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KC-Blätter · 1913-07-01 · Heft 10-11 (1.7.1913) · p. Seite 214

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 10-11 (1.7.1913)
Date
1913-07-01
Page
Seite 214 (sequence 14)
Language
German
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Bestrebungen dieser beiden Männer Wendel ssohnS und Schumanns) verdanken wir es zum großen Teil, daß wir nur die musikalische Erbschaft dreier Jahrhunderte in vollem Maße angetreten haben, von deren Genüsse uns keine äußeren böswilligen Einflüsse abznbringen im Stande sind. T)aß auch der jüdische Musiker reinen Sinn und richtiges eindring» licheS Verständnis für die großen Schöpfungen der Musik haben, daß er befähigt sein kann, sie dem Publikum vorzuführen und ihre Aufführungen in trefflichster Weise zu leiten, daran zweifelt wohl niemand, der einmal einem von Mendelssohn dirigierten Musikfeste beigewohnt oder manche der jetzt lebenden Kapellmeister hat fungieren gesehen. Ein anderes aber ist es, ob sie berufen sind, durch ihre Produktionen den musikalischen Markt oder Geschmack zu beherrschen, ob den Erzeugnissen ihres Geistes der Stempel der universellen Wahrheit und Bedeutsamkeit ausgedrückt ist. Das ist nicht einmal bei Mendelssohn der Fall ... Es ist eben der Mangel an tiefer, herzdurchglühter Leidenschaft und jener Ruhe, die aus dem beschwichtigten Kamps derselben hervorgeht, der Mangel an wahrem Pathos und heroischem Aufschwung, welcher auch den Werken jenes Meisters nuv eine sekundäre Stellung im Reiche des Schönen verweist. Dabei wollen wir die blühende Schönheit seiner Sprache, die Glut des Kolorits, den Reichtum der Phantasie, die gefällige Glätte der Form gewiß nicht verkennen . . . Das musikalische Kunstwerk ist . . Produkt des ganzen Menschen, Ausfluß und Abdruck der ganzen Persönlichkeit — und wird also auch so lange noch etwaö Jüdisches haben, als der Jude im Komponisten noch nicht ganz vertilgt ist. Und daS war er auch in Mendelssohn nicht." Diese Ausführungen haben auch heute noch nicht ihre ganze Bedeutung verloren (vergl. darüber unten). Was alle bisher zitierten Erwiderungen gemeinsam haben, ist, wie ich noch einmal hervorhebe, die Empörung gegen Wagner, verursacht wohl mehr durch den maßlosen Ton der „Aufklärungen", übertragen auf die leider gleichfalls oft schiefen Ausführungen des Artikels selbst. So wurden die Gemüter nrlr immer mehr erhitzt, die Parteien käme»! immer weiter auseinander, das gegenseitige Mißverständnis wurde immer ärger, zum großen Bedauern aller wahrhaft „Wohlgesinntelt", darunter vor allem WagnerS selbst. Der oben schon einmal angezogene Brief an Tausig zeugt auch dafür,' er hat seinen Anlaß in einer Depesche Tausigs an Wagner nach einem „Lohengrin"-Abend in Berlin mit dem Inhalt, dieser habe Wagner „die Judenschast Berlins wieder versöhnt") Wagner erwiderte: „Deine Versicherung, alle Juden feien mir versöhnt, hat natürlich auch ihre Wirkung auf mich gemacht. Es ivüre wirklich nicht übel, wenn von gescheiten und geistvollen Juden meine Broschüre nur eigentlich ordentlich gelesen würde, aber lesen scheint jetzt kein Mensch mehr zu können ..." Unter diesen Umständen war es dankbar zu begrüßen, daß ein christlicher Wagner- und Judenfreund — also nach meiner Einteilung ein Vertreter der vierten Gruppe -, Julius Lang, alS eine Art OffiziofuS zwischen den Gegnern vermittelte. Lang spricht es gleich aus der ersten Seite seiner Broschüre ‘) aus, ihr Zweck sei: „Die Wahrheit, der in diesem Falle von beiden Seiten (!) zu nahe getreten wurde, zu Ehren zu bringet:, zufällige oder absichtlich hervorgerufene (!) Mißverständnisse zu beseitigen und zur Klärung der eigentlichen Frage (!!), zur Versühnung der beide:: in einem heftigen und höchst bedauerlichen s!) Kampfe begriffenen Parteien beitragen zu können." Sodann führt Lang den Brief an Tausig als Beweis dafür an, daß Wagner sich selbst mißverstanden sieht und meint, daß dies, „noch mehr im Interesse der Juden . . als Wagners", bedauerlich sei Er konstatiert, daß „die Koryphäen des Judentums — Kapazitäten, deren Stimmen wiegen", sich zu der Frage nicht geäußert hätten. Dec Na,ne des Verfassers und der behandelte Gegenstand hätten die an sich gar nicht so bedeutsame Broschüre zu einer „cause cölöbre“ gemacht, über die jeder Ignorant meinte, sein Urteil abgeben zu müssen. Nur dadurch, daß Wagner, von den: Kunstthema ausgehend, die Nationalitätenfrage angeschnitten habe, seien weitere Kreise in die Debatte hereingezogen worden) diesen sei aber der Artikel von vorn herein als ein „Brandbrief gegen die jüdische Nation denunziiert" worden. Gegen solche — vorsätzliche oder fahrlässige — Entstellungen protestiert Lang im Sinne des Verfassers und geht daran, die ganze Frage vorurteilslos, gründlich und ernsthaft zu besprechen, womit nicht gesagt sein soll, daß wir ihm in allen Punkten zustimmen. Das Resultat seiner Er:vägungen ist für uns in dreifacher Hinsicht interessant: erstens als Spiegel des damaligen Verhältnisses der Juden zu den Christen im allgemeinen und zum Staat ' im besonderen) zweitens als authentische Darleguna der wirklichen Ansichten Wagners über die „Judenfrage") als ein Vorausahnen der heutigen Parteiung im Judentum fl) und eine x) Zur Versöhnung des Judentums mit Richard Wagner.Mit Benutzung zweier noch nicht veröffentlichter, auf diese Angelegenheit Bezug habender Briefe Wagnerv. Ein unparteirsches Votum von Julius 2ang Berlin 1869.

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