen Kampfe um den Besitz der Aula und der llniversitätsrampe, der sich an den folgenden Tagen immer wiederholte. Mit welcher Erbitterung und Gehässigkeit diese Kämpfe geführt wurden, davon zeugt eine Episode einer Prügelei in der Aula, über die v. Hofmannsthal folgendes berichtet: „Als einer der jüdisch nntionnlen Studenten infolge der Atmosphäre, in der er stundenlang ausgeharrt hatte, und der Mißhandlungen ohnmächtig! wurde, lud ihn eürer seiner Genossen rmf die Schultern, um ihr« hiuauSzutrageu. Da bilderen die Deutschuationaleu eine Gasse, um ihn durchzulassen, wohl in der echt germanisch-ritterlichen Cmpfindung, daß turtii dem wehrlosen Gegner sreierr Abzug gewährt. Aber als der jüdische Student mir seiner Vast in der Mitte der Gasse »onr, er allein inmitten von Hunderten, da schlossen die.Herren die Gasse lind droschen auf den Ohnmächtigen und auf de»l durch seine Vast Wehrlosen tos. Ich kenne aus der Geschichte der Kämpfe mit den müdesten Bölkerschasten kein Beispiel ähnlicher Niedrigkeit, Falschheit und tierischer Nohheit." Wenn das Deutschtum i« dieser Weise verfochten »vird, dann braucht man sich wahrlich nicht darüber zu wundern, daß die Deutschen in Oesterreich von Tag zu Tag in geradezu erfchrecketider Weise zurückgedräugt werden. Die Ursache der Schlägereien zwischen den antisemitischen und den zionistischen Studenten bildet dersogenannte „Waidhosener Beschluß", den die im Waidhosener Verband vereinigten antisemitischen deutschnationalcn Vereine im Jahre 1896 unter dein Einflüsse Schönerers gefaßt haben, den sich darauf auch ein Teil der dentfchnationalen Burschenschaft zu eigen gemacht hat. Der Beschluß stellt wohl das Ungeheuerlichste und Be-

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