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KC-Blätter · 1913-07-01 · Heft 10-11 (1.7.1913) · p. Seite 204

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 10-11 (1.7.1913)
Date
1913-07-01
Page
Seite 204 (sequence 4)
Language
German
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allen Plänen und Zielen der Menschen und. Völker. Vieles mag noch der Deutung unterworfen feinsoviel ober ist sonnenklar, daß Menschen ohne Vaterland, ohne bürgerliche Ehre, 9!olnaden wider Willen, sich der Waffen von Erz und Eisen entwöhnen müssen, weil andere Waffen im Mampfe lim die bloße Existenz ihnen wirksamer Helsen. Pom Juden des Mittelalters kriegerische Taten verlangen, heißt voll jemandem Laufschritt fordern, dem man die Fußsehaen durchschnitten hat. „Im ewigen fthiß der Dinge und (Matricn verändern sich die Seelen von Grund aus. Die Völker können unabhängig von ihrer Nasse kriegerisch und friedliebend, grausam und milde gemacht iverden." jDr. Zollschan, Rasseuproblem S. 192; daselbst Beispiele von den Chinesen — einst kriegerisch, dann friedlich — Schweizer», Norwegern n. a.) In Frankreich- Deutschland, lnn nur dieses ins Auge zu fassen, konnte der Jude in den Heerbann nicht ausgenommen werden, »veil die Kirche über diesen ihre Hände breitete. Die Könige gaben das Zeichen, die Städte ahmten es nach; selbst zmu Grabe« und Wachen wurden die armen Halbbürger nicht zugelassen, es müßte denn die Sturmglocke gezogen werde»; auch Bandenführer lehnten ^ie ab, vermutlich aus Aberglauben. In Steinhaufens Deutscher Kulturgeschichte zeigt eine Tafel die Gliederung der Stände, Klassen und Berufe vom Kaiser bis herab zum Henkersknechte im Bilde; täuscht uns die Erinnerung nicht, so erscheint der Jude ganz unten an letzter oder vorletzter Stelle. Jude und Krieger sein, das schloß für den mittelalterlichen Deutschen sich gegenseitig aus. Noch Friedrich der Große, der großen Soldatenverbrauch hatte, wies es »weit von sich, Juden in sein Heer einznstellen, zur Bewahrheitung des Wortes: Es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten. Aenderung in diese Zustände brachten erst die Stürme der französischen Revolution, die für die Inden düs blutige Morgenrot der Befreiung ans vielhnndertjähriger Knechtnng bedeutete. Für Preußen-Deutschland trat der Wendepunkt um IS 12 ein; nicht viel »lehr als 100 Jahre sind es also her, daß Juden Anteil an deutscher Erde und deutscher Ehre erhielten, und in den Befreiungskriegen zugleich die neue Waffeniveihe empfingen. Es ist eine Ausgabe für sich, in diesem erinnerungsreichen Jubiläumsjahre den Anteil der Juden all ben glorreichen Feldzügen 1813, 14 und 15 des Näheren darzulegeu. Die eingehendsten Stlldien hat Pros. Martin Philippson schon vor Jahre» gemacht, um Unterlagen dafür zll schaffen. Jede Woche fördert neue Fanliliendoknmente zu Tage, die iu unfern heutigen Mampfe« ungeahnten Wert erhalten. Dem uns aufgezwungenen Kampfe ist auch ein Ehrenbuch jüdischer' Krieger des ganzen 19. Jahrhunderts zu danken, das Dr. Paul Nathan 1897 in Berlin bei S. Eronbach unter dem Titel „Die Juden als Soldaten" erscheinen ließ. Da haben »vir eine Liste von 67 jüdischen Soldaten, die 1848 bis 50 mitgekämpft; von 194 ans dein Feldzuge von 1864, mm 1025 ans dem Kriege von 1866 und von 1101 Gemeinden, aus denen Juden in den deutsch-französischen Krieg vor» 1870/71 zogen; hierauf eitle Ehrentafel von 448 namhaft gemachten Helden, die in dem letzten Kriege gefallen oder verwundet lvurden, nebst eüler solchen von 373 jüdischen Kriegern, die das eiserne Kreuz erwarben. Es gibt dann in jener Veröffentlichung noch Anhänge, die sich mit den jüdischen Soldaten im Auslarlde befassen. Mit Schmerz und Bitterkeit entdecken »vir in Oesterreich und Italien, England und Holland, Frankreich Ulld Amerika »msere Glaubensbrüder in allen militärischen Ehargen bis herauf zum General iinb Kriegs minister. Nur in Rußland scheint das gleiche Prinzip, »vie seit 30 und mehr Jahren in Deutschland zu herrschen: als Gemeiner nicht zu verachten, als Vorgesetzter beileibe nicht zu achten! Das quousque ’t&mlem muß darum heute dringender, als je ertönen! * . * Doch zuvor noch eine Erlvägung. Ziele»» unsere Worte etwa darauf, dem Kriege selbst das Wort zu reden'? Ilm jeden Gedanken daran weitab zu lveisen, gestehen »vir offen, daß »vir durch unser Religionsbekenntnis allein schon daran gehindert sind, für den Krieg als solchen zu schlvärmen. Eine unserer höchsten religiösen Ideen ist die des völkerverbindenden Friedens. Vielleicht verdankt die Welt diese letztere gerade dem jüdischen Volke, weil dieses jahraus, jahrein die Kriegsgrellel vor Allgen hatte, die nur die Fortschritte der Gesittllng, nicht solche der Technik nlilderu können. Wir glallben nicht einmal an die von Zeit zu Zeit notwendigen, und für die Völker heilsamen Kriege. Wir glallben, jeder anfgezwllngene Krieg fei ein Unglück, aus dem die heilende Zeit wieder Gutes sprießen lassen köline; »vir glallben aber allch, daß dies Unglück noch lange nicht zu vermeiden sein lverde, und vor allem, daß der Krieg um Ehre, Freiheit und Vaterland ein heiliger sei. Krieg und Heiligkeit scheinen sich anszuschließen; es ist ein lnessianisches, ein jüdisches Ziel, daß sie sich egenseitig aus sch ließen. Aber das Gründlich des Jlldentums lehrt selber Kriegsartikel, in der schon kurz gestreifterr Stelle 5. B. Mose, Kap. 20. Wer sie ausmerksanl liest, wird dem humanen Geiste, den sie atmen, seine Bewunderung nicht versagen. Es ist ja beinahe zum Lachen, daß der Priester auch die Verzagten, die au keinen Sieg glaubten, aufforderte, die Reihen ihrer

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