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KC-Blätter · 1913-07-01 · Heft 10-11 (1.7.1913) · p. Seite 208

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 10-11 (1.7.1913)
Date
1913-07-01
Page
Seite 208 (sequence 8)
Language
German
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Untevflnnji entgegenzu führen drohten. . Der A.D.B. hat alle diese Krisen überstanden und, nachdem er in dem ersten Jahrzehnt seines Bestehens nur kümmerlich vegetiert hatte, seit Beginn deS 20. Jahrhunderts schnellere Fortschritte gemacht. Aber ganz ist der antisemitische Geist im A. D- Bnoch nicht überrvunden. Immer wieder leseil wir von einenr Austauchen antisemitischer Strömungen in dieser oder jener Burschenschaft. Dem Känigsberger A. D. B., der schon wiederholt im antisemitischen Fahrwasser segelte, war es Vorbehalten, noch in jüngsten Tagen sich nach Art des Vereins deutscher Studenten zu betätigen. Die Verbindung imK- E.„Friburgia" in Königsberg berichtet über einen Vorfall etwa folgendes: Das Prorektorat der Universität Königsberg habe die Vertreter der Verbindungen zu einer Versammlung zur Bildung eines allgemeinen StttdentenansschnsseS eingeladen. Der Vertreter der K- C.-Verbindung habe in dieser Versammlung, als es sich um die Gruppenverteilnng gehandelt habe, ausgeführt, das; sein Verband mlS Gründen, die in diesen Blättern schon wiederholt ausgesprochen worden sind und unten noch kurz berührt werden, nicht in die Gruppe der konfessionellen Verbindungen eingegliedert werden möchte, wie dies in Verkennung unserer Tendenzen beabsichtigt gewesen sei. Er habe verlangt, in die Gruppe der A.D. B.-Bnrschenschast, in der noch ein Platz frei gewesen sei, zu kommen. Da habe der Vertreter der A.D.B.-Bnrschenschaft Eheruseia erklärt: „Wir arbeiten mit Juden nicht zusammen." Die Friburgia, der diese Aenßerung hinterbracht worden sei, habe darauf bei der Cheruseia angefragt, ob sie ihren Vertreter decke. Das sei bejaht rvorden. Im Ehrengericht sei allerdings diese Bemerkung insofern von den Herren der Ehernsna eingeschränkt worden, als sie erklärt hätten, sie billigten die Worte ihres Vertreters an sich nicht, hätten aber für ihr Mitglied, mit öem sie sich innerhalb ihrer Burschenschaft wegenseinerAenßernng noch befassen würden, eintreten müssen. Wenn auch nicht einzusehen ist, warum eine Verbindung für einen Fehltritt eines Mitgliedes unbedingt einstehen mutz, so sei doch von dieser nachträglichen Erklärung, die den Fall erheblich mildert, gcvite Kenntnis genommen. Der Fall genügt aber zum Beweise, daß noch mancher Funken, im Verborgenen glimmt und daß die leitenden Kreise des A. D. B. diesem Punkte ihre volle Aufmerksamkeit zmvenden müssen. Eine ivnnde Stelle des A. D. B. bildet weiterhin die Frage der Aufnahme von Juden in seinen Burschenschaften. Alfred Wolfs-Lissa hatte in einem Aufsatz in den K. C -Blättern behauptet, der A. D. B. nehme Juden nur zu einem bestimmten Prozentsatz auf. Diese Behauptung, die weit verbreitet ist und dem A. D. B. - wie Neogermania selbst zngibt - den Namen „Prvzentburschenschast" eingetragen hat igewvhnlich werden 25 % genannt), hat die Burschenschaft Neogermania-Berlin in einer Zuschrift an die Redaktion der K. E.-Blätter von, 10. Februar 19! 2 sabgedruckt in beii K. C.-Blättern, 2. Jahrgang, No. 7) bestritten. In der Tat geben weder die Statuten noch die sonstigen Verösfentlichungen des Bundes hierfür, auch nur den geringsten Anhaltspunkt. Und doch behaupten wir, daß tatsächlich in früheren Jahren Juden nur zu 25% der Gesamtmilgliederzahl in vielen A. D. B.-Burschenschasten, insbesondere in Berlin, zugelassen wurden, um eine „Verjndnng", wie sie sich in fast allen paritätischen Verbindungen gezeigt hatte, zu vermeiden. lieber die Ungeheuerlichkeit einer solchen Uebung ist kein Wort zu verlieren. Sie bestand aber. Der beste Beweis für unsere Behauptung ist die Tatsache, das; heute in den fünf Berliner A.D. B.-Burschenschasten genau l/< aller Alten Herren Juden sind. In letzter Zeit hat sich der Prozentsatz zuungunsten der Juden erheblich verschlechtert. Die fünf Berliner A. D. B.-Burschenschasten haben zurzeit je zwei bis drei j irdische Inaktive. Aktive Juden befinden sich in gleicher Zahl in drei Berliner Burschenschaften, während die beiden andern Burschenschasten Juden in ihrer Aktivitas nicht haben. Beim A.D.B. iit Leipzig, München, Breslau, Greifswald und Darmstadt sollen zurzeit Juden vereinzelt aktiv sein. Ob und wie viele Inden in andern Universitätsstädten beim A. D. B. aktiv sind, ist uns nicht bekannt. Auch diese Tatsache ist außerordentlich ausfallend. Da die anderer! paritätischen Verbindungen sehr viele jüdische Mitglieder haben, rnüßte nrnn einen viel größeren Prozentsatz jüdischer Studenten in den Reihen des A. T). B. errvarten. Man kann sich daher schwer dem Gedanken verschließen, daß die Anfnahme von Juden nicht doch nach anderen Grundsätzen erfolgt als die Ausnahme von Nichtjuden. Es fehlt leider jedes statistische Material über diese Frageauch die bisher erschienenen Jahrbücher geben über dieses interessante Thema keine greifbaren Anhaltspunkte. Man kann natürlich nicht annehmen, daß hierbei antisemitische Gründe mitspielen. Denn der A.D.B. müßte seine ganzen Grundsätze verleugnen, wollte er prinzipiell Juden fernhalten. Man braucht sich ja auch darüber nicht zu täuschen, daß unter den jetzigen durch den Antisemitismus geschaffenen Verhältnissen an den deutschen Hochschulen das Bestehen wirklich paritätischer Verbindungen praktisch undurchführbar geworden ist. Da die meisten studentischen Verbände Juden auSschließen, wird natürlich dort, wo eine unterschiedslose Aufnahme von Ju-

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