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KC-Blätter · 1913-07-01 · Heft 10-11 (1.7.1913) · p. Seite 218

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 10-11 (1.7.1913)
Date
1913-07-01
Page
Seite 218 (sequence 18)
Language
German
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schämenfte dar, was je fanatischer Rassenhaß hervorgebracht hat. „In vvüster Würdigung derTatsache,das; zivifchen Ariern und Juden ein tiefer moralischer und psnchischer Unterschied besteht und dntz durch jüdisches llinvesen unsere Eigenart schon viel gelitten l>at, und in Anbetracht der vielen Beweise, die anch der jüdische Student von seiner Ehrlosigkeit und seiner Charakterlosigkeit gegeben, saht die hettlige Bersanunlntig deutscher, ivehrhafter Studentenverbindungen den Beschluß, dem Juden ans keine Waffe mehr Genugtuung zu geben, da er nach nuferen deutschen Begriffen deren unwürdig und der CH re völlig bar ist." Eilie solche Erklärung, die einer Gemeinschaft von Millionen eillsach die Ehre abschneidet, dürste einzig in der Weltgeschichte darstehen. Gewiß auch die deutschen Antisemiten Chamberlain, Stöcker nsw. suchen die Juden als minderwertig hinzustellen, uieurals ist es ihnen aber eingefallen, alle Inden allsnahtnsloS als ehrlos zu bezeichnen. Es ist ja allerdings recht bequem, den jüdischen Studenten zu verhöhnen und zu beschimpfen, ohne dabei etlvas zu riskieren. ES sei übrigens bemerkt, daß ein großer Teil der deutschen Studentenschaft den Standpunkt der Waidhosener »nißbilligt. Dieses ist ja selbstverständlich bei den deutsch-freisinnigen Studenten. Aber anch die deutschen Korps haben sich in einer Erklärung an den Rektor ausdrücklich gegen das Waidhosener Prinzip ausgesprochen. Die Erklärung lautet: „Die vier Wiener .Uorpo „Alemannia", „Posvnia", „Saxonia" »md „Symposion", stets bereit, für den dentfüien Charakter ltnb die Freiheit der Universität einzntreten, gestatten sich, Eurer Atagnifizenz die Erklärung abzngeben, das; sie diesen ihren Standpunkt unter allen Umstanden nur in akademischer Form zu vertreten bestrebt sind. Sie geben ferner die Erklärung ab, das; sie den Bvrsallen an der llniversität von, 17. und 10. Mai d. I., als mit ihrer Auffassung der unbedingt ritterlichen Anötragung von Gegensätzen nicht vereinbar, vollständig sernstehen." Auch die Hochschulbehörde mißbilligte von jeher den Beschlußde,u hat der Senat jetzt wiedermn in folgender Erklärung Ausdruck gegeben: „Der Senat hat bereits im Jahre IGttt, als eine Gruppe deutschnativnaler Studenten die jüdischen Studenten als der Ehre bar erklärte und ihnen deswegen die SatissaktivnSfähigkeit absprach, eine derartige sch 10ere Beleidigung verurteilt und ist gegen Teilnehmer an jener Beschlußfassung auf disziplinärem Wege vvrgegangen. Der Senat steht heute ans demselben Standpunkt wie von jeher. Er betrachtet und behandelt alle Studierenden als gleichberechtigte akademische Bürger. Was die Bvrgänge der jüngsten Zeit anlangt, welche zu den unwürdigen und höchst beklagenswerten Szenen auf akademischem Boden führten, so mißbilligt der akademische Senat alle von beiden Seiten vorgefallenen Provokationen und Ausschreitungen auf das schärfste. Der Senat weist bei diesem Anlasse aus ein schon anderwärts erprobtes Mittel zur Schlichtung von Streitigkeiten unter den Studierenden hin, auf ein akademisches Ehrengericht." Der Senat zieht allerdings aus seinem theoretisch sestgelegten Standpunkt leider nicht die praktischen Konsegnenzen. Die Einführung eines Ehrengerichts kann doch zweifellos nicht als ein rvirksarnes Gegenmittel gegen die Ehrloserklarung eines großen Teiles der akademischen Bürger gelten. Man kann aber auch der jüdischen Studentenschast Oesterreichs einen Vorwurf nicht ersparen. Hätte sie von vornherein ihre Pflicht getan, hätte sie mit der Entschiedenheit, die sie jetzt endlich anfznbringen scheint, den Beschluß sofort bekämpft, daun wäre es ein Unding gewesen, daß der Waidhosener Standpunkt, den die Behörden von Anfang an als ungesetzlich bezeichnet haben, siebzehn Jahre bestehen konnte. Auch in Deutschland war die antisemitische Stndentenschasi lange Aeit bemüht, eine dem Waidi,oscner Prinzip entsprechende Satisfaktionsverrveigerung ihren jüdischen Kommilitonen gegenüber durchzuseyen. Wie oft ist arlch uns K. E ern gegenüber die kneiferische Ausrede gebraucht worden: „Inden gebe ich keine Satisfaktion!" Wir haben uns gegen solches Borgehe» zu rvehren gewußt, und weuu heute derartige Aurempeleien eine Seltenheit geworden sind, iveun ein Beschluß wie der Waidhosener in der deutschen Stndentenschasi wohl ausgeschlossen erscheint, so ist das nicht zum geringsten dem kousegueuten energischen Kampfe des .St. C. zu danken. In Oesterreich fehlt aber eine ähnliche Organisation der jüdischen Studentenschaft. Hier sind die jüdischen Studenten nur in zionistischen oder in dentschfreisinnigeu Verbindungen organisiert. Hindert bei jenen das Nachjagen nach weltfremden Utopien, die Absorbierung durch die Parteitätigkeit und schließlich die theoretische Annäherung all die antisemitisch nationalistischen Anschauungen eine konseguente Bekämpfung des Antisemitismus, so fehlt diesen die Legitimation, vielfach anch die Entschlossenheit und der feste Wille, für die jüdische Studentenschaft einzntreten. Wir hoffen, daß jetzt, wo endlich die jüdische Studentenschaft mit aller Energie gegen den Waidhosener Beschluß ankänipst, eS gelinge» niüge, diese schmachvolle Ehrabschneiderei aus der Welt zu schaffen. Wir wünschen ihnen bei ihren Bestrebungen vollen Erfolg. Karl Löwenstein, Aachen.. * * *

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