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KC-Blätter · 1913-07-01 · Heft 10-11 (1.7.1913) · p. Seite 212

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 10-11 (1.7.1913)
Date
1913-07-01
Page
Seite 212 (sequence 12)
Language
German
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nem Wert gelten, sowohl durch die Fülle grundlegender politischer Ideen und neuer Erkenntnisse, wie den streng systematischen Ausbau, der in drei Teilen, die wieder in drei Unterabteilungen gegliedert sind, Leben und Wirken deS großen Staatsmannes nicht nur schildert und „malt", sondern psychologisch untersucht. Bon den Resultaten dieser Untersuchungen ist eines der interessantesten der mit zwingender Logik und kristallener Klarheit von Schmitz gesührte Beweis, daß D'Jsraeli seine staatsmännischen Erfolge erzielt hat nicht trotzdem er Jude, sondern weil er Jude war! Wie ein roter Faden, wie eine immer wiederkehrende Melodie durchzieht das Buch die Erkenntnis des Kansalzusammenhanges zwischen den politischen Werken und dem — jüdischen Wesen des Mannes, der: „nicht nur Engländer, sondern zugleich Orientale war", „jenen alten Mittelmeerrassen", zugehörig, deren historischpolitischen Kulturwert der Verfasser mit klassischer Objektivität richtig, d. h. sehr hoch einschätzt, „mit Luftwurzeln im Geiste seiner Rasse wurzelnd, der um Jahrtausende den Verlust des Heimatbodens überdauert hat". In diesem jüdischen Wesen erkennt Schmitz einen großen, überaus wichtigen Teil der psychologischen Voraussetzungen für D'Jsraeli'S rühm- und erfolgreiche Laufbahn — vor allem die ungeheuere, auch durch Mißerfolge nicht zu erschütternde Festigkeit und int jüdischen Optimismus wurzelnde zielklare Zähigkeit deS Willens, die zähe Geduld des Wartens, der Wille, keine Niederlage als eine solche zu betrachten, sondern nur als eine notwendige Stufe auf dem Weg,' die „orientalische" Phantasie, die den echten Staatsmann als Staatskünftler vom tüchtigen politischen Routinier unterscheidetdie universelle Vielseitigkeit der sachlichen Interessen und die weltmännisch umfassende Fähigkeit der Menschenbeurteilung und Menschenbchandlung. u. a. m. Besonders klar heransgearbeitet wird dieser jüdische Kern D'Jöracli's bei der Gegenüberstellung mit seinem„Widersacher" Gladstone, den Schmitz gerade infolge seiner Eigenschaft als „Urenglünder" mit allen Mängeln und schweren Charakterfehlern nationaler Einseitigkeit behaftet schildert, von denen D'Jsraeli frei war. Ja, am Schlüsse seines Buches scheut der Verfasser sich nicht, D'Jsraeli mit dem von ihm bewunderten und geliebten Bismarck (dem „fest in seinem Boden wurzelnden Necken") zu vergleichen und auch hier dem Juden manche, aus seiner Stammeszugehörigkeit zu erklärende Vorzüge vor Bismarck zuzuerkennen („Bismarck hatte die tieferen Wurzeln, D'Jsraeli den weiteren Blick" u. a. m.) — Allenthalben weist der Verfasser aber auch darauf hin, daß die rein objektive Entfaltung der spezifisch jüdischen Stammesvorzüge D'Jsraelis nicht möglich gewesen wäre oyne das stolze, starke, nie und nirgends unterdrückte Bekenntnis seiner jüdischen Abstammung. Nicht bloß das indirekte Bekenntnis, das in der besonders liebevollen Gestaltung der zahlreichen jüdischen Helden seiner historischen und politischen Tendenz-Romane zum Ausdruck kommt, kennzeichnet ihn zum stämmesstolzen Juden,' auch die direkten Bekenntnisse durchziehen sein ganzes Leben wie ein Leitmotiv! „Ich bin keinen Augenblick geneigt, zuzugeben, daß mein Stammbaum nicht ebensogut, ja, nicht noch besser [!!] sei, als der der Cavendish's!" — dieses kühne Wort, welches der 43-jährige Benjamin D'Jsraeli in einer Webe zu Aylesbury sprach, nachdem er zehn Jnhre im Unterhause gesessen und das Gehör des Landes seit langem gesunden hatte, war der jüdische, sozusagen: stammespolitische Wahlspruch seines ganzen Lebens! Oskar Schmitz schließt sein an Ideen und Lehren überreiches, in einem glänzenden, durch Kraft und Klarheit gleich ausgezeichneten Stil geschriebenes Buch mit „drei Lehren für Deutschland". In einem dieser .^Lehrabschnitte" übt er Kritik am Parlamentarismusim zweiten macht er Propaganda für sein Programm des „konservativen Fortschritts",' im dritten äußert sich dieser „Freikonservative" (im allgemeineren, nicht preußisch-traditionellen Sinne dieses parteipolitischen Begriffs) zur „Judenfrage". .Hier zieht er zunächst eine überaus tief durchdachte Parallele zwischen D'Jsraeli und Laffalle, den „die eigenartigen Verhältnisse unseres Landes getrieben haben, den umgekehrten Weg zu gehen". „Während der englische Jude Benjamin D'Jsraeli, der Neuformer des Torytums, Premierminister und Peer von England geworden ist, hat der deutsche Jude, Ferdinand Lassalle, die Revolution organisiert." „Es gibt Naturen, die, wenn sie nicht Erzengel sein können, Luzifer werdert!" - — Unter nachdrücklichem Hinweis auf die Lehren des Lebens D'Jsraelis und richtiger Betonung der Tatsache, daß die Juden „durch Charakter und Ueberlieserung disponiert finb, ein konservatives Gesellschaftselement erster Ordnung zu sein", ruft er, ebenso klug wie tveise, ebenso staatsmännisch wie gerecht seinen deutschen Mitbürgern zu: „Macht die Juden gleichberechtigt auf allen Gebieten!.. Mit der Judenbesreiung würde Deutschland mehr gewinnen als die Juden selbst!" Moritz de Jonge. * * *

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