KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 10-11 (1.7.1913)
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 215 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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2tr> Warnung davor. Es fei darum das Hauptsächlichste im Auszug wiedergegeben: „... Da st man auf jüdischer Seite noch immer so häufig und gerne Kontroversen gegen das germanische Element fortspinnt, dast trotz der Emanzipation der Kampf zwischen jüdisch-orientalischem und christlich-germanischem Element fortdauert, ja sogar bisweilen in nichts weniger als leidenschaftsloser, blost theoretischer Weise geführt wird, ist eine nicht zu leugnende Tatsache. Der Grund liegt nicht etwa in der konfessionellen Verschiedenheit. . . . Nein, die Ursache liegt tiefer, sie liegt in dem nationalen Grundcharakter der Juden. Die Juden sind — dos möge man stets bedenken, wenn man über die Jndenfrage sprechen will— eine Nation, allerdings eine in alle Welt zerstreute, vertriebene, aber nichtsdestoweniger eine zähe, ausdauernde. die unter Umstanden auch noch eine beträchtliche Dosis Fan atismus fürihreNationalitäl auszubieten imstande wäre.. .* *) Wir haben die Juden emanzipiert — fast überall und ganz2) — sie haben die Emanzipation angenommen, ben Boden. . okkupiert, aber zum grvsten Teile als Opponenten gegen unser Staatswesen und Kulturleben. . . Der soziale oder, wenn man will, politische Inhalt der Broschüre spitzt sich in dem lebhaften, fast feierlichen (!) Note ans (sic), den Wagner dcmIndentumerteilt,„uch selbst zu emanzipieren". Dreimal richtet er diesen ernst und wohlgemeinten (Ü) beherzigenswerten Appell an seine Gegner und Freunde im Judentum, zuerst in in der Dedikation an Frau von Muchanoff, dann am Schluß des eigentlichen Artikels und endlich nochmals am Schlüsse des zweiten Teils. Allein diese versöhnenden Worte hat man wohlweislich verschwiegen, ignoriert, unterdrückt, und das ist das Unehrliche in dem Kampf des Judentums llnd der musikalischen und Zeitnngs-Polentik überhaupt gegen Richard Wagner. Die offene, rückhaltlose — unterllmständen fast unklug zu nennende (!) — Ehrlichkeit Wagners hätte mindestens von den Gegnern und Betroffenen gegenseitige Ehrlichkeit bea,lspruchen dürfen. . . AuS Auszügen . . der auf den Nervenreiz der Leser spekulierenden Blätter kennt die Mehrzahl der beleidigten Juden das Buch, und dennoch brach man den Stab über seilten Verfasser. So hört denn, meine jüdischen Freunde (!), tvas Wagner eigentlich Euch ans Herz gelegt hat!... Sehr treffend ist es, dast R. Wagner dem Judentum seinen gerechten Stolz, den großen Börne als Muster vorhält, welcher gelehrt habe, „wie die Erlösung nicht in Behagen und gleichgültig ») Ist das nicht geradezu eine Prophezeiung des „Nativnalittdentuins"'? *) vergl. Nvrdd. BundeSgesetz von 3. VII. 18G9 betr. die freie Religionsüdung. kalter Bequemlichkeit erreicht werden kann, sondern dast sie Schweiß, Not, Aengste und Fülle des Leidens und Schmerzens kostet". Gemeinschaftlich mit unS Mensch werden, heißt für den Juden aber zu allernächst so viel als aushören, Jude zu sein; diese Ansicht WagnerS darf nicht mißverstanden werden. Nicht wollen wir..,daß Ihr insofern aushvren sollt,Juden zu sein, indem Ihr Christen werdet und in unsere christliche Gemeinschaft cintretet. Die Zeiten sind gottlob um, wo tüchtige ausgezeichnete und musterhafte Judenjünglinge sich der christlichen Taufe unterziehen mußten, um Stetten zu erlangen, und etwa in Oesterreich Professoren, Hofräte oder Unterstaatüsekretäre zu werden.. .*) Nicht in unsere kirchliche, aber in unsere bürgerliche Gemeinschaft sollt Ihr eintreten — aber völlig, ganz, rückhaltlos und ohne.Hintergedanken — als Söhne eines Landes, vollberechtigte Bürger eines Staates, Kinder eines lieben BaterS. Aber das erfordert eben ein Ausgeben gewiffer. Euch aus der Zeit des Druckes, der Verfolgung, der Zurücksetzung anhaftender Vorurteile, nationaler Absonderlichkeiten. Das religiöse Element sollt Ihr wahren, heilig halten, aber daS nationale müßt Ihr opfern.. . Ihr seid fortan Deutsche, keine Juden — im engeren Sinne des Wortes l — mehr. .. Wir haben Euch emanzipiert, emanzipiert Euch nun selbst von dem mehr als mittelalterlichen Drucke.. . Mit dem Verschweigen, Vertuschen, Beschönigen ist hier nichts getan, darum hat R. Wagner nicht so unrecht, wenn er sagt: „Soll das jüdische Element uns in der Weise assimiliert werden, daß es mit uns gemeinschaftlich (!) der höheren Ausbildung unserer edlen menschlichen Anlagen zureise, so ist eS ersichtlich, daß nicht die Verdeckung der Schwierigkeiten dieser Assimilation, sondern nur die offenste Aufdeckung derselben hierzu förderlich sein kann". So hat, wie alles im Leben zwei Seiten hat, vielleicht auch die neueste Schrift WagnerS nebst der bösen — der gegenseitigen (!) Erbitterung und Erhitzung der Gemüter gegen einerl rvahrhaft großen Künstler, der hierin mit den Juden Aehnlichkeit hat, daß er viel gestritten und gelitten hat - auch die gute Sette, daß die Frage nach derStellung des Judentums zum Staate und zur Kunstdiese wichtige Kulturfrage (!) — von ganz neuen und bisher unberührt gebliebenen Seiten beleuchtet wird". DieS waren die Antworten, die Wagner im Jahre 1869 auf feine Broschüre erhielt; erst nachdem wir sie in den Kreis unserer Betrachtungen einbezogen haben, können wir heut - ein halbes Jahrhundert später — über den Wagner- M So stand es 1869 in Oesterreich, und 1913 in Preußen?