KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 10-11 (1.7.1913)
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 209 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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f i i 209 bt'ii und Nichtjuden startfindet, der Zudrang von Juden so gesteigert, das; oie Verbindung säst ausschließlich nur aus Juden besteht. Das beiveist das Beispiel der Snlia lmd Wirzebnrgia in Würzbura, der Alsaeia in Leipzig und der Thuringia in Älliinchen. Die Verbindungen können daher den Charakter einer gleichmäßig aus Juden und Nichtjuden zusammengesetzten Korporationen nur erhalten, lvenn sie die Aufnahme der Mitglieder künstlich regulieren. Eine derartige Regulierung must aber zu den bedellkiichsten Konflikten führen, sei es dadurch,. das; man ttt unwürdiger Weise „Renommierchristen" heranzuziehen sucht, oder dadtlrch, das; inan die Ausnahme jüdischer Mitglieder erschlvert. Bon Antisemitismus kann jedoch — wenn man von »venigen bedauerlichen Einzelfällen, die man nicht überschätzen darf, absieht — im A.D.B. nicht die Rede sein. Denn die fastW jährige Geschichte des A. D. B. bietet eine Gervähr dafür, das; der Bund derartige Entgleisungen einzelner Burschenschaften oder deren Mitglieder in gebührender Weise entgegentreten wird) hat er doch seit seiner Gründung den Beweis geliefert, das; er von kvnsessivnellen Vorurteilen frei ist. Wenn »vir die Statuten des Bundes, seine Jahrbücher, die A. D.B -Zeitschrift — die offiziellen Publikationen des Verbandes — lesen, an keiner Stelle ist aitch n»tr ein £>Mui) antisemitischen Geistes spürbar, sondern, int Gegenteil, eine stete und ständige Verurteilung judenfeindlicher Bestrebungen. Die Satzungen des A. D. B. aus dem Jahre 1SS7 jzuletzt revidiert im Jahre 190t!) beschäftigen sich in § 4 mit dem Judenproblem. (Ob die im vergangenen Jahre vom A D. B. angenommenen Statuten hierin etwas geändert haben, ist uns nicht bekanntdies ist auch nicht wahrscheinlich.) § 4 der Satzungen lautet: „Der deutsche Burschenschafter ist bestrebt, die Entwicklung des Vaterlandes im Sinne der sittlichen streilieit zu fvrden. Der A.D.B.nimmt jedoch eine politische oder religiöse Parteistellung nicht ein, er wiinscht aber die Erwerbung einer wissenschaftlich politischen Bildung.. Dieser Paragraph nimlnt zu deut hier besprochenen Problem nur in negativem Sinne Stellung. Er besagt, daß der A. D. B. seine Mitglieder zll sittlich frei denkenden Menschen zu erziehen sucht, die über religiöse Vorurteile erhaben sind, und das; dem Bunde die religiöse Stellungnahme seiner Mitglieder gleichgültig ist. Dieser Bestimmung des Statuts hat die Bundesteitnng ihr Verhalten stets angepaßt und die Bundestagungen haben den gleichen Standpunkt vertreten. Am wertvollsten in dieser Hinsicht ist ein Beschluß vom 27. Bundestage des A. D. B. aus dem Jahre 1910, der nach eingehender Debatte gefaßt wurde. Er lalltet: „Einmütig steht der Bund auf dem von ihm seit 27 fahren vertretenen Grundsätze, das; erdieAufnahme nenerMitgliedernicht abhängig macht von NassennndGlaubens- Vorurteilen oder vvmpolirischenBekenntniS, sondern einzig und allein vom Bekenntnis um Deutschtum und vom inneren Werte er Persönlichkeit." Dieser Beschluß, der im 6. Jahrgang der A.D. B-Zeitschrift (-2.99) mitgeteilt wird, ist als einziger Beschluß der Tagung in seinem ganzen Wortlaut gebracht, und zwar in Sperrdruck, ei,l Belveis dafür, daß die Schristleitltng dieser Entschließung besondere Bedeutung beigemessen hat. Daß der Beschluß einstimmig gefaßt worden ist, wird durch Jettdruck des Wortes „einmütig" unterstrichen. Diese Stellungnahme des A. D.B. zeigt gewisse Berührungspunkte mit de»; Bestrebungen des K. E., auf die all verschiedenen Stellen der A. D. B.-Zeitschrift auch Hingelviesen wird. Zunächst wird die Stellung des K.C. zum deutschen Vaterlande im vollsten Umfange gebilligt. „Ein seelischer Konflikt fchiverster Art - so heißt es iin 4. Jahrgang iS. 178) - ist es, der das heutige Judentum durchzieht, in verstärktelll Maße natürlich den akademischen Teil des Judentums. Es ist das Problem der Vaterlandsliebe. Seit Hunderten von Jahren Allgehörige fremder Nationen betrachten sich die Juden nlit Recht als Glieder dieser Nationen. Zwar rollt in ihren Adern nicht das reine Rassenblut - doch wo könnte man heute noch überhaupt von einer reinen, unverfälschten Rasse reden —, aber in ihrem Sinnen und Denken, in ihren Gefühlen und Handlungen fühlen sie sich dllrchaus als Volksangehörige. Die deutschen Juden lieben Deutschland, ihr Vaterland, genau so wie die deutschen Bekenner des christlichen Glaubens, sie filchen überall die Ehre des deutschen NamenS genau fv zu verteidigen wie Angehörige anderer Konfessionen. Auch für sie gilt noch hellte der Wahlspruch des hervorragenden Jtlden Gabriel Riefser: Einen Vater in den Höhen, Eine Mutter haben wir. Gott, ihn, aller Wesen Vater, Deutschland, tmsere Mutter hier." In gleichem Sinne äußerte sich Geheimrat Or. Konrad Küster in; vergangenen Jahre in einem Schreiben an den Unterzeichneten, indent er ausführte, daß die in den K. C -Blättcrn vertretenen Anschauungen über die deutsche Judenfrage „ganz dem Empfinden entspreche, das er über' die deutschen Juden habe". An anderer Stelle der A. D. B.-Zeitschrift (2. Jahrgang, S. 125) wird 4