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KC-Blätter · 1913-07-01 · Heft 10-11 (1.7.1913) · p. Seite 213

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 10-11 (1.7.1913)
Date
1913-07-01
Page
Seite 213 (sequence 13)
Language
German
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Richard Wagner und das Judentum. Bon Arthur Wolfgang, Breslau. (Schluff.) Die Ausnahme der Broschüre entsprach ihrem Inhaltdie Skandalgeschichte entfesselte einen Skandal. Mehr als einhundertuudsiebzig Gegenschriften sollen (nach ChamberlainS*) Angabe) erschienen sein, größtenteils natürlich von Inden. Ausfällig aber ist und m. E. bezeichnend. daß die bedeutendsten Juden der Zeit, Berthvld Allerbach,Alfred Meißner, I. I. Jacobi, Leopold Kompert, Moriz Hartman»», auf die Anzapfungen der „Aufklärungen"nicht reagierter», sondern die Antrvort „obskuren Skribenten" überließen. Und selbst den ernsten Erwiderungen merkt nran eS an, daß die Maßlosigkeit der Borrede den Leser gar nicht zur vollen Erkenntnis des erst zuletzt hervortreterlderl Erzlehungsgedankens des Artikels selbst kommen ließ. Man kann die Gegenschriften nach ihren Autoren in vierGruppen eintcilen: in Schriften von jüdischen Wagnerfeinden und -freunden und von christlichen Wagnerfeinden und .freunden. Die überwiegende Mehrzahl dürste die erste Gruppe bildenich rechne hierunter, da sie mir typisch zu sein scheinen, die Gemeinheiten des Herrn Eduard Maria Oettinger'), der sich als „Ex-Jude" und Wagner- Verehrer aufspieltundeinePhrasedickausdieandere häuft. Zu den aufrichtigen Waqnerfreunden ist dagegen der Jude Edmund Fried ernannt zu zähle»». Er ist einer von denen, die Wagner voll und ganz verstehen könnten, »venr» die „Aufklärungen" sie nicht beizeiten kopfscheu gemacht hätten. So sieht auch er nur das Negalive in Wagners Broschüre, und es kommt in ihm zu einem harten Kampfe zwischen seinen» Judentum auf der einen und seinem künstlerischen Ido! auf der andern Seite. Tieftraurig erscheint eS, wenn dieser Mann nach schmerzlichen» innerer» Ringen bereits im Jahre 1869 zu einer Erkenntnis kommt, die wir heute leider auch auS anderen Tatsachen gewonnen haben: er schließt seine Schrift mit den Worten: „Wenn ich in dieser Entgegnung ein wenig heftig ge- »vorder» bin, so sei es mir verziehen. Diese , Aufwallung des Zorns kam aus einem tiefschmerziichen Gefühl, das ich empfand, als ich mich in einem Manne getäuscht sah, der bisher ')Houston StewartChamberlain,NichardWagner. München 1M1. *) Eduard Maria Oettinger, Offenes villst-äou» an den berühmten Hepv.Hepp-Schreier und Illden. Treffer Herrn Wilhel»»» Richard Wagner. Dresden 1869. ') Edmund Friedemann, Das Judentum u»»d Richard Wagner. Berlin 1869. zu meinen Idealen gehörte. Ich werde stets wie vorher ein Verehrer feiner Kunstwerke bleiben und hoffe, daß auch alle meine Leser künftighin den Künstler vom Menschen unterscheiden »verde»»." Vorher bereits bemerkt er, nachdem er Wagners Schrift eingehend und ziemlich sachlich durchgesprochen, stellenweise auchrnitgroßerSchlagkrast »viderlegthat: . rmr die Fehler dieser Nation auszudecken, von den edlen Keimen aber »veiSlich ganz zu schweigen (was Wagner übrigens nicht getan hat), das zeugt, ich ka»»n nicht urnhin es auszusprechen, von einer Niedrigkeit des Charakters, die uns bei einem Künstler, den »vir sonst verehren, doppelt schmerzt. Wollte man dieselbe gehässige Maxime der Charakteristik bei den Deutscher» a»»»vendeu, man könnte auch sie schlecht genug darstellen." So tief fühlt sich Friedemann durch Wagners Aeuherungen verletzt, daß er in dem Schlußpassus des Artikels nicht deffrn eigentlichen Zweck, sondern lediglich eine „versöhnliche Mahnung" erblickt! Er meint, waS Wagner da sagt, ist ja alles recht schön, aber zunächst „»verden Sie selbst erst Mensch, streifen auch Sic Ihr natioval-romantisch-deutschtümelndes Element (vergl. oben Wagners Allsdruck in den ,^lnfklärunger»"l ab, — um es nicht mit Schopenhauer (!) christlich-germanische Dummheit zu nennenvielleicht gelingt es Ihnen noch- »vir »vollen es hoffen." Unter den Erwiderungen von christlicher, aber rvagnerfeindlicher Seite liegt mir ein eigenartiges Produkt eines „Unparteiischen"*) vor, das sich dadurch auszeichnet, daß es keiner derin Frage stehendenParteienGerechtigkeitwiderfahren läßt. Einerseits wird — und zwar wiederum offensichtlich aus Grund der „Aufklärungen" — Wagner aufs heftigste angegriffen: „Das giftgetränkte Pamphlet, welches der bekannte Dichter- Komponist gegen eine ganze religiös-nationale(8»o!) Genossenschaft geschleudert hat..." — so beginnt der Aussatz. Anderseits finden »vir stark antisemitisch angehauchte Bemerkrrngen wie: „ . . . Und zu bedauern ist es, daß deutsche Indolenz und Trägheit den unerrnüdiich strebsamen Söhnen Israels die bevorzugteste!» und einflußreichster» Stellen in die Hände gespielt hat." Immerhin hat der Verfasser, der selbst Musiker zu sei»» scheint, über das Verhältnis der Juden zur Musik überhaupt und z»»r derrtschen Musik im besonderen einige treffende Bemerkungen gemacht. So trennt er namentlich — »vas Wagner selbst vermengte — produktive und reproduktive musikalische Begabung der Juden: „Den 9 Richard Wagner und das Judentum. Ein Bei. trag zur Kulturgeschichte unserer Zeit yoi» einem Unparteiischen. Elberfeld 1869. . > .

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